13.09.2021 - 16:58 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Im Landkreis Schwandorf neue Rekorde für Briefwahl in Sicht

Stau vor der Wahlkabine? Danach sieht es für die Bundestagswahl am 26. September im Landkreis Schwandorf nicht aus. Die Mehrheit wählt per Brief, so die Einschätzung vieler Kommunen, die diesen Trend nicht allein auf Corona schieben.

Immer mehr Wahlberechtigte fordern die Briefwahlunterlagen an. Sie wollen sich den Stimmzettel mit den 11 Direktkandidaten (links) und 26 Parteilisten (rechts) für den Wahlkreis Schwandorf genau ansehen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Eines steht jetzt schon fest: Die Wahlzettel für die Bundestagswahl 2021 sind groß und unübersichtlich. Das gilt auch für das Exemplar mit der Nummer 234, das für die Landkreise Schwandorf und Cham sowie die Gemeinden Wörth an der Donau und Brennberg aufliegt. Schon eine Woche nachdem die Wahlbenachrichtigung verschickt wurde, zeichnet sich ein deutlicher Trend zur Briefwahl ab - zumindest in den von Oberpfalz-Medien dazu befragten Kommunen Schwandorf, Schwarzenfeld, Nabburg, Pfreimd Wernberg-Köblitz und Oberviechtach.

"Gut, Zahl steigend": Mit diesen Worten bringt Markus Singer vom Oberviechtacher Einwohnermeldeamt die aktuelle Tendenz auf den Punkt, schon vor dem Wahltag daheim im Wohnzimmer gemütlich sein Kreuzchen zu machen. Auf 50 bis 60 Prozent schätzt er den Anteil der Wähler, die heuer diesen Modus einer Entscheidung in der Kabine vorziehen werden. 1800 bis 2000 Anträge auf Briefwahl sind jetzt schon bei der Verwaltungsgemeinschaft eingegangen. "Jeder, der nicht ins Wahllokal kommt, setzt sich auch nicht der Gefahr aus, sich mit Corona zu infizieren", zeigt er Verständnis für diesen Weg. Außerdem würden die Parteien recht viel Werbung machen für die Briefwahl. Dabei ist klar, dass es das Ergebnis nicht beschleunigt: "Ausgezählt darf auch die Briefwahl erst am Wahltag werden, und auch das erst ab 18 Uhr."

1477 Briefwahlunterlagen hat die Verwaltung in Wernberg-Köblitz schon ausgestellt. 4632 Wahlberechtigte gibt es dort, aber nicht alle werden erfahrungsgemäß auch von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. "Bei der Bundestagswahl 2017 haben knapp 1300 Personen per Brief gewählt, diesen Endstand haben wir jetzt schon erreicht", berichtet Lisa Götz als zuständige Sachbearbeiterin für die Wahl. In der Verwaltung habe man sich den Anteil bei den Kommunalwahlen vor einem Jahr deshalb genau angeschaut, die Zahl der Wahllokale sei schon vor ein paar Jahren gekürzt worden. Aktuell gibt es sieben Örtlichkeiten mit Wahlurne und vier Briefwahlbezirke. Die Prognose in Wernberg: 60 Prozent Briefwähler.

Noch etwa höher liegt die Schätzung in der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Pfreimd: "Das könnten auch 70 Prozent Briefwähler werden", überlegt Sachbearbeiter Thomas Wilhelm. Genau 1765 Briefwahlanträge hatte er am Donnerstagvormittag für Pfreimd und Trausnitz gezählt - bei insgesamt knapp 5000 Wahlberechtigten, von denen schätzungsweise nur 70 Prozent tatsächlich auch wählen. Die VG hat deshalb schon mal die Zahl der Briefwahlbezirke von drei auf sechs erhöht, die Wahllokale bleiben gleich. "Da wird es dann heuer auf jeden Fall ruhiger sein."

