08.02.2019 - 18:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Landesjugendamt: Keine Schuhschachtel für Beamte

Viele von Ballungsräumen aufs Land ausgelagerte Behörden arbeiten bereits, wie das Bayernlab in Nabburg beispielsweise. In Schwandorf gibt es nicht einmal genehmigungsfertige Pläne. Sogar ein anderer Standort rückt ins Blickfeld.

In neue Büros auf dem Spitalparkplatz soll das Landesjugendamt einziehen. Über den Neubau sind Stadt und Staatliches Bauamt unterschiedlicher Auffassung.
von Irma Held Kontakt Profil

Der Umzug von etwa 20 Arbeitsplätzen lässt weiter auf sich warten. Woran es hakt? An unterschiedlichen Vorstellungen zur Gestaltung des Neubaus ist aus den Aussagen von Staatlichem Bauamt und Stadt herauszuhören. Nach den Worten von Roman Beer, Leiter Hochbau beim Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach, arbeitet die Behörde an der Aufstellung der Haushaltsunterlagen, die mit allen Beteiligten abgestimmt werden müssen.

Abstimmungsbedarf herrsche außerdem mit der Stadt Schwandorf. "Für eine häßliche Brandmauer können wir nichts," bemerkt Beer. Zum Vorzeigen geben es noch nichts, sagt Beer in Bezug auf Baupläne. Er hoffe, dass sich in den nächsten Wochen etwas tue. Von Seiten des Ministeriums für Familie, Arbeit und Soziales, zu dem das Landesjugendamt gehört, sei "Dampf auf dem Kessel". Beer kann nachvollziehen, "dass große Neugierde herrscht". Schließlich sei der künftige Behördenstandort eine unansehnliche Baulücke am westlichen Eingang zu Schwandorf.

Die Stadt sei mit dem ersten Planungsentwurf zur Bebauung dieser Lücke nicht besonders glücklich gewesen, formuliert Pressesprecherin Maria Schuierer auf Anfrage von Oberpfalz-Medien vorsichtig. Es sei um Nachbesserung gebeten worden. Zu den Beer-Häusern mit Brandmauer hin soll eine Lücke von 18 mal 10 Metern entstehen. Nach dem Entwurf des Staatlichen Bauamtes, der nach Informationen der Redaktion je nach Wertung eine städtebaulich wenig ansehnliche "Schuhschachtel" oder ein "Klotz" sein soll, bliebe diese Fläche frei. Das alles lässt den Schluss zu, die Stadt möchte auf dem Spitalparkplatz einen Neubau sehen, der nicht allein der Funktionalität geschuldet ist. Er soll auch nicht der städtebaulichen Entwicklung mit entsprechenden Vorschriften in diesem sensiblen Bereich - in Nachbarschaft zu Rathaus und Spitalkirche - entgegenstehen.

Das führt sogar dazu, dass momentan der Standort an der Spitalkirche zur Disposition steht. "Sollen wir das jetzt zurückkaufen?", fragt Kurt Mieschala (UW) am Mittwoch in der Hauptausschusssitzung nach. Grund seiner Anfrage ist ein Schreiben, das nach einer Besprechung zwischen Oberbürgermeister Andreas Feller und den Verantwortlichen des Bauamts an die Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat gegangen ist. Nach Informationen der Oberpfalz-Medien schlägt das Staatliche Bauamt einen Vorschlag der Stadt aus, auf dem Grundstück gemeinsam mit dem Freistaat zu planen und so auch eine Lösung für das fragliche Eck zu finden. Die Schwandorfer Bauverwaltung hat demnach ins Spiel gebracht, auf der fraglichen Ecke zum Beispiel die Erschließung für das neue Gebäude unterzubringen, also Treppenhaus und Aufzug. Dorthin führt offenbar aus Sicht des Staatlichen Bauamts kein Weg. Angeblich hat die Stadt dem Freistaat sogar einen "Rabatt" auf den Grundstückspreis gewährt in dem Wissen, dass das Eck an der Brandmauer schwierig zu bebauen sein wird. Wenn tatsächlich keine Einigung über die Planungen auf dem Grundstück an der Spitalkirche erzielt werden kann, steht tatsächlich ein Rückkauf der gesamten Fläche durch die Stadt im Raum.

Als Ersatzstandort für das Landesjugendamt bietet das Rathaus das Grundstück zwischen Polizeiinspektion und Schwimmbadstraße an. Damit wäre zwar ein Platz für die Behörde gefunden, die hässliche Baulücke an der westlichen Zufahrt zur Stadt bliebe aber weiter klaffend. Bürgermeisterin Ulrike Roidl (SPD), die in der Sitzung am Mittwoch den erkrankten Feller vertrat, sichert eine Beantwortung der Anfrage Kurt Mieschalas in der nächsten Stadtratssitzung zu.

Bereits bei der Ankündigung, dass das Landesjugendamt nach Schwandorf umziehe, sprach der heutige Finanzminister und damalige Staatssekretär Albert Füracker von einem Zeitrahmen von zehn Jahren. Das war Ende April 2015. Sechs Jahre bleiben also noch.

Kommentar:

Freistaat auf der Flucht

Die Staatsregierung leistet sich ein Heimatministerium, der prächtige Dienstsitz in Nürnberg stehe für den „typischen bayerischen Zweiklang von Tradition und Moderne“, heißt es auf der Homepage. Das Ministerium konzipiert auch die Behördenverlagerungen. Schwandorf bekommt eine Außenstelle des Landesjungendamts. Statt Zweiklang knirscht’s hier aber laut im Getriebe.
An prominenter Stelle neben der Spitalkirche will die Schwandorfer Stadtplanung keinen reinen Zweckbau, völlig zu recht. Denn was immer hier gebaut wird, prägt die Ansicht von Westen her. Eine „Schuhschachtel“ mit einer klaffenden Lücke daneben gäbe das Bild eines maroden Gebisses ab. Außerdem: Wie sollte das Rathaus Auflagen an andere Bauherren in der Altstadt rechtfertigen, wenn es hier einen Klotz zulässt? Das Grundstück ist nicht einfach zu beplanen, zugegeben. Aber gerade der Staat sollte die Kompetenz und das Geld für einen architektonischen Wurf haben.
Stattdessen steht ein Ersatz-Grundstück auf der grünen Wiese südlich der Polizeiinspektion zur Debatte. Das widerspricht nicht nur allen Schwüren, Stadtkerne attraktiver zu machen, sondern der Freistaat kapituliert sogar vor dieser Aufgabe. Vor Herausforderungen davon zu laufen, ist aber kein Ausdruck bayerischer Tradition.

Von Clemens Hösamer

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