04.03.2019 - 12:28 Uhr
SchwandorfOberpfalz

"Es knirscht an allen Ecken"

Weniger und umweltverträgliche Verpackungen: Bundesumweltministerin Svenja Schulze will freiwillige Verpflichtungen des Handels erreichen. Ob das reicht? "Da ist noch viel Luft nach oben, sagt ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll.

Der wachsende Kunststoffanteil im Müll könnte im Sommer für Kapazitätsengpässe sorgen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Gut 468 000 Tonnen Müll sind im vergangenen Jahr im Gebiet des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf (ZMS) zur Entsorgung angefallen, gut 446 500 Tonnen davon wurden im Müllkraftwerk verbrannt. Die Müllmenge steigt seit Jahren, auch der Heizwert. Mit der Vorschaltanlage in Bodenwöhr will der Zweckverband künftig bis zu 50 000 Tonnen Sperrmüll sortieren und wertvolle Stoffe dem Recycling zuführen. Derzeit läuft noch die Feinabstimmung der Anlage, die je nach Einstellung bestimmte Fraktionen wie Holz, Metalle oder Kunststoffe abscheiden kann. Und auch Papier. "Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Papier sich im Sperrmüll findet", sagte Knoll bei einem Hintergrundgespräch am Donnerstag in Schwandorf. Wenn die Anlage läuft, sollen bis zu 25 000 Tonnen aussortiert werden, die dann nicht mehr im Müllofen landen.

Derzeit zählt jede Tonne Entsorgungskapazität in Bayern. Haus- und Sperrmüll können zwar immer entsorgt werden, dafür reichen die Kapazitäten auf jeden Fall. Aber auch der Gewerbemüll landet bei den Müllkraftwerken, in Schwandorf knapp 168500 Tonnen im vergangenen Jahr. Den Gewerbemüll müssen die kommunalen Entsorger wie ZMS zwar rechtlich nicht zwingend annehmen. Allerdings kann sich wohl politisch niemand leisten, Industrie und Gewerbe auf ihren Müllbergen sitzen zu lassen. "Wenn die Konjunktur auf hohem Niveau weiterläuft, könnte es im Sommer eng werden," sagte Knoll. Der Grund: In der warmen Jahreszeit schalten die Müllkraftwerke einzelne Linien zu den nötigen Revisionen ab. Das ist im Winter nicht möglich, weil die meisten Anlagen dann Fernwärme liefern. Das Schwandorfer MKW gab im Jahr 2018 rund 73,3 Millionen Kilowattstunden Fernwärme ab - das entspricht dem Heizwert von etwa 6,4 Millionen Litern Heizöl.

"Wir nutzen aus, was geht", sagte Knoll, "wir können keine Tonne Kapazität zurückhalten." Auch der enorm hohe Heizwert sorgte im vergangenen Jahr dafür, dass "nur" 446 000 Tonnen verbrannt werden konnten. Steigt der Heizwert, sinkt die Kapazität in Tonnen, weil die maximale Dampfleistung die Kessel technisch limitiert. "Es knirscht an allen Ecken und Enden", sagte Knoll. Es werde auch immer schwieriger die Mengen unterzubringen, die der ZMS aus Kapazitätsgründen umleiten musste. Das waren knapp 21 600 Tonnen im vergangenen Jahr.

Gesetzlich und über Verordnungen ist ausgiebig geregelt, was in der Verbrennung landen dürfte und was nicht. Die Realität in den Müllbunkern spricht eine andere Sprache. An manchen Tagen, schätzt Knoll, seien zwei Drittel des Materials in den Bunkern Müll, der da nicht hingehört. Der Blick in die Bunker frustriere auch regelmäßig die Besuchergruppen. "Warum noch trennen, wenn so viel Plastik in den Öfen landet", sei oft die erste Reaktion. Das bleibe aber wichtig, sagte Knoll, der auch im Hausmüll noch mehr Potenzial zur Trennung sieht. Noch ein anderes Beispiel, von dem Knoll berichtet, und das einem den Kopf schütteln lässt. So werden immer wieder tonnenweise Silofolie zur Verbrennung angeliefert. Würden die gereinigt, könnte sie gegen geringes Entgelt bei Recyclern entsorgt werden. Der ZMS verlangt dagegen "zur Abschreckung" (Knoll) 350 Euro für jede Tonne der Folien. Das wird anstandslos bezahlt.

ZMS feiert Jubiläum:

Offene Türen im Oktober

Der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf, ZMS, wurde vor 40 Jahren gegründet. Zum Jubiläum plant der ZMS am 12. Oktober von 9 bis 16 Uhr einen "Tag der offenen Tür" im Müllkraftwerk in Dachelhofen. Bis dahin dürfte auch die Klärschlamm-Trocknungsanlage laufen.

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