24.07.2018 - 14:34 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Justiz in Österreich hilft

Ein Richter in Österreich vernimmt eine Zeugin für einen Prozess in Schwandorf. Es geht um das Ausspähen von Daten und eine sexuelle Belästigung im Internet.

von Autor HOUProfil

Der Prozess läuft seit Juni, und es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis es ein Urteil gibt. Vor dem Schwandorfer Amtsrichter sitzt ein 49-Jähriger, dem neben einem illegalen Ausspähen von Daten auch der Internet-Chat mit einer damals 13-Jährigen aus Österreich vorgeworfen wird. Dabei soll es um sexuell orientierte Forderungen des Mannes gegangen sein. In die Maschinerie des Bundeskriminalamtes (BKA) gelangte der seinerzeit in der Nähe von Schwandorf wohnende und heute in Franken lebende Mann, als es europaweite Ermittlungen gegen Leute gab, die über das Internet Programme bestellten, die man unbemerkt auf die Handys und Smartphones anderer Personen überspielen kann. Damit, so hörte der Schwandorfer Richter Christopher Theißen zwischenzeitlich von mehreren Zeugen, lasse sich vom Urheber quasi die Herrschaft über die fraglichen Geräte übernehmen.

Drei bestellte Programme sollen es gewesen sein. Zumindest in einem Fall besteht nach dem Verlauf der bisherigen Beweisaufnahme der Verdacht, dass eine Frau über ihr eigenes Handy ausspioniert wurde. Als Zeugin unterdessen zwei Mal gehört, hatte sie den Angeklagten bei ihrer zweiten Vernehmung plötzlich und völlig unvermittelt eines Sexualdelikts bezichtigt. Viel Arbeit hat Richter Theißen in diesem Verfahren auch mit der Klärung des weiteren Anklagevorwurfs. Er braucht dringend eine junge Österreicherin, die angeblich von dem Jahrzehnte älteren Mann bei langen Chats zu sexuellen Handlungen aufgefordert wurde. Da sie als Zeugin nicht nach Bayern kommen will, wurde im bisherigen Prozessverlauf erwogen, entweder über eine sogenannte Skype-Verbindung oder eine Reise des Gerichts nach Österreich die Befragung abzuwickeln. Die Skype-Vernehmung hätte aber von Gerichtsgebäuden aus stattfinden müssen. Doch solche Einrichtungen gibt es bei der bayerischen Justiz zumindest im weiteren Umkreis der Stadt Schwandorf nicht. Unterdessen ist allerdings, wie Richter Theißen am vierten Prozesstag berichtete, eine andere Lösung gefunden worden. Die junge Frau wird von einem Richter in Österreich angehört. Danach kommen die Protokolle nach Schwandorf. Im August soll die Verhandlung fortgesetzt werden können.

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