08.03.2021 - 15:40 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Krankenhäuser im Kreis Schwandorf: Dem Druck der Corona-Wellen bisher standgehalten

Seit einem Jahr kämpfen Krankenhäuser in Schwandorf und Burglengenfeld im Corona-Modus. Ein Jahr nach den ersten schwer erkrankten Patienten sehen die Teams einer schwer kalkulierbaren dritten Welle entgegen.

In vielen Sprachen bitten die Mitarbeiter im Schwandorfer Krankenhaus seit Beginn der Pandemie die Bürger, möglichst daheim zu bleiben. Diese Aufforderung gilt noch weiter.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Vor so ziemlich genau einem Jahr hat sich der Arbeitsalltag im Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf und in der Asklepios-Klinik Burglengenfeld massiv verändert. Die FFP2-Maske wird zur Standard-Ausrüstung, Hygiene ist das höchste Gebot. Besuchsverbote, Zugangskontrollen, ein Screening vor Betreten des Hauses und jede Menge Tests sind die Folgen. Das Coronavirus trifft nahezu jeden Arbeitsprozess. "Die ganze Krankenhausstruktur musste grundlegend verändert werden. Und das nicht nur einmal, sondern fortlaufend bis zum heutigen Tag", schildert Kathrin Hofstetter, Geschäftsführerin der Asklepios-Klinik, die Herausforderung. Etwa 60 Mal hat inzwischen die Burglengenfelder "Task Force" getagt, die sich Ende Februar 2020 formiert hatte.

Von einem "Krisenstab" spricht man im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Schwandorf, er hat sich am 2. März 2020 als interdisziplinäre Expertengruppe gebildet. Drei Tage später kam der erste Patient ins Krankenhaus St. Barbara. Im neu geschaffenen Isolierbereich konnte er in einem Schleusenzimmer umsorgt und beatmet werden. Auch in Burglengenfeld wurde der erste Patient gleich in der ersten Märzwoche aufgenommen, erinnert sich der Ärztliche Direktor der Klinik, Dr. Josef Zäch. Mit diesem Patienten sahen Ärzte und Pfleger "das volle und maximale Ausmaß der Erkrankung". Und schon Mitte März wurde die volle Dimension der Pandemie deutlich. "Die Zahlen stiegen rasant", so der Chefarzt.

Allerdings war das nur ein Vorgeschmack auf die zweite Corona-Welle. Wurden beispielsweise in Schwandorf während der ersten Phase von März bis Juni 2020 insgesamt 78 Patienten mit dem tückischen Virus behandelt, so sind es inzwischen (Stand 5. März) schon insgesamt 320.

Ständig neue Anpassung

Die "Erholungsphase" während der Sommermonate währte nur kurz. In den Wochen vor Weihnachten traf die zweite Welle die Krankenhäuser im Landkreis mit voller Wucht. In diesen Tagen waren bislang die meisten Corona-Patienten zu versorgen, sowohl in Burglengenfeld, als auch in Schwandorf, wo mit 39 Patienten am 13. Dezember ein Höhepunkt erreicht war.

"Jede Woche mussten wir die Abläufe und Strukturen an den neuen Erkenntnissen und Gegebenheiten ausrichten und neue Routinen entwickeln", berichtet der Geschäftsführer des Schwandorfer Krankenhauses, Martin Baumann. "Aufgrund der großen körperlichen und psychischen Anforderungen sowie der starken Verdichtung des Arbeitsaufkommens sind unsere Mitarbeiter seit nunmehr einem Jahr nahezu ununterbrochen extrem gefordert", stellt er fest. "Vieles kann nur durch sehr gute Zusammenarbeit im Team, bestehend aus Ärzten, Pflegefachkräften, Hygienespezialisten und vielen weiteren Berufsgruppen, sowie eine immense Leistungsbereitschaft und mentale Stärke geschultert werden, dafür zolle ich allen Mitarbeitern höchsten Respekt", so Baumann .

