19.06.2019 - 15:54 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kampf um jede Bierflasche

Sie dienen als stylisches Sitzmöbel und beim Malern sind sie ein praktischer Tritt: leere Bierkisten, die nicht zurückgegeben werden. Ein Problem für die Brauereien. Deshalb steht derzeit eine Erhöhung der Pfandsätze in der Diskussion.

Das Pfand-System der Brauereien steht in der Diskussion. Sollen die Pfandsätze erhöht werden, um die Brauer zu entlasten?
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Das Negativ-Beispiel kommt aus Amberg. In den vergangenen zwei Sommern ist die Produktion beziehungsweise das Abfüllen von Winklers beliebten Naturradler ins Stocken geraten. Die Brauerei musste nach dem Leergut abfüllen, das gerade vorhanden war. So weit ist es bei den Brauereien im Landkreis Schwandorf noch nicht. Dennoch haben sie damit zu kämpfen, dass Bierflaschen und -Kästen oft nicht oder viel zu spät zurückgegeben werden. Ein Problem, das nicht örtlich begrenzt ist und im gesamten Freistaat auftritt.

Deshalb schlägt Georg Rittmayer, der neue Präsident eines Zusammenschlusses der privaten Brauereien Bayerns, Alarm. Gerade im Sommer steigt wieder der Durst vieler Bierliebhaber. Oft stapeln sich im Keller dann die leeren Kisten - teilweise monatelang. Natürlich fehlen somit den Brauern die Flaschen und Kisten, um weiter Gerstensaft abfüllen zu können. Dann müssen die Brauer Kisten und Flaschen nachkaufen. Ersatz ist teuer. Das Pfand hat sich seit Jahrzehnten nicht erhöht. Es spiegelt nicht im Mindesten den tatsächlichen Wert wider. Gerade für kleinere Brauereien entwickelt sich das zu einem Problem. Rittmayer fordert daher zwischen 8 und 9 Euro Pfand für eine Kiste Bier.

"Verschleiß an Ressourcen"

Wolfgang Rasel von der Brauerei Naabeck will bei dieser Forderung nicht ganz mitgehen. Grundsätzlich sei er der Meinung, dass der Pfandsatz von aktuell 3,10 Euro für einen Kasten Bier samt Flaschen erhöht werden sollte. Allerdings moderat, schließlich wolle man den Leuten nicht das Geld aus der Tasche ziehen. "8 bis 9 Euro halte ich für absolut überzogen." Rasel könnte sich viel eher eine Anpassung an das Pfand bei Schnappverschlussflaschen (4,50 Euro) vorstellen.

Der Brauereibesitzer stellt außerdem fest, dass immer mehr einzelne Flaschen statt ganze Kästen gekauft werden. "Wenn eine Flasche acht Cent kostet, dann hat sie für den Verbraucher keinen hohen Wert. Sie wird fast wie Einweg behandelt." Ein weiteres Problem sieht Rasel darin, dass die Großbrauereien auf Alleinstellungsmerkmale setzen und den Markennamen in den Flaschenhals prägen. "Immer mehr Brauereien glauben, durch eine Individualflasche, zu einem Marktvorteil kommen. Dabei ist es ein irrer Verschleiß an Ressourcen." Eine normale, konforme Bierflasche könne 40 bis 50 Mal benutzt werden, die Individualflaschen gingen nach einmaliger Nutzung als Glasscherbe zurück und müsse wieder eingeschmolzen werden.

Peter Vogl, Prokurist der Schlossbrauerei Fuchsberg berichtet ähnliches. Die Rücklaufquote an Kästen und Flaschen ist okay, könnte aber besser sein. Auch der geht mit dem Vorstoß von Georg Rittmayer nicht ganz d'accord. "Eigentlich wäre eine Pfanderhöhung schon vernünftig. Generell ist es schon ein Problem, wenn man sich den Wert einer Kiste anschaut und wie viel Pfand letztendlich gezahlt wird", erklärt Vogl. Allerdings sieht er Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Konkret fürchtet er, dass der Diebstahl von Leergut zunimmt. Schon vor über zehn Jahre habe die Schlossbrauerei Fuchsberg damit aufgehört, Bierkästen unbepfandet herauszugeben. Wenn Leergut vor kleinen Abholmärkten am Dorf oder der Wirte stehen, sehen einige Bürger sehen darin anscheinend die Gelegenheit, zuzuschnappen.

Interessanter für Diebe

Früher hätten Kunden, die von der Schlossbrauerei beliefert werden, ihre leere Kiste an den Straßenrand gestellt, ein Fahrer hat sie eingesammelt. Das funktioniere mittlerweile nicht mehr: "Im Endeffekt stehen da 3,10 Euro auf der Straße." Wenn der Pfand auf neun Euro steige, sei es für die Diebe dreimal so interessant zu stehlen, befürchtet Vogl. Schließlich stellt sich noch die Frage, wie bei einer Umstellung kontrolliert werden soll, wer 3,10 Euro und wer acht oder neun Euro gezahlt habe.

Wenn eine Flasche acht Cent kostet, dann hat sie für den Verbraucher keinen hohen Wert. Sie wird fast wie Einweg behandelt.

Wolfgang Rasel, Brauerei Naabeck

Wolfgang Rasel, Brauerei Naabeck

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