25.10.2021 - 16:46 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Karl Holmeiers letzter Arbeitstag in Berlin: Ein Solo zum Abschied

Für die einen beginnt eine neue Ära, für die anderen endet sie: Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier (65) hat am Dienstag in Berlin seinen letzten Arbeitstag. Aus diesem Anlass wird er mindestens einen wichtigen Stich machen.

Stabwechsel im Jakob-Kaiser-Haus in Berlin. Karl Holmeier (Zweiter von rechts) übergab am Montag sein Büro an Martina Englhardt-Kopf (Zweite von links). Zur Ausstattung gehören auch die beiden Mitarbeiter Doris Hapke (rechts) und Kevin Uhlemann.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Das Schmieren ist einem Politiker ja strengstens untersagt und auch dem Schwandorfer Wahlkreis-Abgeordneten Karl Holmeier ist es fremd. Am Montag gegen 20 Uhr, dem letzten Abend seiner zwölfjährigen Amtszeit, aber, da lässt es sich der Altbürgermeister der Gemeinde Weiding im Landkreis Cham nicht nehmen, seine Parlamentskollegen ordentlich zu schmieren, vorausgesetzt, sie arbeiten mit ihm zusammen. Holmeier trifft sich mit Max Straubinger (Rottal-Inn), Bernhard Loos (München-Nord) und Josef Rief (Biberach) in der Parlamentarischen Gesellschaft gleich gegenüber des Reichstags, um einen Schafkopf zu spielen. "Länger wie Mitternacht wird's nicht werden", vermutet Holmeier mit hörbarer Vorfreude in der Stimme, als er am Montagvormittag im Zug Richtung Berlin sitzt.

Verschont von der Opposition

Um 10 Uhr ist der Bundestagsabgeordnete in Schwandorf umgestiegen, um mit der Bahn über Nürnberg zu seinem letzten Arbeitstag nach Berlin zu fahren. "Als Abgeordneter fahr ich heute hin, als Ex-Abgeordneter morgen zurück", stellt er nüchtern fest. Wehmütig will Holmeier nicht werden. "Ich hatte wirklich Glück", sagte er. "Glück, dass ich während meiner ganzen zwölf Jahre in Berlin der Regierungsfraktion angehört habe." Da sei es schon einfacher gewesen, für die Region etwas zu erreichen. An der neue Rolle in der Opposition werde die CSU schon noch zu knabbern haben. Die große Politik rückt am Ende der 19. Legislaturperiode dann aber doch in den Hintergrund. Wenn der schwarze Holmeier heute an einen Roten denkt, dann ist das eher der Herz-Ober.

Dienstag ist Holmeiers letzter Arbeitstag als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Schwandorf. Er hat noch einen offiziellen Termin. Um 10 Uhr trifft sich die Ostbayern-Runde der CSU-Abgeordneten zum letzten Mal. Ihr gehören die Kollegen aus der Oberpfalz, Niederbayern und dem Wahlkreis Altötting an und Holmeier ist ihr Vorsitzender. "Da haben wir schon gut zusammengearbeitet", zieht der 65-jährige Strippenzieher Bilanz. Er erinnert sich an das Jahr 2010, als er noch recht frisch im Bundestag war und die Entscheidungen um die Bundeswehr-Standorte gefällt werden mussten. Immer, wenn es um solche Weichenstellungen für die Region ging, sei es wichtig gewesen, dass die betroffenen Abgeordneten gemeinsam an einem Strang zogen. Die Sitzung wird nicht lange dauern, denn um 11 Uhr ist wirklich Schluss, dann beginnt das Plenum für den neuen Bundestag, Holmeier ist dann nicht mehr dabei.

Im Zug Richtung Ruhestand

"Ich gehe wahrscheinlich zurück in mein Büro und schaue mir die Eröffnung der Sitzung im Fernsehen an", sagt er. Seine Räume im Jakob-Kaiser-Haus hat er schon längst ausgeräumt, die wichtigsten Akten an Martina Englhardt-Kopf (40) übergeben. Seine Nachfolgerin kann das Büro noch etwa drei Wochen nutzen, muss dann in den etwas weiter entfernten Bürokomplex Unter den Linden umziehen. Nach dem Mittagessen, so gegen 13 oder 14 Uhr, wird Holmeier zum Bahnhof gehen und einen Zug Richtung Oberpfalz nehmen - als Ex-Abgeordneter. Für ihn hat dann offiziell der Ruhestand begonnen.

"Vor vier Jahren hatte ich das ja schon beschlossen und angekündigt. Und heute kann ich sagen: Das war die richtige Entscheidung", sagt Holmeier. Er hat keine Angst, dass ihm langweilig wird, denn er wird weiterhin in der Politik mitmischen, an der Basis im Landkreis Cham. Der Weidinger Altbürgermeister ist ja auch noch Kreisrat und als solcher sogar Fraktionsvorsitzender. "Da bleibt schon noch einiges an Arbeit übrig." Dennoch keimt scheinbar die Hoffnung auf ein bisschen mehr Freizeit. "Wahrscheinlich werde ich etwas mehr in den Vereinen aktiv sein." Das Eisstockschießen, das er in den Wintermonaten gerne pflegt, hat in den vergangenen Jahren doch schwer gelitten. Und wer weiß, vielleicht geht nach dem Dauben-Schieben am gefrorenen Weiher sogar noch ein Schafkopf zusammen?

Der neue Bundestag tritt zusammen: Zeitenwechsel in Berlin

Schwandorf
Bei der Nominierung 2009 gab es für Karl Holmeier (Mitte) von den Parteikollegen schon mal einen dezenten Hinweise auf die Kilometer, die vor ihm lagen.
Karl Holmeier vor dem Brandenburger Tor. Nach zwölf Jahren scheidet der Schwandorfer Wahlkreis-Abgeordnete aus dem Bundestag aus.

"Vor vier Jahren hatte ich das ja schon beschlossen und angekündigt. Und heute kann ich sagen: Das war die richtige Entscheidung."

Karl Holmeier

Karl Holmeier

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.