Artikel über den ersten Corona-Infizierten im Landkreis Schwandorf

Schwandorf

Von erheblichem Druck spricht auch der Ärztliche Direktor in Burglengenfeld: "Die Angst, sich und dann indirekt auch seine Angehörigen zu infizieren lag immer in der Luft." Inzwischen ist dort ein Großteil der Mitarbeiter in der ersten Kategorie geimpft. Allerdings steht jetzt die nächste Herausforderung vor der Tür: "Wir sehen übereinstimmend mit unseren Kollegen, dass - zumindest in unserer Region - die dritte Welle vermutlich bereits begonnen hat." Eine Einschätzung, die man in Schwandorf teilt: Nach rückläufigen Zahlen ab 7. Januar habe sich dieser Trend umgekehrt - die dritte Welle sorgt für erneut deutlich steigende Patientenzahlen. Nun sind es vermehrt jüngere Leute, die schwer erkranken.

Die Hälfte mit Mutation

"Dabei macht die britische Mutation mittlerweile die Hälfte unserer Corona-Patienten aus", so der Schwandorfer Geschäftsführer. Was das bedeutet, sei schwer abzuschätzen, man sei aber vorbereitet und geübt darin, die Versorgungsstrukturen an die Situation anzupassen. Was die Teams in den Krankenhäuser bislang im Kampf gegen die Pandemie gestärkt hat, war nicht nur die Aussicht auf eine Impfung und das Ende der Pandemie. So manches Dankeschön wie Blumen von der örtlichen Gärtnerei oder mal eine Pizza-Lieferung, das alles habe gutgetan, erzählt Asklepios-Geschäftsführerin Hofstetter. Sie ist überzeugt: "Diese Wertschätzung hat uns zusammengeschweißt." Im Endspurt durch die Pandemie hofft man in Burglengenfeld auf eine Aufrechterhaltung der Corona-Hilfen für die Krankenhäuser und kluge politische Entscheidungen. "Wir wünschen uns Weitsicht, schnellere Reaktionen auf Veränderungen der Infektionslage und punktgenaue Maßnahmen", so Mediziner Zäch, der dabei Impfungen und Schnelltests gleichermaßen im Visier hat.

So verteilen sich die 5047 Corona-Fälle binnen eines Jahres (Stand: 28. Februar 2021) auf die 33 Städte und Gemeinden des Landkreises Schwandorf.

"Die ganze Krankenhausstruktur musste grundlegend verändert werden. Und das nicht nur einmal, sondern fortlaufend bis zum heutigen Tag."

Kathrin Hofstetter, Geschäftsführerin der Asklepios-Klinik Burglengenfeld

Kathrin Hofstetter, Geschäftsführerin der Asklepios-Klinik Burglengenfeld

"Wir sahen mit dem ersten Patienten das volle und maximale Ausmaß der Erkrankung."

Dr. Josef Zäch, Ärztlicher Leiter der Asklepios-Klinik Burglengenfeld

Dr. Josef Zäch, Ärztlicher Leiter der Asklepios-Klinik Burglengenfeld

"Vieles kann nur durch sehr gute Zusammenarbeit im Team, ..., sowie durch eine immense Leistungsbereitschaft und mentale Stärke geschultert werden."

Martin Baumann, Geschäftsführer St.-Barbara-Krankenhaus Schwandorf

Martin Baumann, Geschäftsführer St.-Barbara-Krankenhaus Schwandorf

Hintergrund:

Corona-Chronologie im Krankenhaus St. Barbara

  • Erster Patient: 5. März 2020; Gesamtzahl der Patienten bis 5. März 2021: 320.
  • Erste Welle: Von März bis Juni 2020 wurden 78 Corona-Patienten behandelt.
  • Zweite Welle: Höhepunkt am 13. Dezember mit 39 Patienten; ab 7. Januar rückläufige Zahlen.
  • Dritte Welle: ab etwa Ende Februar wieder steigende Zahlen, circa 50 Prozent Patienten mit Mutation.
  • Impfungen: 130 Mitarbeiter mit Erst- und Zweitimpfung, bis Mitte März weitere 190 Angestellte mit erster Schutzimpfung.

 

 

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