27.08.2020 - 15:39 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Immer mehr Hürden für Hofläden im Raum Schwandorf

Im Landkreis Schwandorf gibt es nach Angaben des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) rund 50 Direktvermarkter. Und immer mehr Verbraucher wünschten sich Lebensmittel direkt vom Bauernhof. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille.

Hubert Piehler aus Irrenlohe bei Schwarzenfeld, hier vor seinem Hofladen, ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Landwirtschaft und wünscht sich unbürokratischere Vorgaben für Direktvermarkter, so wie sie in Österreich möglich sind.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die Erzeugnisse der Direktvermarkter sind regional, sie haben kurze Transportwege und die Bauernfamilien als direkte Ansprechpartner geben Einblick in die Herstellung der Lebensmittel. "Das macht Einkaufen auf dem Bauernhof so beliebt wie nie – und immer mehr Verbraucher wünschen sich Lebensmittel direkt vom Bauernhof," urteilt Josef Wittmann als Leiter der Geschäftsstelle des Schwandorfer Bauernverbands in einer Pressemitteilung seines Verbandes.

Doch das sei nur die eine Seite der Medaille. Wittmann klagt: "Was viele Verbraucher nicht wissen: Gerade Bauern, die ihre Erzeugnisse direkt vermarkten, machen immer neue Auflagen und bürokratische Vorschriften das Leben schwer."

Für praxistaugliche Regelungen für die Erzeugung und Vermarktung

Schwarzenfeld

„Die Direktvermarkter brauchen praxistaugliche Regelungen für die Erzeugung und Vermarktung ihrer regionalen Produkte“, fordert deshalb Hubert Piehler (42) aus Irrenlohe bei Schwarzenfeld. Er ist der Vorsitzende der Interessensgemeinschaft Landwirtschaft. Piehler verweist auf den Bereich der Fleischerzeugung: Die Schlachtordnung schreibe vor, dass bei manchen Tierarten eine eigene Zulassung oder ein eigener Sachkundenachweis notwendig sei. „Wenn ein Rinderbetrieb auch Hühner hat, deren Fleisch er vermarkten will, braucht der Hof einen eigenen Geflügelschlachter“, erklärt der gelernte Metzgermeister.

Ein Blick nach Österreich zeige, dass es auch unbürokratisch geht: Dort ist erst ab einer bestimmten Zahl geschlachteter Tiere pro Jahr ein separater Sachkundenachweis erforderlich. Um die hohen Kosten für Investition und den laufenden Betrieb für kleine regionale Schlachtstätten zu minimieren, fordert der Bayerische Bauernverband außerdem, "dass dezentrale Schlachtmöglichkeiten in Zusammenschluss mit anderen Schlachtbetrieben oder Vermarktern geschaffen werden", so Geschäftsstellenleiter Wittmann.

Immer mehr Verbraucher wünschen sich Lebensmittel direkt vom Bauernhof

Josef Wittmann

Josef Wittmann

Klare Vorgaben wünschen sich die Direktvermarkter auch bei der Lebensmittelkennzeichnung. Eine EU-Verordnung sieht vor, dass Nährwertangaben auf dem Etikett vorverpackter Produkte verpflichtend sind – mit wenigen Ausnahmen: Lebensmittel, einschließlich handwerklich hergestellter Lebensmittel, die direkt in kleinen Mengen von Erzeugnissen durch den Hersteller an den Endverbraucher oder an lokale Einzelhandelsgeschäfte abgegeben werden, die die Erzeugnisse unmittelbar an den Endverbraucher abgeben. „Die Ausnahmen für Direktvermarkter sind zwar gut gemeint, greifen aber häufig nicht, wenn innovative Formen der Direktvermarktung wie Online-Vertrieb, Abo-Kisten oder die Vermarktung teilweise über regionale Einzelhändler erfolgt“, sagt Hubert Piehler. „Wir stehen zu klaren Vorgaben im Verbraucherschutz, aber es muss auch praktikabel für die bäuerlichen Direktvermarkter sein.“

Deshalb fordert der Bayerische Bauernverband für die verschiedenen Absatzwege in der Direktvermarktung eine eigene Lebensmittelkennzeichnung mit „regionaler Einfärbung“. Die Verkehrsbezeichnungen eines Produkts sind Teil der verpflichtenden Lebensmittelkennzeichnung. Und für jedes Produkt gibt es eine eigene Richtlinie, wie zum Beispiel die Konfitürenverordnung. „Wo ist im Sprachgebrauch der Unterschied zwischen Konfitüre und Marmelade? Inhaltsstoffe sind so oder so anzugeben“, sagt Hubert Piehler.

Direktvermarkter brauchen praxistaugliche Regelungen für Erzeugung und Vermarktung

Hubert Piehler

Hubert Piehler

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