Online bequem zum Antrag

"Die Leute wollen kein Risiko eingehen", meint Melanie Kasowski von der VG Schwarzenfeld mit Blick auf die Infektionsgefahr in der Corona-Pandemie. Knapp 8000 Wahlberechtigte sind hier gelistet, 3000 haben jetzt schon Briefwahl beantragt. Dabei liege der Stichtag für die Zustellung der Wahlbenachrichtigungen gerade erst wenige Tage zurück. "Theoretisch könnte man den Antrag auch schon früher stellen, aber das macht kaum jemand." Für "relativ realistisch" hält sie heuer einen Briefwähler-Anteil von 60 Prozent. Begründen müsse man diesen Schritt schon lange nicht mehr, und neben persönlichem und postalischem Antrag funktioniere die Bestellung der Briefwahlunterlagen längst auch online.

"Einfach QR-Code einscannen und auf Ja klicken", beschreibt Selina Hummer von der Verwaltungsgemeinschaft Nabburg mit rund 6500 Wahlberechtigten den Vorteil der digitalen Variante. "Das ist eine Sache von Minuten und viel bequemer, als ins Wahllokal zu kommen." Vor allem jüngere Bürger würden von dieser Möglichkeit gern Gebrauch machen. Vorsichtshalber habe man 4500 Unterlagen eingekauft, 2800 waren am Donnerstagnachmittag bereits ausgegeben. Die Wahl-Sachbearbeiterin schließt nicht aus, dass sich letztlich möglicherweise sogar 80 Prozent der Wähler für ein Kreuzchen in den eigenen vier Wänden entscheiden.

Auf den Geschmack gekommen

"Die Zeiten, als die ganze Familie im Wahllokal aufmarschiert ist, sind vorbei", sagt der stellvertretende Pressesprecher der Stadt Schwandorf, Peter Habermeier. Gerade in den Jahren nach dem Krieg sei das Wählen im Wahllokal noch als demokratische Pflichtaufgabe wahrgenommen worden. Den Trend zur Briefwahl gebe es aber nicht erst seit Corona. "Die Leute wollen zu Hause entscheiden, nicht in der Wahlkabine", beurteilt er das Motiv in einer Zeit, in der die Pandemie schon gar nicht mehr so präsent und Händeschütteln fast wieder salonfähig ist. 2017 gab es in Schwandorf mit seinen rund 21 400 Wahlberechtigten 6850 Anträge auf Briefwahl, heuer wurden jetzt schon 7800 Unterlagen ausgegeben und die Prognose sieht einen Anstieg auf etwa 9000 vor. Zwei Faktoren macht Habermeier dafür aus: einmal den praktischen Link auf der städtischen Homepage für den Antrag, zum anderen den Präzedenzfall bei den Kommunalwahlen 2020, als wegen der Pandemie bei der Oberbürgermeister-Stichwahl ohnehin nur Briefwahl möglich war. Habermeier: "Da sind viele erst auf den Geschmack gekommen."

Wahlkreis jetzt etwas größer

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Und das sind die Kandidaten

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Hintergrund:

Beantragen, ausfüllen und Frist beachten

  • Antrag: persönlich, postalisch oder per E-Mail oder teilweise auch über QR-Code; letzter Tag für die Antragsstellung ist Freitag, 24. September; Grund nicht erforderlich.
  • Wahl: persönlich und unbeobachtet ankreuzen, Stimmzettel anschließend in den blauen Umschlag stecken, zukleben eidesstattliche Erklärung auf beigefügtem Wahlschein unterschreiben, alles in den roten Wahlbriefumschlag legen, zukleben und in die Post geben oder bei der auf dem Umschlag angegebenen Stelle direkt abgeben.
  • Frist: Der Wahlbrief muss bei der auf dem Wahlbriefumschlag angegebenen Anschrift spätestens am Wahlsonntag, 26. September 2021, bis 18 Uhr vorliegen. Bei Übersendung per Post innerhalb Deutschlands sollte der Wahlbrief möglichst einige Tage vor der Wahl abgesandt werden (innerhalb von Deutschland ohne Portokosten).

 

 

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