18.02.2019 - 16:22 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Klärschlamm: Hoffen auf Straubing

An der Klärschlammtrocknung wird eifrig gebaut. Offen ist, wo das getrocknete Substrat nach einer Übergangsfrist entsorgt werden soll. Schwandorf will keine Verbrennung vor Ort. Die Hoffnungen ruhen auf den Straubingern.

An der Klärschlammtrocknungsanlage wird noch eifrig gebaut, neben dem Turm wird das Silo für das getrocknete Substrat stehen. Wo der getrocknete Schlamm künftig entsorgt wird, ist noch unklar.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Wenn die Trocknungsanlage nahe der Otto-Hahn-Straße im Sommer in den Probebetrieb gehen soll ist die Entsorgung der etwa 12 000 Tonnen Trockenmaterial pro Jahr geregelt. Sie werden vorerst im Zementwerk Burglengenfeld landen. Weil aber künftig der wertvolle Dünger Phosphat aus dem Schlamm zurückgewonnen werden muss, klappt das maximal für neun Jahre. Spätestens dann wird eine Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage (KMV) der einzig gangbare Weg sein, weil nur dort nach bisherigem Stand der Technik aus der Asche Phosphat gewonnen werden kann.

Die Trocknungsanlage betreibt der Zweckverband thermische Klärschlammverwertung (ZTKS), wird dort rund 50 000 Tonnen Schlamm mit 25 Prozent Trockensubstanz auf 90 Prozent Trockensubstrat bringen. Der Schlamm stammt aus beinahe allen Kommunen des Landkreises, aber auch weitere Kommunen - darunter die Städte Regensburg und Landshut - liefern an.

Der getrocknete Rest gilt als Abfall - dadurch kommt der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) ins Spiel. Schmidgaden wurde bereits als möglicher Standort einer KMV ins Auge gefasst, dafür gab's aber eine Abfuhr im Gemeinderat. Der Schwandorfer Stadtrat hat sich, gegen die Stimmen der CSU und ZTKS-Vorsitzendem OB Andreas Feller, grundsätzlich gegen eine KMV in der Kreisstadt ausgesprochen. Die Stadt leiste mit dem Müllkraftwerk schon genug für die Entsorgung in Nordbayern.

Grundsätzlich einig

ZMS und ZTKS haben aber einen weiteren Trumpf im Ärmel: In Straubing will die Stadt über ihre Tochter SER (Straubinger Entwässerung und Reinigung) GmbH als Juniorpartner mit der Bayernwerk Natur GmbH eine Monoverbrennungsanlage errichten. Mit einer Kapazität von 120 000 Tonnen, davon etwa 15 000 Tonnen getrockneter Schlamm, wie er in Schwandorf aus der neuen Anlage beim Müllkraftwerk kommt. Die weitaus größere Menge wäre mechanisch entwässerter Schlamm, der in der Straubinger Anlage getrocknet und dann verbrannt würde. Grundsätzlich ist sich die Straubinger Politik einig darüber, dass eine Verbrennungsanlage nahe der dortigen Kläranlage gebaut werden soll. Streitfrage aber ist die Größe.

Die Grünen sprechen sich dafür aus, dass die Anlage nur für den jährlich in der Region anfallenden Klärschlamm dimensioniert werden soll. Das wären laut Pressemeldungen rund 8500 Tonnen. Der Straubinger Stadtrat hat im Dezember einstimmig beschlossen, die Bürger in einem Entscheid über die Anlage beschließen zu lassen. Das bestätigte der Pressesprecher der kreisfreien Stadt, Johannes Burgmayer, auf Nachfrage.

Die Fragestellung steht schon fest: "Sind Sie dafür, dass die Stadt Straubing die planungsrechtlichen Voraussetzungen dafür schafft, dass an der Kläranlage Straubing eine Monoverbrennungsanlage für entwässerten bzw. getrockneten Klärschlamm mit einer Jahresdurchsatzmenge von maximal 120 000 Tonnen, diese entspricht einer Trockensubstanzmenge von jährlich ca. 40 000 Tonnen, errichtet werden kann?"

Verhalten optimistisch

Der Bürgerentscheid soll gemeinsam mit der Europawahl am 26. Mai stattfinden. Vor dem Entscheid werde die Stadt auch nicht mit weiteren möglichen Kooperationspartnern verhandeln, so Burgmayer gegenüber den Oberpfalz-Medien.

Der ZMS muss also noch warten. Verbandsdirektor Thomas Knoll gibt sich "verhalten optimistisch", dass die Straubinger für die große Anlage stimmen. Sollte "nur" eine kleinere Anlage gebaut werden, wäre die Frage, ob für das Schwandorfer Material noch Kapazitäten frei wären. Und wenn nicht? Hat der ZMS eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen. Den ins Auge gefassten Standort will Knoll allerdings nicht bekanntgeben. Platz ließe sich wohl in einem Schwandorfer Industriegebiet finden, die Straubinger planen mit knapp 11 000 Quadratmetern.

Ein Plan für einen Standort in der Kreisstadt würde allerdings gut ein Jahr vor der Kommunalwahl ein politisches Beben auslösen. "Ich kenne die Beschlusslage der Stadt", hatte ZMS-Vorsitzender Landrat Thomas Ebeling bei einer der letzten Verbandsversammlungen gesagt. Deshalb setze der ZMS auch zuerst auf Verhandlungen mit Partnern. Straubing bietet sich da durchaus an, der Müll aus Niederbayern wird in Schwandorf verbrannt. Wenn die Straubinger die allerdings im Mai die große Anlage ablehnen, müssen die Karten neu gemischt werden.

Die Trocknungsanlage

Der Stadtratsbeschluss gegen eine Anlage

Schwandorf
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