19.07.2019 - 13:30 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kameradschaft als Erfolgsrezept

18. Mai 1969: In der 58. Minute trifft Martin Roidl für die Fußballer des FC Schwandorf. Es ist ein Tor für die Geschichtsbücher.

Martin Roidl (rechts) führte die Mannschaft des FC Schwandorf beim Heimspiel 1966 gegen Jahn Regensburg aufs Feld. Damals kamen 8600 Zuschauer in die Hindenburgkampfbahn.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Als Martin Roidl im Mai 1969 für den FC Schwandorf trifft, führt der Gegner FC Haßfurt bereits mit 3:0. Am Ende steht es 3:1 für die Gäste. Der Abstieg des FC Schwandorf aus der höchsten bayerischen Amateurliga ist besiegelt. Damit erzielt Roidl den letzten Treffer in der Bayernliga-Geschichte des FC Schwandorf. 50 Jahre später erinnert sich der heute 82-jährige "Roidl Mat", wie ihn damals alle nannten, an diese "wunderschöne Zeit".

Die Karriere begann beim SC Teublitz. Martin Roidl wurde mit den Schülern süddeutscher Vizemeister und rückte schon mit 17 Jahren in die erste Mannschaft auf. Bald wurden höherklassige Vereine auf das Talent aufmerksam. Martin Roidl entschied sich für den Bayernligisten FC Schwandorf, für den er in zwölf Jahren 480 Spiele absolvierte und 125 Tore schoss. "Ich war ein guter Techniker und Kopfballspieler", erinnert sich die Fußball-Legende. Auch bei Freistößen und Elfmetern übernahm der Kapitän Verantwortung. 1964 kam für den Halbstürmer die Berufung in die Bayernauswahl.

Zehn Jahre Spielführer

Was machte den Erfolg damals aus? "Es war die Kameradschaft", erinnert sich Martin Roidl, der zehn Jahre Spielführer war. Man blieb nach dem Spiel im Sportheim sitzen und traf sich auch außerhalb des Spielfeldes. Und wie hoch waren damals die Prämien? Martin Roidl erinnert sich: 25 Mark für einen Heim-und 30 Mark für einen Auswärtssieg. Bei Niederlagen gab es 15 Mark. Das Geld ging aber für Essen und Trinken drauf, "denn das mussten wir selbst bezahlen". Zu den Auswärtsspielen in Augsburg, Kaufbeuren und Helmbrechts brach die Mannschaft in aller Früh auf und kehrte in der Nacht zurück. Da mussten auch die Partner mitspielen. Martin Roidl hatte bereits vor dem Wechsel zum FC Schwandorf geheiratet. Ehefrau Gisela blieb bei den drei Kindern zu Hause, wenn der Mann zum Training und Spiel ging.

Der Erfolg entschädigte für die Mühen. "Einmal waren wir in der Bayernliga sieben Spiele ungeschlagen, und die Presse bezeichnete uns als Mannschaft der Stunde", erinnert sich Martin Roidl. Das größte Erlebnis aber war das Heimspiel gegen Jahn Regensburg im Jahre 1966. Vor über 8000 Zuschauern verlor der Club mit 1:3. Drei Jahre später war dann der Abstieg nicht mehr zu vermeiden. "Ich war damals Spielertrainer", erinnerte sich Martin Roidl. Seine Mannschaft hatte nicht mehr die Klasse für die Bayernliga. "Mat" spielte noch ein Jahr lang in der Landesliga und hörte mit 32 Jahren auf, um eine zweite Karriere zu beginnen.

Vom Platz an die Platte

Martin Roidl hatte nicht nur ein Gefühl im Fuß, sondern auch ein Händchen für den Tischtennisschläger. Schnell war er bei seinem Heimatverein Münchshofen wieder die Nummer Eins und stand bis zu seinem 60. Lebensjahr erfolgreich an der Platte. Heute lebt der gelernte Schreiner und Zimmerer, der 38 Jahre lang im Bayernwerk gearbeitet hat, mit seiner Frau in einem schmucken Haus am Fuße des Münchshofener Berges und blickt gerne zurück auf die fußballverrückte Zeit der sechziger und siebziger Jahre.

Und mit Wehmut beobachtet er den sportlichen Niedergang des FC Schwandorf, der nun eine Fusion mit dem SC Ettmannsdorf anstrebt.

Einmal waren wir in der Bayernliga sieben Spiele ungeschlagen, und die Presse bezeichnete uns als Mannschaft der Stunde.

Martin Roidl.

Heute ist Martin Roidl 82 Jahre alt. Er erinnert sich gerne an die fußballverrückte Zeit der sechziger und siebziger Jahre.
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