18.03.2020 - 14:32 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Im Landkreis Schwandorf viel zu wenig Frauen in den neuen Gremien

Auch nach dieser Wahl sind vergleichsweise wenig Frauen in den kommunalen Gremien vertreten. Acht Tage vor dem Urnengang war das schon ein großes Thema beim "Frauentag": Die Quote ist und bleibt niedrig.

Die Hälfte der Wahlberechtigten sind Frauen. Aber selbst 100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts sind noch immer viel zu wenig Frauen in den kommunalen Selbstverwaltungsgremien vertreten. Im Landkreis Schwandorf gibt es Gemeinden, deren Räte ausschließlich aus Männern bestehen.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Dass zu wenig Frauen in den Gemeinderäten und dem Kreistag sitzen, hat Tradition - die aber von Frauen wie der Gleichstellungsbeauftragten im Schwandorfer Landratsamt, Helga Forster, nicht unwidersprochen bleibt: "Das ist eine Schieflage, da gerade auf kommunaler Ebene Entscheidungen getroffen werden, die häufig ganz konkrete Auswirkungen auf die Lebenssituation von Frauen und Familien haben."

Forster hatte wenige Tage vor der Kommunalwahl in einer Ansprache nicht nur festgestellt, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung weiblich sei und Frauen seit 100 Jahren wählen können, "doch in den Parlamenten ist diese Gleichberechtigung noch nicht angekommen". Im neu gewählten bayerischen Landtag seien nur 26 Prozent der Abgeordneten Frauen, wusste sie. Im Landkreis Schwandorf liege der Frauenanteil beim Kreistag derzeit noch bei 31 Prozent, bei Gemeinde- und Stadträten sogar bei nur 14 Prozent. Der Frauenanteil bei Ersten Bürgermeistern betrage lediglich 12, bei den Zweiten Bürgermeistern 27 Prozent.

Ein Blick auf den neu gewählten Kreistag zeigt, dass von den 60 Mandaten, die vergeben wurden, 19 von Frauen errungen wurden. Das ergibt eine weibliche Quote von 31 Prozent, was exakt dem bisherigen Kreistag entspricht. Schaut man nur auf die Neuzugänge im Kreistag, der sich fast zur Hälfte erneuert (26 von 60 Mitgliedern sind zum ersten Mal dabei), liegt die Quote noch schlechter - unter den Newcomern befinden sich nur sechs Frauen. Mithin 23 Prozent.

Als größte Kommune im Landkreis hat Schwandorf rund 30 000 Einwohner und entsprechend auch den größten Stadtrat. Er zählt 30 Gewählte, wobei nur jede sechste eine Frau ist. 5 Frauen und 25 Männer - das ist ausgesprochen wenig auf der weiblichen Seite. Die kleinen Gruppierungen FW, UW, AfD und ÖDP haben nämlich gar keine Frau im Stadtrat sitzen, die Grünen wenigstens eine (von zwei Gewählten). Dazu kommen noch je zwei mit CSU- und SPD-Parteibuch.

33 Gemeinden gibt es im Landkreis Schwandorf. Nur zwei werden künftig von einer Frau regiert: Sonja Meier hat die Wiederwahl in Winklarn geschafft, Anita Forster ist neue Bürgermeisterin in Dieterskirchen. Falls es Heike Faltermeier schafft, dann hat nach der Stichwahl am 29. März auch Bruck eine Bürgermeisterin. Das wären dann drei Frauen, also unter zehn Prozent von allen - noch weniger als die zurückliegenden sechs Jahre.

Dass es Gemeinden gibt ganz ohne Frauen im Rat ist auch nichts Ungewöhnliches. Gleich am Anfang des Alphabets der Orte im Landkreis findet sich mit Altendorf so eine Gemeinde: Acht Männer im Gemeinderat - und auch der Bürgermeister ist ein Mann. Am Ende der Liste steht Winklarn: Zwölf Räte, davon nur eine Frau - aber eine Frau als Bürgermeisterin.

Vergleichsweise gut steht hingegen die Stadt Nabburg da. Die Riege der 20 Räte teilt sich auf in 14 Männer und sechs Frauen, was einer Quote von 30 Prozent entspricht - die damit aber immer etwas noch geringer ist als die eh schon niedrige Kreistagsquote.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist weiblich, doch in den Parlamenten ist diese Gleichberechtigung noch nicht angekommen.

Gleichstellungsbeauftragte Helga Forster beim Internationalen Frauentag, eine Woche vor der Wahl

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