30.12.2020 - 17:20 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Das "Jahr der Ängste" gut gemeistert

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Schwarze Tage gab es reichlich im Corona-Jahr 2020, dafür sorgte die Pandemie. Harte Zeiten voller Ängste. Doch Krankenpfleger Hubert Forster vom Schwandorfer Krankenhaus sieht dabei auch das "Glück im Unglück".

"Wir haben unseren Humor nicht verloren", sagt Hubert Forster, Leiter des Pflegedienstes auf der Intensivstation des St.-Barbara-Krankenhauses in Schwandorf nach harten Monaten mit der Corona-Pandemie.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Im nächsten Jahr feiert Hubert Forster sein 30-Jähriges im Beruf des Krankenpflegers. 1991 hat er seine Ausbildung begonnen, doch ein Jahr wie 2020 hat er noch nicht erlebt. Heute ist er mit 55 Jahren Pflegerischer Leiter auf der Intensivstation im Krankenhaus St.-Barbara in Schwandorf mit zweijähriger Zusatzausbildung als Fachkrankenpfleger für Intensiv- und Anästhesiepflege - und viel Erfahrung im Umgang mit Covid-19-Patienten.

"Ich habe das anfangs ein bisschen auf die leichte Schulter genommen", erinnert sich Forster an die ersten Meldungen über das neuartige Virus. "Das hat sich sofort gewandelt, als der erste Patient, der noch ganz wach war, plötzlich ganz schnell kritisch geworden ist." Solche rasanten Verschlechterungen haben auch den erfahrenen Krankenpfleger aus Gaisthal (Stadt Schönsee) überrascht. "Das ist ein sehr gemeines Virus, keine normale Grippe", war ihm schon bald klar. "Wir sind trotzdem alle rein in den Corona-Bereich", erzählt er voller Stolz auf sein 44-köpfiges Team. Was war sein schwärzester Tag in diesem Pandemie-Jahr? "Davon gab es viele", gesteht Forster, den als Chef der Intensivpflege Gedanken begleiteten wie: Reicht das Personal? Reichen die Räumlichkeiten? Klar war da nicht immer nach acht Stunden Schluss mit dem Dienst. "Viele Mitarbeiter hatten Ängste, auch davor, das Virus in die eigene Familie mit Personen aus Risikogruppen zu tragen", berichtet er.

Beruhigend fand es der 55-Jährige, dass die Schutzkleidung nie knapp wurde. "Wir schützen uns sehr gut und setzen bei invasiven Eingriffen noch was drauf", erklärt der Leiter der Intensivpflege. Er ist überzeugt, dass die Pflegekräfte gerade in diesem Bereich bei Einhaltung aller Schutz- und Hygienemaßnahmen besser geschützt sind als beim Einkauf. Von den Pflegekräften auf der Intensivstation hätten sich in diesem Jahr zwar zwei mit dem Virus infiziert, das sei aber nachweislich nicht bei der Arbeit passiert.

Gut gerüstet

Groß war das Durchatmen, als gegen Ende Mai die erste Welle mit Covid-19-Patienten vorbei war, der Corona-Bereich auf der Intensivstation wieder normal betrieben werden konnte. Als nun die zweite Welle anrollte, fühlte sich Forster mit seinem Team gut gerüstet. "Wir wussten ja, wir haben Erfahrung gesammelt und stehen personalmäßig sogar besser da als im Frühjahr". Jetzt gelte es abzuwarten, wie sich die Zahlen entwickeln. Und was denkt der Mann an der Front, wenn er im Fernsehen die Corona-Leugner sieht? Forster macht da aus einem Unmut keinen Hehl. Was er ihnen wünscht, will er lieber nicht in der Zeitung lesen. "Die gehen an der Realität vorbei. Diese schwere Zeit, wenn jemand tagelang in Bauchlage liegen muss und dann schwer gezeichnet wieder aufwacht, das kriegen nicht einmal die Angehörigen mit", erklärt der 55-Jährige.

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Schwandorf

Umzug gerade rechtzeitig

Wenn Forster zurückdenkt an dieses fürs Pflegepersonal "körperlich und psychisch sehr, sehr anstrengende und belastende Jahr", verliert er aber auch Positives nicht aus dem Blick: "Wir konnten im Februar gerade noch rechtzeitig in ein komplett neues Gebäude umziehen und Corona-Intensivpatienten getrennt von den normalen Intensivpatienten behandeln", berichtet er, "damit hatten wir hier in St. Barbara sehr viel Glück". Neue Räume, neue Geräte, auch das war für ihn einmalig im Berufsleben.

Auf noch einmal so ein Jahr, würde er trotzdem lieber verzichten. Wenn er es wiederholen müsste, "ja, dann mit diesem Pflegeteam, auf das bin ich sehr stolz", sagt der Chef, der seine Truppe in diesem Krisenjahr bei der Stange halten konnte. Dann fällt ihm noch etwas ein, was er im Blick auf 2020 für wesentlich hält: "Wir haben unseren Humor nicht verloren."

"Viele Mitarbeiter hatten Ängste, auch davor, das Virus in die eigene Familie mit Personen aus Risikogruppen zu tragen."

Hubert Forster, Leiter des Pflegedienstes auf der Intensivstation im Schwandorfer Krankenhaus

Hubert Forster, Leiter des Pflegedienstes auf der Intensivstation im Schwandorfer Krankenhaus

Völlig vermummt: So ist Hubert Forster auf der Intensivstation mit Corona-Patienten unterwegs. Mit dieser Ausrüstung fühlt er sich sicherer als beim Einkaufen im Supermarkt.
Hintergrund:

Zweite Corona-Welle übertrifft die erste

Das Krankenhaus Barmherzige Brüder St. Barbara ist der medizinische Zentralversorger für die Stadt und den Landkreis Schwandorf.

  • Bettenkapazität: insgesamt 267 Betten, etwa 20 Prozent (circa 50 Betten) sind derzeit für Corona-Patienten vorgesehen.
  • Pandemie-Verlauf: Erster, bestätigter Corona-Patient in Schwandorf am 17. März 2020, im April Peak der ersten Welle auf der Intensivstation mit Entspannung ab Mitte Mai. Anfang Juni vorerst letzter Corona-Patient auf der Intensivstation, Ende September Beginn der zweiten Welle.
  • Patienten: In der ersten Welle der Pandemie wurden 78 Corona-Patienten in Schwandorf behandelt, in der zweiten Welle waren es bis Mitte Dezember über 100 Patienten.
  • Personal: Die Pandemie bedingt einen um mindestens 20 Prozent höheren Personalbedarf: Allein für das An- und Ablegen der Schutzkleidung muss mehr Zeit einkalkuliert werden. Im Extremfall, wenn ein Patient in Bauchlage beatmet wird, sind 2 bis 4 Ärzte und Pflegekräfte für einen Patienten erforderlich.

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