28.09.2021 - 19:39 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Handwerker suchen händeringend nach Auszubildenden

"Handwerk hat goldenen Boden." Wer kennt den Spruch nicht? Junge Leute schlagen ihren Berufsweg daher zwar in diese Richtung ein. Trotzdem bleiben zahlreiche Lehrstellen unbesetzt.

Kleine und große Handwerksbetriebe, mittelständische Unternehmen und Industriebetriebe bieten im Landkreis Schwandorf Lehrstellen an. Viele von denen bleiben unbesetzt.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Schreinermeister Christian Bauer aus Wernberg-Köblitz kann ein Lied von den Problemen bei der Suche nach Lehrlingen singen. Sein Betrieb, den er in zweiter Generation führt, beschäftigt derzeit neun Personen, darunter drei Azubis, verteilt auf alle drei Lehrjahre. "Wir könnten eigentlich pro Lehrjahr zwei junge Leute ausbilden," versichert Bauer, der das auch schon getan hat. "Aber es ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden, Azubis zu finden."

Aufträge kaum abzuarbeiten

Dabei ist der Betrieb durchaus offen - nicht nur, was die Aufnahme von Mädchen als Lehrlinge anbelangt. "Im dritten Lehrjahr haben wir zum Beispiel ein Mädchen," berichtet Bauer. Er spricht auch davon, dass sich sein Unternehmen engagiert an den Betriebspraktika der Schulen beteiligt: "Da sind wir immer ausgebucht, denn ich nehme immer welche auf." Manche Schüler würden dabei merken, dass Schreiner nichts für sie sei, andere äußerten sich eher zustimmend; was aber nicht heiße, dass das auf mittlere Sicht in Ausbildungsverträge münde.

Dabei sind die Auftragsbücher vieler Handwerker prall gefüllt und können kaum abgearbeitet werden. Lehrlinge im Bauhauptgewerbe - also zum Beispiel angehende Maurer oder Zimmerer - gehören mittlerweile zu den bestverdienenden Azubis: Knapp 1500 Euro brutto bekommen sie im dritten Ausbildungsjahr pro Monat. Tatsächlich aber gibt es einen "Trend zur Höherqualifizierung", das heißt: Immer mehr Jugendliche verlassen die Schule mit Abitur oder Fachabitur.

Darauf weist auch Bereichsleiter Wolfgang Zwicknagl von der Arbeitsagentur Schwandorf hin, wenn er in regelmäßigen Abständen den Jugendhilfeausschuss des Schwandorfer Kreistags über die Lage im Landkreis informiert. Und mit dem Abitur eine Ausbildung zu beginnen, für die eigentlich nur ein Hauptschulabschluss nötig ist, erscheint vielen laut einer Studie als "risikoreiche Verschwendung ihres Bildungsaufwands".

Vorbehalte schwer auszuräumen

61 Prozent der unbesetzten Lehrlingsstellen sind solche, für die ein Hauptschulabschluss als Mindestzugangsvoraussetzung definiert wurde - und das trifft auf die meisten Handwerksberufe zu. Ausbildungsplätze, für die ein Abitur oder eine Fachhochschulreife verlangt wird, können dagegen in der Regel problemlos besetzt werden. Für andere gelten oft Vorbehalte, vor allem gegenüber Berufen mit überwiegend körperlicher Tätigkeit. Früh aufstehen, hart arbeiten, wenig verdienen - das ist der Dreiklang, der Handwerksberufen offenbar noch immer anhaftet und abschreckt.

