02.11.2021 - 11:38 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Handwerk auf der Suche nach Fachkräften

Es gibt im Arbeitsagenturbezirk Schwandorf immer noch deutlich mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Das hat mehrere Gründe.

Die Zahl der Lehrstellenbewerber mit Migrationshintergrund ist stark rückläufig.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Der Flüchtlingsstrom ebbt ab, das macht sich auch auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit Asylanten im Arbeitsagenturbezirk Schwandorf sank um 20 Prozent auf 269. Auch der Gesamtbestand an Lehrverträgen mit Migranten ist rückläufig und beträgt aktuell 810 (minus 5 Prozent).

Dabei würde der Ausbildungsmarkt Jugendliche mit Migrationshintergrund gut vertragen. Auf 4420 gemeldete Ausbildungsstellen (minus vier Prozent) in den Landkreisen Schwandorf, Amberg-Sulzbach und Cham sowie in der Stadt Amberg bewarben sich im September nur 2018 Schulabgänger (minus zehn Prozent).

Schere geht auseinander

„Seit 2010 geht die Schere auseinander“, stellte die Vorsitzende der Geschäftsleitung, Silke Grimm, bei der jährlichen Ausbildungs-Pressekonferenz beim Blick auf die Grafik fest. Sie erklärte das Missverhältnis mit der demographischen Entwicklung, dem Streben der Jugendlichen nach höherer Schulbildung und dem Umstand, „dass sich inzwischen viele junge Menschen selbstständig eine Lehrstelle suchen“.

Die Bewerberzahl gehe über alle Branchen hinweg zurück, betonte Silke Grimm. Bei den Mädchen liegen die kaufmännischen Berufe weiter voll im Trend, während die Burschen verstärkt ins Handwerk drängen. Für 1272 Jugendliche mit Förderbedarf hat die Agentur Berufsorientierungsmaßnahmen eingerichtet. Ferner nutzen 151 Bewerber mit Behinderung eine Reha-Maßnahme.

Besondere Ausbildungsmodelle

Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz, stellte fest: „Trotz Corona ist der Fachkräftebedarf im Handwerk sehr hoch“. Die Hälfte der Lehrlinge rekrutiert sich aus Absolventen der Mittelschule. Um verstärkt auch Realschüler und Gymnasiasten zu gewinnen, bietet die Handwerkskammer besondere Ausbildungsmodelle an: das Berufsabitur, die Kombination Abi+Ausbildung und ein duales Studium.

„Wir sind mit einem lachenden und einem weinenden Auge unterwegs“, sagte Ralf Kohl. Der Bereichsleiter der Industrie- und Handelskammer für Oberpfalz/Kelheim ist froh über den wirtschaftlichen Aufschwung, klagt aber gleichzeitig über Nachwuchsmangel. „Auch wenn die Not groß ist, nehmen wir nicht jeden Bewerber“, erklärte Ralf Kohl. An der Qualität der Ausbildung wolle die IHK festhalten. Aber: „Die Leute, die wir bräuchten, sind nicht da“. Die Überbrückung der Pandemie mit Homeoffice sei gut gelungen, so der IHK-Vertreter, die Ausbildung habe dadurch nicht gelitten.

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