03.06.2020 - 14:24 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Immer mehr Millionen für Schwandorfer Jugendhilfe

Mit 21,2 Millionen Euro an Ausgaben rechnet die Jugendhilfe im laufenden Jahr; das sind 2,7 Millionen Euro mehr als noch 2019. Den Löwenanteil davon muss der Landkreis Schwandorf zuschießen.

Die Leistungen und Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe im Landkreis Schwandorf sind vielfältig. Sie reichen von der finanziellen Förderung der Jugendarbeit über die Gewährung von sozialpädagogischen Familienhilfen, die Einleitung von Heimerziehungen bis hin zu Inobhutnahmen von Kindern oder Jugendlichen zum Schutz vor Gewalt, Vernachlässigung oder Missbrauch.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Der Entwurf des Haushaltsplanes für die Jugendhilfe 2020 war der wichtigste Punkt der Tagesordnung, als sich der Jugendhilfeausschuss des Kreistags zu seiner ersten Sitzung im Saal des Landratsamts traf. Dass der Finanzbedarf für die soziale Sicherung von Menschen im Landkreis Schwandorf deutlich zunehmen würde, darauf hatte Kreiskämmerer Michael Neckermann schon ein paar Tage vorher hingewiesen, als er in der konstituierenden Kreistagssitzung über den Haushaltsplan für dieses Jahr sprach.

Dabei ist es nicht sosehr das Thema Sozialhilfe, das dem Kämmerer und den Räten auf den Nägeln brennt, denn dafür muss der Kreis mit ungefähr 5,8 Millionen Euro sogar ein paar hunderttausend Euro weniger aufbringen als im Jahr zuvor.

Aber die Jugendhilfe erweist sich seit Jahren als Fass ohne Boden. Die Leistungen und Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe reichen von der finanziellen Förderung der Jugendarbeit über die Gewährung von sozialpädagogischen Familienhilfen, die Einleitung von Heimerziehungen bis hin zu Inobhutnahmen von Kindern oder Jugendlichen zum Schutz vor Gewalt, Vernachlässigung oder Missbrauch. Neckermann hatte eine Übersicht der letzten sieben Jahre präsentiert, nach der sich der Zuschussbedarf seit 2014 verdoppelt hat – von damals 9 Millionen auf derzeit mehr als 18 Millionen Euro. Die Ausgaben in diesem Bereich liegen sogar noch knapp 3 Millionen Euro höher, aber diese vergleichsweise kleine Summe kommt bei der Jugendhilfe an Einnahmen wieder herein. Den 18,4-Millionen-Euro-Rest zahlt der Kreis.

Jugendamtsleiter Martin Rothut wies die Mitglieder des Ausschusses zusammenfassend darauf hin, dass die Höhe der angeforderten Mittel heuer um 14,5 Prozent oder 2, 7 Millionen Euro höher sei als im Vorjahr. „Die Veränderung des Haushaltsansatzes für 2020 resultiert aus dem erhöhten Betreuungsbedarf, den längeren Laufzeiten der ambulanten Hilfsmaßnahmen, den erhöhten Entgeltsätzen in den Heimen und den ambulanten Trägern sowie steigenden Fallzahlen“, sagte er. Rothut empfahl, den Etatentwurf dem Kreistag vorzulegen mit der Empfehlung, die Mittel einzuplanen.

Kreisräte sorgen sich: "Die Jugendhilfe wird von Jahr zu Jahr mehr"

Schwandorf

Claudia Hösamer vom Kreisjugendamt stellte den Räten den Jahresbericht für das Jahr 2019 vor. Dabei zeigte sich zum Beispiel, dass bei den Pflegschaften (67 Fälle im Vorjahr) und den Beistandschaften über Minderjährige (908 Fälle) die Fallzahlen seit Jahren im Steigen sind. Beim Thema Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) bedauerte Hösamer, dass im September 2019 die Regierung der Oberpfalz mitgeteilt habe, dass die Haushaltsmittel für 1000 JaS-Stellen ausgeschöpft seien. Die Konsequenz: Für 2019/2020 können keine weiteren JaS-Stellen bewilligt, vorliegende Anträge somit nicht berücksichtigt werden.

Deutlich zurückgegangen sei die Jugendkriminalität, wenn man die Anzeigen strafunmündiger Kinder in den letzten zwei Jahren vergleicht; die Anklagen gegen Jugendliche und Heranwachsende war 2019 mit 270 Fällen hingegen auf einem Sieben-Jahres-Hoch. Bei rund 35 Prozent (Vorjahr: 31 Prozent) der Anklagen handelt es sich um Eigentumsdelikte. Der Anteil der Gewaltdelikte an den Delikten gesamt ist mit rund 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben.

Für den Kreisjugendring war unter anderem zu berichten, dass sich das Fifty-fifty-Taxi-Projekt auch 2019 über großen Zuspruch im Landkreis Schwandorf erfreut habe; es werde voraussichtlich bis 2021 weiterbestehen. Zudem war der Kreisjugendring Mitveranstalter des 16. Jugendfilmfestivals Oberpfalz.

Entschieden wurde bei der Sitzung auch über eine Beteiligung des Landkreises Schwandorf an der Regionalen Entgeltkommission für ambulante Hilfen. Da inzwischen einige freie Träger in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet sind, sei hier dringender Handlungsbedarf gegeben, der im Zusammenwirken mehrerer Jugendämter in der südlichen Oberpfalz erfüllt wird. Hierzu wird bei der Stadt Regensburg eine Geschäftsstelle eingerichtet, deren Betrieb durch alle beteiligten Partner refinanziert werden soll.

Info:

Größter Ausschuss

Der Jugendhilfeausschuss ist mit 23 Mitgliedern der größte Ausschuss des neuen Kreistags. Er setzt sich zusammen aus beschließenden und beratenden Mitgliedern.

Zu den beschließenden Mitgliedern gehören die Kreisräte Thomas Falter (CSU), Tina Schmidt (CSU), Sabine Schindler (CSU), Ulrike Roidl (SPD), Franz Brunner (SPD), Benjamin Boml (Junge Wähler), Elisabeth Bauer (Grüne), und Heidi Eckl (ÖDP), sowie auf Vorschlag des Kreisjugendrings Peter Neumeier, Simone Kramer und Jürgen Weich; dazu kommen noch Katrin Hofmann (Bayerisches Rotes Kreuz), Wolfgang Reiner (Caritas) und Karl Ziegler (Kolping-Bildungswerk).

Beratende Mitglieder sind neben Jugendamtsleiter Martin Rothut die Richterin Petra Froschauer, Schulrat Jürgen Bomertl, Wolfgang Zwicknagl (Agentur für Arbeit), Franz Klarner (Erziehungsberatungsstelle Schwandorf), Helga Forster (kommunale Gleichstellungsbeauftragte), Franz-Xaver Michl (Polizeiinspektion Schwandorf), Stephan Reither (evangelische Kinder- und Jugendhilfe) und Linda Lichtenberg (katholische Jugendstelle).

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