27.08.2018 - 12:33 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Der Hubwagen als Hindernis

Was hat ein Supermarkt in Dresden mit einem oberpfälzischen Amtsgericht zu tun? Sehr viel, wie sich herausstellt. Der Lebensmittel-Konzern, von dem eine betagte Frau aus Sachsen nun Geld will, hat seinen Stammsitz im Landkreis Schwandorf.

Der Sturz einer Senioren von einem Hubwagen in einem Supermarkt beschäftigt das Gericht in Schwandorf. Die Frau fordert Schmerzensgeld und Schadenersatz von dem Lebensmittelkonzern.
von Autor HWOProfil

Der Anwalt kam eigens aus der Elbmetropole, hatte seine Mandantin wegen erwiesener Nichtreisefähigkeit daheim gelassen und schilderte dem Zivilrichter Holger Vogl einen höchst bedauerlichen Vorfall, der sich am 7. Juli 2015 in einem Dresdner Lebensmittel-Einkaufszentrum ereignet hatte. In diesem Laden war eine Rentnerin unterwegs, die ihre Shopping-Absichten plötzlich durch einen mitten im Weg stehenden Hubwagen blockiert sah.

Unstrittig war in diesem auf Schadenersatz und Schmerzensgeld ausgerichteten Prozess in Schwandorf: Die Dame stieg auf das Plateau des Hubwagens, um an einen Artikel zu gelangen, der sich in den Regalen befand. Was dann passierte, war nun der sogenannte Streitgegenstand: Der Hubwagen setzte sich angeblich in Bewegung, worauf die ältere Frau das Gleichgewicht verlor und der Länge nach hinfiel. Die Kundin des Lebensmittelmarktes, dessen Zentrale im Kreis Schwandorf ansässig ist, zog sich Verletzungen zu und musste deshalb sieben Tage lang eine Haushaltshilfe bemühen.

Diese Kosten plus die Gebühren für ein sie nach dem Sturz heimbringendes Taxi, diverse Auslagen und ein Schmerzensgeld in Höhe von 2000 Euro wurden nun vor Richter Vogl geltend gemacht. Kam hinzu: Einige Zeit nach der Begebenheit wurde der Rentnerin die sogenannte Pflegestufe II zuerkannt.

Die Frage dabei lautete: Geschah dies womöglich infolge der beim Sturz davongetragenen Blessuren? Ob das von der Rentnerin aus Sachsen in Gang gebrachte Klageverfahren zum Erfolg führt, ist eher fraglich. Nicht allein nur wegen des ungeklärten Umstands, ob die sogenannte Feststellbremse des im Supermarkt stehenden Hubwagens angezogen war. "Sie hat dieses Gefährt betreten", ließ Richter Vogl erkennen. Damit stehe wohl zumindest eine Mitschuld fest.

Der Dresdner Anwalt fuhr mit dem Ratschlag nach Sachsen zurück, die Klage zurück zu nehmen. Ansonsten, so der Richter, müsse man wohl ein medizinisches Gutachten hinsichtlich des Schweregrads der Verletzungen und deren möglicher Folgen in Auftrag geben. Mit Kosten von geschätzt 4000 Euro.

Parallel dazu zitierte Holger Vogl aus dem Urteil eines Oberlandesgerichts. Es hatte in einem nahezu deckungsgleichen Vorfall die Klage abgewiesen. Weil auch dabei jemand einen Hubwagen im Supermarkt betrat. Bis Anfang September wird nun aus Dresden eine Antwort erwartet, wie es weitergehen soll. Die erste Möglichkeit: Rückzug der Klägerin aus dem juristischen Gefecht. Die zweite: Ein Gutachter tritt in Aktion.

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