Von Sebastian Böhm
"Ich wohne nur 100 Meter von der Naab entfernt", sagt Thomas Knoll. Da sitze er dann auch gerne, um zu angeln. Dabei könne er am besten entspannen, wenn er Waller, Zander oder Karpfen aus dem Fluss zieht. Oder am Meer. Da sei es auch gut, da komme er ebenso gut runter. Am liebsten fährt der 63-Jährige mit seiner Frau an die Ostsee. "Da kann man auch wunderbar angeln", sagt er. Wenn es in den Süden gehen soll, zieht es das Paar eher Richtung Kroatien. Mittelmeer. Da würde er nicht so viel fischen, sagt der Oberpfälzer. Knoll ist in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) geboren und dort zur Schule gegangen. Auch heute lebt er dort, in einem ehemaligen Bauernhof. Seine Familie besitze das Grundstück bestimmt schon seit 150 Jahren. Klingt alles sehr entspannt und geerdet.
Geerdet. Ja, diese Beschreibung passt gut zu Thomas Knoll. Er ist keiner, der hektisch wird. Wenn man mit ihm spricht, steckt seine ruhige Art eher an. Er wirkt wie einer, der alles im Griff hat. Immer. "Wenn Sie zappeln und nervös werden, dann ist das nicht der richtige Job", sagt er. Ja, der Job von Thomas Knoll, der ist alles andere als entspannt. Und eigentlich ist Job auch untertrieben. Knoll hat nämlich mehrere. Er ist Verbandsdirektor des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf (ZMS), Geschäftsführer der Ostbayerischen Verwertungs- und Energieerzeugungsgesellschaft mbH (OVEG) und der Schwandorfer Rohstoff- und Recycling-GmbH (SRR). Zudem agiert er als Geschäftsleiter des Zweckverbands Thermische Klärschlammverwertung Schwandorf (ZTKS). Er ist verantwortlich für rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Müll auf der Schiene
"Von der Dimension her ist es natürlich spannend", sagt er, wenn man ihn auf seine Aufgaben anspricht. Spannend, ja auch das stimmt. Denn unter seiner Führung wird schließlich der Müll von fast zwei Millionen Menschen aus Bayern entsorgt, und so gut wie es eben geht in Energie umgewandelt. Das Herzstück aller Bereiche bildet das Müllkraftwerk in Schwandorf – das größte im Umkreis von 50 bis 100 Kilometern. Gewerbemüll, Hausmüll, Sperrmüll – alles landet dort. "Wir entsorgen alle großen Firmen von Hof bis Landshut", sagt Knoll. Zudem sei der ZMS auch der größte Privatgleisbesitzer in Ostbayern, mit den meisten eigenen Waggons. "Wir transportieren nach der BMW-Group die meisten Güter über die Schiene im ostbayerischen Raum." Das Kraftwerk liefert die Fernwärme für die Stadt Schwandorf, auch die benachbarte Firma Nabaltec hängt am Netz. Selbst in Regensburg geht ohne den Strom aus Schwandorf nur wenig. "Jede achte Kilowattstunde, die in Regensburg und Umgebung verbraucht wird, stammt aus unserem Kraftwerk", sagt Knoll.
Da müsse man erst einmal den Überblick behalten, erklärt der 63-Jährige. Seit rund 16 Jahren managt der gebürtige Burglengenfelder den ZMS. Doch das hat bald ein Ende. Knoll geht in den Ruhestand. Aktuell wird eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gesucht. "So etwas kann sich ziehen", weiß Knoll. Deswegen sei auf jeden Fall vereinbart, dass er bis Juli bleibe. Da findet die konstituierende Sitzung nach dem Kommunalwahlen im März statt. "Wir wollen eine gewisse Überlappungszeit haben", betont Knoll. Er werde bei der Einarbeitung unterstützen, die Aufgabenfelder sind vielfältig. "Wenn es etwas länger dauert, dann bleibe ich auch bis zum Ende des nächsten Jahres", sagt er.
Eigenes Dienstsiegel
Als Chef des Zweckverbandes ist alles eben nicht so leicht, denn man ist von der Politik abhängig. "Wir sind auch eine Behörde, wir dürfen Beamte ernennen und haben ein eigenes Dienstsiegel", sagt Knoll. Aber der ZMS ist ebenso ein Unternehmen, auch wenn es kommunal ist. Verbandsvorsitzender ist der Landrat des Landkreises Schwandorf Thomas Ebeling. "Es ist wirklich eine Schnittstelle zur Politik und Wirtschaft", sagt Knoll. Neben seinen kaufmännischen Aufgaben bestehe sein Berufsleben auch aus Kreistagen, Stadträten, Gremien und Lobbyarbeit in Brüssel oder Berlin. Ob er eigentlich Mitglied einer Partei ist? "Sie sind der Erste nach fast 16 Jahren, der die Frage stellt", antwortet er. Das zeige doch auch, dass man das bisher nicht gemerkt habe. Denn ja, er sei Mitglied bei der CSU. Aber nicht aktiv, betont er. "Ich denke, es ist in der täglichen Arbeit nicht aufgefallen." Neutralität sei wichtig. "Politik hat hier nichts verloren", sagt er.
Genau solche Ratschläge wird Knoll wohl auch seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger weitergeben. Er nimmt ein Stück eines alten Wasserdampfrohres in die Hand, das bei ihm im Büro neben den vielen Ordnern steht. "Das ist mein Staffelstab, den werde ich übergeben", erklärt er. Denn dieses Rohr sei ein Symbol dafür, dass man manchmal auch einfach Glück brauche. Bevor das Rohr ausgebaut wurde, war es nämlich kurz davor, dem Druck des Wasserdampfes nachzugeben. Ein paar wenige Stunden hätte es vielleicht noch gehalten. Was die Folge gewesen wäre? "Wassermassen", sagt er knapp.
Doch bevor es für Knoll in den Ruhestand geht, hat er noch einiges zu tun. "Ich denke, das ist eine der größten und interessanten Baustellen in der Republik", sagt er über sein neuestes Projekt. Es heißt Triphönix. Der ZMS erneuert nach mehr als 40 Betriebsjahren die Ofenlinien seines Müllkraftwerks. Zunächst werden Teile der Rauchgasreinigung in der Ofenlinie vier getauscht. Danach können die Ofenlinien eins bis drei durch zwei neue Kessel ersetzt werden. 2031 soll das Projekt abgeschlossen sein. Da ist Knoll dann schon im verdienten Ruhestand. Vielleicht sitzt er dann an der Naab oder an der Ostsee – mit einer Angel in der Hand.
Zur Person: Thomas Knoll
- Geboren am 3. Januar 1962 in Burglengenfeld
- 1981 Abitur am Johann-Michael-Fischer-Gymnasium in Burglengenfeld
- Wehrdienst
- Studium der Rechtswissenschaften
- 1. und 2. Staatsexamen in Regensburg
- Mai 1991 Verbeamtung, danach bei der Regierung der Oberpfalz
- 1992–1996 Juristischer Staatsbeamter Landratsamt Cham
- 1997–2009 Werkleiter Kreiswerke Cham
- Seit April 2005 Geschäftsführer der Ostbayerischen Verwertungs- und Energieerzeugungsgesellschaft mbH (OVEG)
- Seit Januar 2010 Verbandsdirektor Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) und Geschäftsführer der Schwandorfer Rohstoff- und Recycling-GmbH (SRR)
- Seit November 2015 Geschäftsleiter Zweckverband Thermische Klärschlammverwertung Schwandorf (ZTKS)
















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.