05.03.2020 - 20:44 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Heftiger Disput am Badeweiher

Verkehrsüberwacher und 37-jähriger Autofahrer geraten aneinander - Missverständnis oder versuchte Nötigung?

Prozess
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Eine klare Drohung oder doch ein Missverständnis? Ein mutmaßlicher Falschparker und ein Verkehrsüberwacher am Steinberger See gerieten im Sommer des vergangenen Jahres aneinander. Was genau vorgefallen ist, das konnte auch Amtsrichterin Verena Bösl nicht aufklären.

Der Verkehrsüberwacher machte Fotos am Südufer des Steinberger Sees. Am dortigen Parkplatz standen (wieder einmal) einige Fahrzeuge vor einer Schranke, blockierten die Zufahrt. Plötzlich hörte der Überwacher Rufe. "Hey, hey", habe jemand von der Seite aufgebracht gerufen, sagte der Verkehrsüberwacher am Donnerstag als Zeuge vor dem Schwandorfer Amtsgericht. Und: "Auf ,hey' reagiere ich schon lange nicht mehr".

In gebrochenem Deutsch habe ihn ein Mann dann lauthals angeschrien, ihn schließlich sogar Auge in Auge, Nasenspitze an Nasenspitze bedroht: "Wenn ich eine Strafe bekomme, dann..". Die Geste mit zwei Fingern über den Hals war für den Überwacher unmissverständlich: Der droht, mir die Kehle durchzuschneiden.

Die versuchte Nötigung wurde justiziabel. Ein 37-Jähriger aus Polen, der auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt und hier arbeitet, bekam eine Anzeige, samt Strafbefehl. Den wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Denn, so jedenfalls seine Darstellung des Vorfalls: Er habe gemeint, dass er auf den Bildern des Überwachers zu sehen sei, nur mit Badehose bekleidet. Das sei doch verboten, er wollte nicht fotografiert werden. Das habe er in polnisch-deutschem Kauderwelsch deutlich machen wollen. Und er habe gedroht, dem Überwacher die Kamera kaputt zu machen. Das wiederum hat der Überwacher nicht gehört, sagte er als Zeuge aus.

Standen die beiden nun Nasenspitze an Nasenspitze, oder doch in einigem Abstand voneinander? Und ging's wirklich "nur" um das Foto oder doch um einen Strafzettel? Klären ließ sich das vor Gericht nicht. Richterin Bösl regte an, das Verfahren einzustellen, womit sich Staatsanwaltschaft und Angeklagter einverstanden erklärten. Ein Freispruch ist das nicht, der Strafbefehl ist dennoch vom Tisch.

Genau betrachtet war die ganze Aufregung ohnehin nicht angebracht. Denn der Wagen des 37-Jährigen war nicht falsch geparkt. Er stand nur neben den Fahrzeugen, die der Verkehrsüberwacher zu Dokumentationszwecken ablichtete.

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