10.03.2019 - 15:45 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Keine Sonderrechte, sondern Gleichberechtigung

"Turne in die Urne" heißt das Programm von Barbara Weinzierl, das auch Landrat Thomas Ebeling und seine Stellvertreter begeisterte. Mit Improvisationstheater hielt die Kabarettistin die Gäste beim "Internationalen Frauentag" bei Laune.

Helga Forster, Agnes Becker, Andrea Huber und Petra Hiltl (von links) sprachen beim "Internationalen Frauentag" in der Fronberger Brauereiwirtschaft.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Die Verwandlungskünstlerin kam gerade von einer Erotik-Shopping-Tour aus Schwandorf zurück und probierte die Dessous gleich an: Den Figur betonenden Body-Shape, das Triumph-Mieder und die "große warme Unterhose für den Hintern zum Überwintern". In einer "One-Woman-Show" quasselt sich die Sprachakrobatin durch den Abend, reagiert auf Zurufe aus dem Publikum und erzählt vom Happy-Aging-Wandern durch den Schwarzwald. Die Apotheken-Rundschau nennt sie das "Bravo für die über 80-jährigen".

Ihre Improvisations-Nummern mit dem Publikum erforderten blitzschnelle Reaktion und höchste Konzentration. Barbara Weinzierl erwies sich als Meisterin des Rollenkabaretts, mit der die Veranstalter wieder einen Volltreffer für ihre Kulturprogramm gelandet hatten. Die zentrale Veranstaltung war erneut eine gemeinsame Aktion von Gewerkschaft, kirchlichen Verbänden und politischen Parteien. Gleichstellungsbeauftragte Helga Forster will daran festhalten und ist der Meinung: "Erst wenn wir Frauen an allen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Belangen ausreichend beteiligt sind, können wir uns zurücklehnen". Die "Schieflage" brach DGB-Jugendsekretärin Andrea Huber auf den Landkreis Schwandorf herunter. Im Kreistag betrage der Frauenanteil 31,6 Prozent und in den Stadt- und Gemeindeparlamenten 14,6 Prozent. Bei einem Anteil von 51 Prozent der Bevölkerung seien die Frauen im neu gewählten bayerischen Landtag nur zu 26,8 Prozent vertreten. Weil gerade auf kommunaler Ebene Entscheidungen getroffen würden, die konkrete Auswirkungen auf Frauen und Familien hätten, hält Andrea Huber mehr Gleichgewicht für erforderlich.

"Das Rezept ändern"

Im Nachteil seien die Frauen auch auf dem Arbeitsmarkt. Teilzeitarbeit, Minijobs und Niedriglohnsektor seien weiblich. "Wir Frauen fordern keine Sonderrechte, sondern nur Gleichberechtigung", sagte Andrea Huber. Und: "Wir wollen mehr haben vom Kuchen, doch dazu müssen wir das Rezept ändern".

Agnes Becker ist seit 20 Jahren bei der ÖDP, stellvertretende Landesvorsitzende der Partei und Beauftragte für das Volksbegehren "Rettet die Bienen". Die Kreisrätin aus dem niederbayerischen Wegscheid erlernte zunächst das Schreinerhandwerk und studierte anschließend Tiermedizin und drang damit in Domänen vor, die lange Zeit nur Männern vorbehalten waren. Sie bewundert jene Frauen in der Geschichte, die mit Mut und Durchhaltevermögen den Weg in die Emanzipation bereitet hätten. Mut und langer Atem seien auch heute noch notwendig für Veränderungen. Für die ÖDP-Politikerin ist der Weltfrauentag ein "politischer Tag, an dem diskutiert und gestritten werden darf". Mit "starker Stimme und mit Nachdruck" sollten die Frauen dran bleiben und nicht aufhören, die Gleichstellung einzufordern.

Erstmals im Jahr 1911

Veranstalter der zentralen Kundgebung zum "Internationalen Frauentag" waren der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Arbeitsagentur, die evangelischen und katholischen Arbeitnehmerbewegungen kda und KAB, Bündnis 90/Die Grünen, die CSU-Kreistagsfraktion, die Freien Wähler, die ÖDP, die SPD und die Gleichstellungsstelle des Landkreises.

Der Weltfrauentag entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen und fand erstmals am 19. März 1911 statt. Seit 1921 wird er jährlich am 8. März gefeiert.

Kabarettistin Barbara Weinzierl bestritt das Kulturprogramm.
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