27.03.2020 - 13:49 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Hotelier auf dem Spargelfeld

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Peter Engel ist eigentlich Hotelier. Seit ein paar Tagen ist sein Haus geschlossen und er arbeitet als Spargelstecher - einer von wenigen. "Die Rumänen durften nicht kommen", klagt Spargelbauer Josef Scharl. Grenzschließung wegen Corona.

Hotelier Peter Engel aus Maxhütte-Haidhof hat derzeit Zwangspause, weil sein Haus vorübergehend schließen musste. Jetzt verdingt er sich mit anderen auf den Spargelfeldern von Josef Scharl und hat Freude an der Tätigkeit, wie er versichert.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

„Die Rumänen“, das sind jene fleißigen und nicht sehr anspruchsvollen Erntehelfer, die jedes Jahr in größerer Zahl nach Schwandorf fahren, um dort für zwei bis drei Monate im Spargelbaubetrieb Scharl bei der Ernte zu helfen. Eine Arbeit, die auch Deutsche machen könnten, es aber seit langer Zeit nicht mehr tun wollen. „Die Menschen hier sind so eine Arbeit nicht mehr gewohnt“, sagt Seniorchef Josef Scharl, „aber das ist ja auch kein Traumjob“.

Um ein Haar hätten es die Rumänen in die Oberpfalz geschafft. „Einen Tag früher, und die Grenze wäre noch offen gewesen. Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir sie acht Tage früher angefordert.“ Jetzt ist es zu spät. Wobei sich Scharl nicht sicher ist, ob die Landarbeiter in Zeiten von Corona überhaupt gekommen wären.

Seniorchefin Ingrid Scharl ist es derzeit „zum Weinen zumute“. Wenn es wärmer werde, „wird der Spargel schießen“. Wer soll in dann in großem Maßstab ernten? „Es melden sich zwar immer wieder Menschen, die gerade keine Arbeit haben, aber viele von ihnen schaffen die Arbeit nicht.“ Abgesehen davon: Wer soll den Spargel in größeren Mengen kaufen? „Die Gaststätten haben zu. Märkte wurden geschlossen.“

Auch die Handvoll Verkaufsbuden mit den großen Schildern „Oberpfälzer Spargel“ sind noch immer am Rande des Hofs gelagert, obwohl sie schon lange woanders stehen sollten. Aber der Verkauf aus den Häuschen wurde fast überall unmöglich gemacht – in Weiden beispielsweise, wo Scharl immer vertreten ist, hat man den Wochenmarkt zum Schutz vor Infektionen vorsorglich abgesagt.

Einigermaßen gut funktioniert nur der Ab-Hof-Verkauf im Schwandorfer Stadtteil Dachelhofen. Doch selbst hier fehlt im Vergleich zu früher Verkaufspersonal. Ingrid Scharl und ihr Schwiegersohn Josef Feldmeier stehen hinter der Spargel-Theke, die vorbildlich mit Glas zu den Kunden hin abgetrennt ist. Auch auf der Kundenseite hat man sich Mühe gegeben und mit farbigem Klebeband am Boden die Mindestabstände markiert. Aber die anderen Frauen, die sonst im Verkauf helfen, fehlen – entweder, weil es Ausländerinnen sind, „oder weil wir sie aus Arbeitsmangel nicht gebraucht haben“.

Auf den Spargelfeldern rund um Dachelhofen sind derzeit ein paar Männer für Scharl im Einsatz. Vor allem Menschen, die gerade Zwangspause im Beruf haben – etwa BMW-Zeitarbeiter. Aber auch ein Hotelier ist darunter, Peter Engel aus Maxhütte-Haidhof. Er musste in der Coronakrise sein Bed-and-Breakfast-Haus „Stadthotel Maxhütte“ schließen, auch sein daneben liegendes Irish Pub mit dem Namen „Peter’s Cottage“.

„Ich habe mich gemeldet, weil ich derzeit nichts zu tun habe“, sieht es Engel ganz pragmatisch, „und das mache ich jetzt jeden Tag ein paar Stunden und verdiene Geld dabei“. Dem 64-Jährigen bereitet die Arbeit auf dem Feld sogar Freude, wie er versichert. „Außerdem habe ich jetzt das Spargelstechen gelernt.“ Dass die Tätigkeit körperlich anstrengend sei, macht ihm nichts aus: „Wenn ich im Holz bin, ist es auch anstrengend.“

Beim Ab-Hof-Verkauf im Schwandorfer Stadtteil Dachelhofen wurden mit farbigem Klebeband am Boden die Mindestabstände markiert. Scharls Schwiegersohn Josef Feldmeier steht hinter der Spargel-Theke und bedient (rechts).
Die Verkaufsbuden mit den großen Schildern „Oberpfälzer Spargel“ sind noch immer am Rande des Hofs gelagert.
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