06.09.2018 - 14:27 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kurzer Prozess bei einer Falschaussage

Nach Drogen-Deal: Ein 31-Jähriger kommt nicht an einer Bewährungsstrafe vorbei. Da nützen ihm auch korrigierte Angaben nicht.

von Autor HWOProfil

Wenn es um die juristische Aufarbeitung von Falschaussagen geht, dauern Prozesse oft Stunden oder sogar Tage. Doch diesmal war alles innerhalb weniger Minuten erledigt. "Wir brauchen nicht lange herumreden. Es ist so gewesen", sagte der Angeklagte.

Am 3. Juli letzten Jahres saß ein junger Mann auf der Anklagebank des Schwandorfer Amtsgerichts. Ihm wurde vorgehalten, Metamphetamin an einen damals 30-Jährigen verkauft zu haben. Der Beschuldigte bestritt den Drogen-Deal und sah sich dann im Verlauf der Verhandlung mit dem Rücken zur Wand.

Der angebliche Käufer aus dem Raum Schwandorf wurde vernommen und gab, laut Unterlagen der Staatsanwaltschaft, um 11.30 Uhr an diesem Tag zu Protokoll, dass er die Drogenration sehr wohl bei dem Mann erworben habe. Erst im weiteren Verfahrensverlauf machte er dann plötzlich einen Rückzieher und räumte ein, dass dies wohl nicht der Wahrheit entspreche. Daraufhin wurde der Angeklagte freigesprochen.

Die Justiz lässt bei Falschaussagen nicht mit sich spaßen. Von daher kam ein Ermittlungsverfahren gegen den heute 31-Jährigen in Gang, das nun in einen Strafprozess vor Amtsrichter Thomas Heydn mündete. Der Vorsitzende brauchte sich dabei um Wahrheitsfindung nicht lange zu bemühen. Er hörte: "Es ist so gewesen und es war mehr als dumm von mir." "Aber weshalb?", bohrte Richter Heydn nach und erfuhr: "Ich war damals sauer auf den." Eine Falschaussage also, die zwar quasi in letzter Minute noch korrigiert wurde, aber im Vorfeld wohl auch so bei Ermittlungsbehörden in die Akten kam. Von daher auch eine falsche Verdächtigung, wie der Richter in seinem Urteil anklingen ließ. Die Ahndung für den mehrfach Vorbestraften fiel heftig aus. Er bekam fünf Monate Haft mit Bewährung und muss 2000 Euro Geldauflage bezahlen. Damit hielt sich Richter Heydn an den Strafantrag von Staatsanwältin Jennifer Jäger. Der Angeklagte akzeptierte die Entscheidung.

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