01.03.2019 - 14:25 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Klärschlamm-Entsorgung: Muster für ganz Bayern

"Alles schaut nach Schwandorf", sagt Verbandsdirektor Thomas Knoll. Das Konzept der Klärschlammentsorgung könnte bayernweit zum Musterbeispiel werden. Die Schwandorfer indes richten den Blick nach Straubing.

Das Müllkraftwerk Schwandorf aus der Luft, links neben den Kaminen ist die Klärschlamm-Trocknungsanlage zu sehen. Sie soll in diesem Jahr in den Probebetrieb gehen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Knoll tourt derzeit durch die Lande und stellt die Zusammenarbeit zur Klärschlammtrocknung im Zweckverband thermische Klärschlammverwertung Schwandorf (ZTKS) vor. "Andere sind noch lange nicht so weit", sagte Knoll am Donnerstag bei einem Presse-Hintergrundgespräch. Der getrocknete Klärschlamm gilt als Abfall - und hier kommt der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) ins Spiel. ZMS-Vorsitzender Landrat Thomas Ebeling stellte klar, dass eine Entscheidung über den Standort einer Klärschlammverbrennung noch nicht getroffen werden könne. Die Trocknungsanlage soll in diesem Jahr in den Probebetrieb gehen, sagte der ZTKS-Vorsitzende, OB Andreas Feller.

Wo der getrocknete Schlamm entsorgt wird, hängt für Schwandorf maßgeblich von einem Bürgerentscheid in Straubing ab. Dort soll eine Monoverbrennungsanlage mit Phosphat-Rückgewinnung gebaut werden. Die Politik ist sich in Straubing grundsätzlich über den Bau einig. Die Debatte dreht sich um die Größe. Gedacht ist an eine Kapazität von 120000 Tonnen, davon 15000 Tonnen hochgetrockneter Schlamm, wie er in Schwandorf entsteht. "Wenn man mit Straubing verhandelt, ist es vernünftig abzuwarten, ob der Standort zustande kommt, und dann erst Alternativen abzuklopfen", sagte Ebeling, der diese Lösung als ideal bezeichnete. In Straubing fällt die Entscheidung am 26. Mai. Politisch brisant könnte das Thema werden, weil sich der Schwandorfer Stadtrat gegen die Kreisstadt als Alternativstandort einer Monoverbrennung ausgesprochen hat.

Die Technik für die Schlammentsorgung ist derzeit auch Thema zahlreicher Forschungsprojekte. An der Schwandorfer Trocknungsanlage wird "Fraunhofer Umsicht" eine TCR-Forschungsanlage zur Verschwelung testen, die Öl, Wasserstoffgas und Kohle aus dem Schlamm produzieren soll. "Allein für die Phosphatrückgewinnung stehen derzeit etwa 50 Verfahren auf dem Prüfstand", sagte Knoll, "was sich davon durchsetzen wird, ist noch nicht klar."

Bis 2029 muss der getrocknete Schlamm aus größeren Kläranlagen einer Verbrennung mit Rückgewinnung zugeführt werden. Was nach einer langen Frist klingt, drängt angesichts von Planungs- und Genehmigungsphasen dennoch einigermaßen zur Eile. Auch rechtlich gebe es einiges zu klären.

"Man schaut auf Schwandorf", sagte Knoll. Auch in den Ministerien scheinen die Hoffnungen darauf zu ruhen, dass hier ein tragfähiges Konzept entsteht. "Das zeigt andererseits auch, dass wir hier schon relativ weit sind" betonte Ebeling. In anderen Regionen Bayerns hakt es schon daran, dass sich Kommunen überhaupt auf einen gemeinsamen Entsorgungsweg einigen können.

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