29.04.2019 - 16:56 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Küchenträume statt Luftschlösser

Die perfekte Küche passt zum Leben der Menschen, die sie nutzen. Eine gute Planung ist das A und O. Wie das klappt und warum Ehrlichkeit so wichtig ist, weiß Fachmann Dieter Stano.

Optimal temperiert: Ein Wein-Kühlschrank ist etwas für Feinschmecker.
von mvsProfil

Schwandorf. (mvs) Als Sohn eines Möbelhausunternehmers hat Dieter Stano „Küchenerfahrung von Kindesbeinen“ an gesammelt und später zur eigenen Profession gemacht. Im OWZ-Interview erzählt der 61-Jährige, worauf es bei der Planung einer guten Küche ankommt.

ONETZ: Welchen grundsätzlichen Fehler kann man machen, wenn man eine neue Küche plant?

Dieter Stano: Je früher man sich in Verbindung setzt, desto besser. Beim Neubau sehr gern schon mit dem Rohbauplan des Architekten, oder vor einem Umbau noch bevor Leitungen verlegt werden. Es kommt ja auf Zentimeter an: Zum Beispiel neben der Tür, wo der Kühlschrank hin soll, müssen 60 Zentimeter Platz sein – wenn es nur 55 Zentimeter sind, lässt sich das im Plan noch leicht korrigieren, später würde es schwieriger.

ONETZ: … und teuer.

Dieter Stano: Richtig.

ONETZ: Es ist eine alte Weisheit des Hauswirtschaftens, dass man nicht planlos oder hungrig einkaufen gehen sollte, andernfalls würden Nutella und Salzgurken als Abendessen im Einkaufswagen landen. Welcher Tipp ist beim Küchenkauf Gold wert?

Dieter Stano: Das Wichtigste ist, sich vorher zu überlegen, was man ausgeben möchte und das von Anfang an klar zu kommunizieren. Wenn mir eine junge Frau, vom Beruf Kindergärtnerin, sagt, dass sie kein großes Budget zur Verfügung hat, werde ich ihr keine Dunstabzugshaube für 7000 Euro vorschlagen. So ein Luftschloss braucht sie nicht. Und ich kann von Anfang an die für sie realisierbaren Vorschläge machen. Das macht Spaß und da kommt auch etwas Schönes bei raus. Je eher einem Verkäufer und einem Kunden so eine Harmonie gelingt, desto besser und stimmiger wird das Ergebnis. Deshalb: Immer heraus mit der Sprache, egal wie groß das Budget ist.

ONETZ: Was hat die teuerste Küche gekostet, die Sie je geplant haben?

Dieter Stano: 234 000 Euro. Allein der Herd, eine Sonderanfertigung aus Kupfer, hat 70 000 Euro gekostet. Das macht natürlich auch Spaß, weil’s so besonders ist und man Ungewöhnliches umsetzen kann.

ONETZ: Was zeichnet eine gute Küche aus?

Dieter Stano: Eine gute Küche passt zum Leben der Menschen, die sie nutzen. Wie viele Personen leben in einem Haushalt? Soll die Küche rein fürs Kochen genutzt werden, oder – das ist klar der Trend – ist sie Lebensmittelpunkt? Werden hier die Kinder Hausaufgaben machen und Freunde und Familie nicht nur zum Essen, sondern auch zum Kochen vorbei schauen? Dafür braucht es mehr Platz, andere Sitzgelegenheiten und Tische. Übrigens, ein Phänomen beobachten wir: Dank der vielen Kochsendungen ist Kochen zu einem neuen Hobby der Männer avanciert, die reden auch fleißig mit.

ONETZ: Bringen die Männer dieselbe Begeisterung fürs alltägliche Kochen mit wie für das fünfgängige Menü am Wochenende?

Dieter Stano: Nein. Gerade heute war ein Unternehmer da, der eigentlich keine Zeit hat, aber wenn er dann mal kocht, dann richtig, deshalb möchte er auch einen Dampfgarer eingebaut haben. Es ist generell so, dass die Küche an sich nicht mehr das Teure ist, früher hat sie noch rund zwei Drittel des Gesamtpreises ausgemacht. Heute schlagen die verwendeten Materialien zu Buche, und vor allem die Geräte machen einen großen Unterschied aus.

ONETZ: Im Wesentlichen müssen doch aber die Arbeitsabläufe gut strukturiert sein. Welche unterscheiden Sie?

Dieter Stano: Stauraum für Utensilien und die Vorratshaltung, Kühlschrank, Herd, die Arbeitsplatte, die Spülmaschine ... Welche Anordnung genau am meisten Sinn macht, kommt immer auf den jeweiligen Raum an. Außerdem soll’s natürlich schön aussehen und leicht zu pflegen sein. Das Gute ist, dass es so viele neue und innovative Materialien gibt. Beispielsweise glatte Oberflächen, auf denen keine Fingerabdrücke zu sehen sind. Die glänzen einwandfrei, ohne dass man ständig wischen müsste.

ONETZ: Jetzt bitte kein Selbstlob: Woran erkennt man einen guten Küchenplaner?

Dieter Stano: (lacht) Das ist eine gute Frage! Nach über 40 Jahren würde ich sagen, habe ich genug Erfahrung gesammelt. Und die Planung ist nur der Anfang, auch das Team dahinter ist wichtig: Dass Schreiner, Elektriker und Monteur noch zum Hausbesuch anrücken und ihre Arbeit gut machen. Da kann dann auch mal ein krumm und bucklig gemauerter Boden ausgeglichen werden. Ich denke, man sollte sich als Kunde ganz klassisch einfach bei Freunden und Bekannten umhören, wer mit wem gute Erfahrungen gesammelt hat.

ONETZ: Wie hat sich die Kundschaft verändert?

Dieter Stano: Die Ansprüche sind gestiegen: Wir kümmern uns um die Küche und sind zudem in die Auswahl der Böden, Wandgestaltung und Beleuchtung involviert. Ich denke das kommt auch daher, dass wir in einer von Bildern geprägten Welt leben, in der Selfies geschossen werden, Essen vor dem Verzehr fotografiert wird. Dass etwas nicht nur einen funktionalen Zweck erfüllt, sondern auch perfekt aussieht, die Persönlichkeit widerspiegelt, ist wichtiger geworden. Eben auch in der Küche.

Wohnexperte Dieter Stano: „Wir kümmern uns um die Küche und sind zudem in die Auswahl der Böden, Wandgestaltung und Beleuchtung involviert."
Gemütlichkeit: Schlichter Landhausstil mit passender Dekoration.
Klare Kontraste: Dunkles Holz, glattes Weiß und schimmerndes Metall.
Alles in einem, Raumhöhe optimal genutzt: Theke und Arbeitsfläche unten, von oben wie im Landeanflug das passende Kochwerkzeug.
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