10.08.2018 - 15:55 Uhr
SchwandorfOberpfalz

La Ola für den "Fisch-Michl"

Vor über 20 Jahren verknallt sich Michael Gradl in eine Fischverkäuferin. Die Freundin hat der Klardorfer schon lange nicht mehr, die Fische sind geblieben. Heute kennt den 50-Jährigen jeder als "Fisch-Michl".

Dem Fisch-Michl vergeht auch bei extremer Hitze das Lachen nicht. Im Pfarrhof Altendorf legte der Klardorfer vor kurzem bei über 30 Grad seine Fische auf. Die Mauern rund um den Pfarrhof sorgten dafür, dass er den ganzen Tag „kein Lüfterl“ abbekam.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Die Hitzewelle der vergangenen Wochen bringt den "Fisch-Michl" ganz schön ins Schwitzen. Kaum ist er in der Redaktion, rinnen ihm die ersten Schweißperlen von der Stirn. Hohe Temperaturen sind für seinen Körper das Signal, dass er für Abkühlung sorgen muss. Deshalb schwitzt der 50-Jährige während der heißen Phase der Grillsaison sehr oft. Im Herbst und Winter bedient der "Fisch-Michl" vor allem Vereine und Firmen mit seinen Schmankerln. Von Karfreitag bis Mitte, Ende Oktober ist er in der Region unterwegs, um seine Makrelen, Karpfen und Co. an den Mann zu bringen. 16-Stunden-Tage und länger sind keine Ausnahme. Zu lange am Fischgrill hält es niemand aus. Nach eineinhalb bis zwei Stunden sollte jemand anders übernehmen, sagt der "Fisch-Michl". Er selbst ist die Hitze so gewohnt, dass er drei bis vier Stunden am Stück schafft.

Beim Frohnbergfest

Möglich macht's die jahrzehntelange Erfahrung. Vor über 20 Jahren verguckte sich der Klardorfer in eine Fischverkäuferin, die beim Hahnbacher Frohnbergfest arbeitete. Klar, dass sich der junge "Fisch-Michl" - damals hatte er den prägnanten Spitznamen noch nicht inne - in der Nähe seines Schwarms aufhielt. Als der Fischgriller kurz austreten musste, sagte der salopp zum Klardorfer, dass er kurz übernehmen solle. Aus dem "kurz" wurden drei Stunden. Dem heute 50-Jährigen hat die Arbeit aber so Spaß gemacht, dass er hängen geblieben ist. Heute kennen ihn enorm viele Menschen. Der Klardorfer erzählt, dass es in Amberg für ihn sogar einmal eine La Ola gab, als er über den Marktplatz ging. Aktuell schließt sich der Kreis wieder. Beim Frohnbergfest, das die Hahnbacher derzeit feiern, ist der "Fisch-Michl" alle acht Tage lang vertreten. So wie schon seit Jahren. Am Sonntag und am Feiertag legt er bereits um kurz nach 8 Uhr den ersten Fisch für die Wallfahrer auf, den letzten um 22 Uhr. Davor und danach gibt's auch noch einige Arbeit zu erledigen. Kein Wunder also, dass sich der Klardorfer nach so einem Tag in die Badewanne mit lauwarmem Wasser legt.

Die Hitze beim Grillen sei schon "brutal". "Irgendwann zeigt dein Körper, dass es Zeit wird, langsam zu machen." Der Klardorfer bekommt nach eigener Aussage etwa immer leichte Ausschläge am Kopf. Der "Fisch-Michl" versucht seinen Körper ständig herunter zu kühlen. Allen Grillern rät der 50-Jährige bei dieser Hitze: "Ein nasses Handtuch im Genick und kein Bier trinken. Der Alkohol haut dich her." Der "Fisch-Michl" selbst trinkt an stressigen Tagen schon einige Radler-Maß. Allerdings schwitzt er die Flüssigkeit schnell wieder aus. So viel, dass er bei seinen langen Arbeitstagen oft gar nicht auf die Toilette geht - obwohl er trinkt, und trinkt, und trinkt.

Beißender Fischrauch

"Mit Wasser braucht man aber gar nicht erst anfangen", sagt der 50-Jährige. Der Körper braucht viel Zucker. Außerdem achtet Gradl darauf, dass sein Magnesium- und Kalzium-Haushalt ausgeglichen ist. Das Gefährlichste, das passieren kann, sei "eine gscheide Hitze von oben und leichter Wind von vorne". Denn die Fischrauch sei nicht zu unterschätzen - und viel beißender als etwa der Rauch beim Bratwürstlgrillen. Beim Schwandorfer Bürgerfest vor drei Jahren musste der "Fisch-Michl" zwei seiner Griller ins Krankenhaus schicken. Dass seine Mitarbeiter "gerade heuer bei dieser Hitze" so mitziehen, weiß der 50-Jährige zu schätzen. Mehrmals spricht er beim Gespräch in der Redaktion dafür seinen Dank und Komplimente aus.

Hintergrund:

Bürger dürfen trotz Hitzewelle grillen

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(doz) Grillen ist auch bei den extremen Temperaturen wie in den vergangenen Wochen für Bürger erlaubt. Allerdings betont der Landratsamts-Pressesprecher Hans Prechtl, dass die Bürger "besondere Vorsichtsmaßnahmen" walten lassen sollten. Heißt: Die Grillkohle abkühlen lassen und nicht im warmen Zustand in die Restmülltonne geben. Außerdem könne es nicht schaden, einen Eimer Wasser bereit zu halten, um im Notfall gleich löschen zu können. Schließlich sei der Griller auch verantwortlich, wenn im Garten ein Feuer ausbricht. Hans Prechtl betont: "Wir wollen niemandem die Freude am Grillen nehmen, allerdings schon sensibilisieren."

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