24.10.2018 - 15:38 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kleiner Fang, großer Fischzug

Die Bescherung ist fünf Tage vor Weihnachten: Fahnder einer Spezialeinheit klingeln an Haustüren und nehmen drei junge Männer fest. Sie stehen im Verdacht, innerhalb von drei Monaten knapp zwei Zentner Drogen aus Holland geholt zu haben.

Drei junge Männer stehen im Verdacht, knapp zwei Zentner Drogen aus Holland geholt zu haben. Vor Gericht legten sie zwischenzeitlich Geständnisse ab.
von Autor HWOProfil

So ist es oft: Erst geht ein kleiner Fisch an die Angel - und dann liegen große Brocken im Netz. In Regensburg wurde im Spätherbst letzten Jahres eine junge Frau kontrolliert, die ein paar Gramm Marihuana dabei hatte. Sie gab Antwort auf die Frage, von dem sie das Rauschgift hatte.

Ab dann ging es für die Polizei zu wie bei einer Seilschaft: Fahnder kamen immer mehr in Gipfelnähe und brachten per Telefonüberwachungen heraus, wer die Drahtzieher waren. Zwei saßen in Amberg, der dritte in Teublitz. Als dann wieder eine Ladung von zwölf Kilo Marihuana, einem Kilo Kokain und acht Pfund Haschisch aus den Niederlanden nach Amberg gebracht wurde, schlugen die Ermittler zu.

In einem seit Wochenbeginn vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts laufenden Prozess wurde nun deutlich: Am 19. Dezember letzten Jahres kamen Mitglieder einer Nürnberger Spezialeinheit mit Haftbefehlen nach Amberg und Teublitz. Sie nahmen drei Verdächtige fest und durchsuchten zwei Häuser. Dort lagerten größere Rauschgiftbestände. Auch Geldbeträge in vierstelliger Höhe wurden sichergestellt. Der schwunghafte Handel mit Marihuana, Haschisch und Kokain hatte offenbar in den beiden Anwesen seine Anlaufpunkte. Aufkäufer kamen, holten immer wieder größere Mengen ab und bezahlten Beträge, die zumindest in einem Fall über 50 000 Euro betrugen. Sie wären nun Zeugen, hätten aber - weil gegen sie gesonderte Verfahren laufen - ein Aussageverweigerungsrecht. Deshalb wird jetzt auf sie verzichtet.

Das Geschäft war klar strukturiert. Ein 26-jähriger Amberger holte die Drogen im holländischen Breda ab und brachte insgesamt 180 Pfund nach Amberg zu einem 29-Jährigen. Der behielt den Großteil in seinem Elternhaus, leitete aber auch Bestände an einen 28-Jährigen in Teublitz weiter. Dort war dann quasi die "Außenstelle" und ein Umschlagplatz für die südliche Oberpfalz. Die drei Angeklagten haben unterdessen ein Geständnis abgelegt. Dafür hat ihnen die Strafkammer unter Vorsitz von Roswitha Stöber Haftstrafen zwischen fünf und acht Jahren zugesichert. Dennoch müssen die Einzelheiten prozessual geklärt werden. Deshalb marschierten am zweiten Verhandlungstag zahlreiche Drogenfahnder auf, die von ihren Durchsuchungsaktionen berichten mussten.

Unterdessen hat sich auch abgezeichnet, dass die drei Beschuldigten offenbar selbst drogensüchtig sind. Genaueres dazu soll am kommenden Montag eine medizinische Sachverständige vortragen. Doch es steht im Raum: Die drei Beschuldigten - ein Schreiner, ein Angestellter und ein Student - könnten womöglich eine Entzugstherapie brauchen. Der Prozess wird am heutigen Donnerstag fortgesetzt.

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