Nachdem der Impf-Skandal im Schwandorfer Elisabethenheim die Runde im Landkreis gemacht hatte, hieß es zunächst, dass nur übriggebliebene Impfungen an Personen außerhalb der Reihe vergeben wurden. Zusätzlich geimpft seien zudem nur Personen geworden, die als Angehörige der Mitarbeiter zum einen vorerkrankt und zum anderen aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehört hätten.
OB Feller dementiert Gerüchte
Bislang hatte Oberbürgermeister Andreas Feller die Vorwürfe zurückgewiesen, er und seine Frau seien ebenfalls unter den Geimpften aus dem Elisabethenheim. Auch das Gerücht, dass er am 27. Januar selbst ein konkretes Impfangebot von der Heimleitung bekommen habe, entspricht ihm zufolge nicht den Tatsachen. In der Stadtratssitzung am Montag erklärte er zwar, dass er anfangs ebenfalls mit dem Gedanken gespielt hätte, sich im Januar im Elisabethenheim impfen zu lassen. Grund: Als oberster Dienstherr des Seniorenheims habe er den Mitarbeitern mit gutem Beispiel vorangehen wollen, um ihnen die Zweifel an der Impfung zu nehmen. Der Rathauschef hat sich letztlich aber selbst dagegen entschieden, das Angebot anzunehmen. Feller erklärte dies wie folgt: "Aufgrund der zunehmenden Sensibilität des Themas und der Nicht-Priorisierung meiner Person habe ich selbstverständlich davon Abstand genommen."
Auch Personen ohne Risikogruppe
Feller hatte am Montag im Stadtrat zum wiederholten Male darauf hingewiesen, dass die Impfdrängelei ein moralisch verwerflicher Fehler gewesen sei. Wer nun aber waren die Menschen, die außerhalb der Reihe geimpft wurden?
Laut dem OB steht mittlerweile fest, dass lediglich die Hälfte der Geimpften tatsächlich krank oder in einem hohen Alter waren. Feller: "Die übrigen Hintergründe und Umstände werden in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachgremien aufgeklärt."
Ohne zu zögern abgelehnt
Die zweite Bürgermeisterin Martina Englhardt-Kopf hatte Anfang Januar als Urlaubsvertretung für OB Feller ein Gespräch mit dem Heimleiter, in dem es um die herausfordernde Coronasituation im Heim und die stattfindenden Reihentestungen ging. Dabei hätten sie auch über die Anfang des Jahres allgemeine Impfskepsis bei den Menschen gesprochen. Englhardt-Kopf: „In diesem Zusammenhang gab es von Herrn Gottschalk sinngemäß die Überlegung, dass ich mich als Vertreterin der Stadt impfen lassen könnte, um Vertrauen für den Impfprozess zu generieren.“ Ein Angebot, das die Politikerin ohne zu zögern abgelehnt hat. Eben weil sie als Zweite Bürgermeisterin eine Vorbildfunktion habe, habe sie eine klare Haltung zum Thema Impfreihenfolge, was priorisierte Gruppen angeht. „Ich habe nicht eine Sekunde überlegt“, sagt sie im Telefonat mit Oberpfalz-Medien. Sie betont, dass sie davon ausgegangen war, dass im Elisabethenheim alles regelkonform läuft. Von den Impfdrängeleien hat sie selbst als Zweite Bürgermeisterin erst aus der Presse erfahren. Im Stadtrat forderte sie „eine lücken- und schonungslose Aufklärung des Vorfalls“, bei dem, wenn nötig, „alle möglichen rechtlichen Konsequenzen geprüft und von den zuständigen Gremien einer Bewertung zugeführt werden“ müssen. Erst, wenn sie und ihre Familie an der Reihe sind, werden sie sich impfen lassen.
Von Anfang an zu viel bestellt
Ein letzter Punkt bleibt die Aussage, der Impfstoff, der anderweitig vergeben wurde, sei an dem Tag Ende Januar zufällig übriggeblieben.
Dass das Landratsamt keinen Fehler gemacht hat, macht der Sprecher des Landrats, Hans Prechtl, auf Anfrage unserer Redaktion deutlich und nennt dafür Gründe. Prechtl: "Bei der Impfung im Elisabethenheim sind keine Impfdosen übriggeblieben, sondern es wurden genau so viele Dosen bereitgestellt, als vorher vom Heimleiter angefordert waren." Prechtl betont aber noch einmal: "Es war also nicht so, dass noch nach Personen Ausschau zu halten gewesen wäre, an die übriger Impfstoff abgegeben werden hätte können."
Schlicht "übriggeblieben" sei im Elisabethenheim keine einzige Impfdose. Prechtl sagt aber auch, dass keine einzige Impfung verfallen wäre.
Allgemein könnten bei keiner Impfung jemals 20 Dosen übrigbleiben. Prechtl: "Wenn überhaupt, dann könnten maximal fünf Dosen übrig bleiben, nämlich theoretisch dann, wenn ein neues Fläschchen, aus dem sechs Impfungen entnommen werden können, geöffnet und davon nur eine Person geimpft würde." Er betont noch einmal: "So war es aber nicht. Es wurde exakt die Zahl an Impfdosen bereitgestellt, wie vorher bestellt war."
Chronologie des Impf-Skandals in Schwandorf
- Dienstag, 16. Februar: Landrat Thomas Ebeling und die Leiter des Impfzentrums wollen eigentlich über die 50-Tage Bilanz des Impfzentrums in Nabburg sprechen. Am Rande wird bekannt, dass es Impf-Unregelmäßigkeiten im Elisabethenheim gegeben hat.
- Mittwoch, 17. Februar: Heimleiter Egon Gottschalk schweigt auf Anfrage zu den Vorwürfen. Der Seniorenbeirat ist wegen der Vorfälle enttäuscht von der Heimleitung.
- Donnerstag, 18. Februar: Schwandorfs OB Andreas Feller spricht in einer Pressekonferenz über den Vorfall im Elisabethenheim und nennt ihn einen „schweren, moralischen Fehler.“ Er widerspricht Gerüchten, denen nach er und seine Frau ebenfalls geimpft worden seien.
- Montag, 22. Februar: Der Schwandorfer Stadtrat spricht über die Vorfälle. Die Zweite Bürgermeisterin Martina Engelhardt-Kopf erklärt, schon früher ein Impfangebot aus dem Heim bekommen und dies sofort zurückgewiesen zu haben.















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