25.01.2019 - 14:45 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kultureller Leuchtturm statt Leerstand

Ein Theater als strahlendes Projekt mitten in der Stadt: Der angehende Architekt Sebastian Göltl hat eine im Wortsinn herausragende Vision entwickelt. Der Standort dafür steht schon länger in der Diskussion.

von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Er hätte auch ein Projekt auf der grünen Wiese für seine Masterarbeit ausarbeiten können. Doch der 28-jährige Schwandorfer besann sich auf die Eisenbahner-Tradition seiner Heimatstadt. "Es wird viel Neues gebaut. Warum nicht die Räume nutzen, die man hat?", fragt der angehende Architekt, der an der OTH Regensburg studiert und im Frühjahr abschließt. Der Lokschuppen und die ehemaligen Bahn-Betriebsgebäude daneben haben es ihm schon wegen ihrer Qualität angetan. Die Stahlbauweise des Schuppens, die Drehscheibe, die massiven Gründerzeit-Gebäude daneben fordern förmlich zu einer Nutzung heraus. Die war auch schon in Wahlkämpfen Thema.

Drehzylinderbühne

Die Idee für ein "Railway-Theater" war geboren. Direkt auf der Süd-Seite des Bahnhofs, die leerstehenden alten Gebäude nutzend. "Dahin, wo es Probleme gibt", wollte er planen, erzählt Göltl, den die Leerstands-Problematik in der Stadt ebenso beschäftigt wie der Wunsch nach einem kulturellen Leuchtturm für die Stadt. Letzteres im Wortsinn: Aus der ehemaligen Drehscheibe könnte eine Drehzylinderbühne werden. In einem etwa 35 Meter hohen Turm mit rund 15 Meter Durchmesser wären vier Bühnenelemente untergebracht, die durch drehen und einen Aufzug im Paternoster-Prinzip getauscht werden können. Die Technik hat Sepp Nordegg (1913-1984) entwickelt, das berühmte Wiener Burgtheater ist zum Beispiel damit ausgestattet. Den Turm stellt sich Göltl als Skelettbau vor, verkleidet mit halb transparenten Kunststoffplatten, wie sie im Industriebau Verwendung finden. Die freie Fläche zum Lokschuppen hin würde überdacht und zum Zuschauerraum, radial ansteigend. Das Parkett findet vor den bestehenden, großen Toren Platz, die Logen dahinter. Schon von der Form her würde der Theatersaal einzigartig.

Durch die Gruben

Erreichbar wäre der Zuschauerraum durch die ehemaligen Werkstattgruben. Der Schuppen würde zum Foyer mit einer zweiten Nutzung. "Hier könnte ein Jugendzentrum hin", erklärt Göltl an den Plänen und deutet auf eines der Gebäude neben dem Schuppen, das die Schmiede beheimatete. Natürlich mit kleiner Bühne, Bar und allem was dazu gehört.

Das Foyer könnte tagsüber von den Jugendlichen genutzt werden. "Da kann auch eine Halfpipe rein oder ein Boulder-Felsen." Ein Theater-Restaurant würde ebenso Platz finden, natürlich Räume für Schauspieler und den Theaterbetrieb. Was fehlt, sind Parkplätze, und das mit voller Absicht. Schließlich soll das Gebäude das weltweit erste "Railway-Theater" sein, erreichbar mit dem Zug. Vom Bahnhofsgebäude verbindet in Göltls Planungen ein geschwungener Übergang die Altstadt mit dem Erlebnis-Areal südlich des Gleiskörpers. Von Westen her würden Gäste dann durch das ehemalige Bahn-Areal den Schuppen - nach Göltls Einschätzung das größte leerstehende Gebäude in der Stadt - erreichen. Das Theater würde zum verbindenden Element zwischen der Altstadt und den wachsenden, südlichen Quartieren.

Für die Stadt wäre ein solches Theater natürlich ein großer Wurf, nicht nur architektonisch. Göltl, der momentan einem Regensburger Architekturbüro seine ersten Erfahrungen sammelt, hat sich für seine Arbeit die glatte 1,0 verdient, mit der er als einer der Jahrgangsbesten benotet wurde. Auch für den Zukunftspreis des Landkreises hatte er sich mit seiner Arbeit beworben. "Ich dachte mir, mehr als verlieren kannst du nicht", erzählt er. Für den Sieg hat es nicht gereicht. Dafür will OB Andreas Feller die Arbeit würdigen.

Ein halbes Jahr hat Göltl an dem Projekt gearbeitet, hat auch das Areal selbst aufgemessen. "Pläne waren bei der Bahn nicht mehr aufzutreiben." Und jetzt? Will Göltl Erfahrungen sammeln. Sein Entschluss, Architektur zu studieren, öffnet ihm viele Türen. "Ich habe Elektroniker gelernt. Dann habe ich gesehen, dass das doch nichts für mich ist." Nach dem BOS-Abitur ging's an die OTH. Die Spitzen-Note für die Abschlussarbeit zeigt, dass die Entscheidung richtig war. Leider dürfte der Plan Utopie bleiben - außer es fände sich ein potenter Investor. Der Großen Kreisstadt wär's zu wünschen. Göltl auch.

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