Im Landkreis Schwandorf gibt es einige Stellen, wo man sich professionell mit dem Thema Ausbildungsplätze und Lehrlingszahl befasst. Eine davon ist die Agentur für Arbeit. Dort hat man belastbare Zahlen, und die sehen so aus: In diesem Sommer hat die Agentur 1520 offene Lehrstellen im Landkreis Schwandorf erfasst. Von ihnen war zum Beginn des Ausbildungsjahres ein Drittel (541 Stellen) unbesetzt. Unter denen könnten theoretisch jene 54 Schulabgänger auswählen, die als "unversorgt" gelten. Bei seinem bislang letzten Auftritt vor dem Ausschuss fasste Zwicknagl zusammen, dass die Ausbildungs- und Arbeitsplatzsituation im Landkreis Schwandorf "für den weitaus überwiegenden Teil der Jugendlichen und Schulabgänger sehr gut ist".

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es im Landkreis unter den offenen Ausbildungsplätzen unter anderem 37 für Kaufleute im Einzelhandel gibt und eine gleich hohe Anzahl im Bereich Verkauf. Weit oben auf der "Lehrlinge gesucht"-Liste stehen auch die Installateure (26), die Mauerer (24) und die Zimmerer (21).

Man sieht: Chancen für Bewerber bestehen noch in fast allen Branchen - insbesondere in den Bau- und Baunebenberufen, den Waren- und Dienstleistungsberufen, den Metall-, Maschinenbau- und Fahrzeugtechnikberufen, im Bereich Organisation und Verwaltung sowie bei den Mechatronik-, Energie-, und Elektroberufen.

Richard Kurz, der in Schwarzenfeld einen renommierten Zimmereibetrieb leitet, macht sich trotzdem kaum Hoffnungen. "Die Eltern schicken ihre Kinder lieber ins Büro oder in die Fabrik, weil bei den Zimmerern die körperliche Belastung da ist, das draußen Arbeiten." Auch wenn das bei seinem Unternehmen nur bedingt gilt, weil sich Richard Kurz auf den Holzhaus-Bau in der Halle spezialisiert hat, so gehört doch zu seinen 37 Beschäftigten nur ein Lehrling. "Dabei könnten wir sechs Lehrlinge verkraften."

Die Folge: Fachkräftemangel

Sogar eine eigene Lehrlingswerkstatt kann die Firma Holzhaus-Manufaktur Richard Kurz GmbH vorweisen. Doch wie man bei einem Blick auf die Zimmerer-Berufsschule in Furth im Wald sehen würde, "haben wir zwar Zuwachs, aber bei weitem zu wenig". Dass sich um die jungen Schulabgänger viele Firmen aus seiner Branche bemühen, macht die Sache auch nicht leichter: "Wir haben in Schwarzenfeld eine große Zimmereien-Dichte." Kurz' Bilanz ist prägnant: "Unser Fachkräftemangel ist dem Ausbildungsmangel geschuldet."

Einblicke in die Situation der Metzgereien gibt Josef Paulus aus Pfreimd. "Die Suche ist nicht einfach," bedauert auch der 48-Jährige, "der Metzgerlehrling ist eine aussterbende Rasse". Das hat laut Paulus auch strukturelle Gründe. Denn es sei "immer schwieriger, kleine Strukturen zu erhalten". Probleme bereitet auch das Finden von Verkaufspersonal: "Verkäuferin ist zwar vielfältig als Beruf, aber vielleicht nicht chic." Derzeit arbeiten in Pfreimd und der Filiale in Nabburg 45 Menschen für den Betrieb. Wegen der demografischen Entwicklung prognostiziert der Handwerksmeister, "dass Leute fehlen werden, die arbeiten können". Der letzte Lehrling in der Metzgerei war übrigens der Sohn des Besitzers. "Und er," so Paulus, "hat seit einem Jahr ausgelernt".

Der Ausbildungsmarkt steht wegen Corona unter Druck

Schwandorf
Hintergrund:

Mehr Stellen als Bewerber

  • Im Landkreis Schwandorf sind bis August dieses Jahres insgesamt 1520 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet worden.
  • Das sind zirka 110 Stellen oder 6,5 Prozent weniger als im Vorjahr.
  • Demgegenüber beträgt die Zahl der gemeldeten Bewerber 660.
  • Das sind zirka 90 Bewerber oder 12,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

 

 

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