Der "Hamster" darf einen Ausflug machen. Den Mann mit dem drolligen Spitznamen brachten Polizisten gefesselt aus dem Gefängnis nach Schwandorf. Dort erzählte er vor Gericht als Zeuge von einem bewaffneten Raubüberfall, der als kuriose Straftat für Schlagzeilen gesorgt hat.
Sie gehörten alle zur Drogenszene und trafen sich regelmäßig in amtsbekannten Häuserblocks, die in Burglengenfeld stehen. An einem Oktoberabend im Jahr 2016 wurde dort beschlossen, einen damals 25-Jährigen auszurauben. Von ihm wusste man: Er hatte sowohl Rauschgift als auch eine größere Menge Bargeld bei sich. Es waren 600 Euro.
Was folgte, war schlichtweg obskur und kam Geschichten aus dem Buch des Räuberhauptmanns Kneißl gleich. Ein damals 37-Jähriger mit dem Spitznamen "Hamster" wurde von einem jungen Mann in Richtung Ponholz chauffiert, stieg dort aus dem Pkw und ließ sich vom willfährigen Chauffeur ("Ich wusste nicht so recht, um was es ging") dessen unter seinem Autositz deponierte Schreckschusswaffe geben. Dann stieg er aus und verschwand im nahen Wald.
Nicht viel ergattert
Zu dieser Zeit war ein weiterer Wagen in Richtung Ponholz unterwegs. Darin saßen der Komplize des "Hamsters" und das spätere Raubopfer. Der heute 28-Jährige, eigentlich zu einer Fahrt nach Regenstauf eingeladen, war ahnungslos. Dann, gleich neben einem Parkplatz, trat der "Hamster" in Aktion. Er sprang zwischen Fichtenbäumen hinter einem Jägersitz hervor, stoppte den Pkw und startete seine Plünderungsaktion. Dabei wurde offenkundig: Der kleinwüchsige Mann war eigentlich den beiden Insassen des Fahrzeugs körperlich weit unterlegen.
Der Fahrer des Wagens mit Bud-Spencer-Figur, in das Verbrechen als Täter eingebunden, tat so, als ob er ebenfalls von dem nächtlichen Angriff völlig schockiert sei. Der "Hamster" bedrohte ihn und das eigentlich ins Visier genommene Opfer mit der Schreckschusspistole, fuchtelte wild herum, stieß massive Drohungen aus und landete mit seiner Raubabsicht voll auf dem Bauch. Er bekam lediglich 50 Euro und ein paar Krümel Marihuana. Die mit sich geführten Hunderter hatte der Überfallene geschickt in einem Geheimfach im Brustbeutel verborgen.
Soweit die Rückschau, wie sie nun vor dem Schwandorfer Schöffengericht unter Vorsitz von Ewald Ebensperger geschildert wurde. Der "Hamster" hatte im Herbst 2017 viereinhalb Jahre Haft vom Landgericht Amberg kassiert, sein Komplize bekam damals knapp vier Jahre und durfte in eine Drogentherapie. Dort ist er heute noch. Hinter Gitter wird der Mann aus dem Raum Neunburg vorm Wald wohl nicht mehr müssen. Denn wer den Entzug erfolgreich absolviert, darf mit Reststrafenbewährung rechnen.
"Alles okay"
Welche Rolle aber spielte jener Mann, der den "Hamster" in die Nähe des Tatorts fuhr und ihm seine Schreckschusspistole gab? "Genaue Kenntnisse hatte ich nicht", unterstrich der Angeklagte jetzt. Auch ein Beuteanteil sei ihm vorher nie zugesagt worden. Er ließ ferner wissen: "Ich hab' den Hamster später wieder nach Burglengenfeld zurück gebracht." Als dann die Kripo auch bei ihm ermittelte, zersägte er die ihm vom "Hamster" nach dem Verbrechen zurückgegebene Waffe und warf die Reste "ins Alteisen." Im Gerichtssaal ließ er nun, zur allgemeinen Überraschung, dem Raubopfer stattliche 2500 Euro durch seinen Anwalt Gunther Haberl übergeben. "Als Wiedergutmachung", wie betont wurde. Das erfreute den Überfallenen. "Alles okay", signalisierte der Mann.
Nach einem sich über den ganzen Tag hinziehenden Prozess lautete der Schuldspruch des Schöffengerichts unter Vorsitz von Ewald Ebensperger auf Beihilfe zur räuberischen Erpressung. Der 24-Jährige muss allerdings nicht ins Gefängnis. Er bekam zwei Jahre Haft mit Bewährung und hat eine Drogentherapie fortzusetzen, die er momentan absolviert. Als das Urteil verkündet wurde, war der "Hamster" längst wieder in einem vergitterten Bau namens Justizvollzugsanstalt.












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