Landwirte erproben Alternativen im Maisanbau

Schwandorf
22.11.2022 - 10:14 Uhr

Weniger chemischer Pflanzenschutz – das ist das Ziel der Landwirtschaft in Bayern. Zwei Betriebe in Fensterbach stellen dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Testflächen zur Beikraut-Regulierung für Mais zur Verfügung.

Um die Landwirtschaft im Freistaat noch nachhaltiger zu machen, hat die Bayerische Staatsregierung im Zuge des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ beschlossen, den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln bis 2028 um 50 Prozent zu reduzieren. Das Agrarministerium unterstützt Landwirte bei der Umstellung auf alternative Pflanzenschutzverfahren wie beispielsweise die mechanische Beikraut-Regulierung durch Hacke und Striegel. Dazu wurden bayernweit auf Initiative der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) Schauflächen angelegt. Für das AELF Regensburg-Schwandorf haben sich im Amtsgebiet Schwandorf die Gutsverwaltung Wolfring und der Betrieb Simon Raab aus Fensterbach bereit erklärt, Testflächen anzulegen. Damit möchte die Landwirtschaftsverwaltung in Kooperation mit den Landwirten aufzeigen, wie chemisch synthetische Pflanzenschutzmittel reduziert werden können.

Als Kulturen eignen sich Mais, Zuckerrüben oder Kartoffel. Diese gehören zu den sogenannten Hackfrüchten, in denen aufgrund des größeren Abstands der Saat- und Pflanzreihen zueinander Geräte wie Striegel oder Hacke zur mechanischen Beikraut-Regulierung gut zum Einsatz kommen können. Um die Fläche praktisch, aber dennoch aussagekräftig zu gestalten, testeten die Landwirte unterschiedliche Varianten im Mais aus.

Reduzierung von Herbizid

Der Betrieb Raab versuchte neben der praxisüblichen Herbizid-Anwendung, die Aufwandmenge an chemischen Pflanzenschutzmitteln auf 70 Prozent zu reduzieren. Beim Vergleich der beiden Flächen berichtete Betriebsleiter Raab, dass im Ergebnis keine relevanten Unterschiede in der Erntemenge feststellbar waren. Bei dieser Variante wirkten die Herbizide erkennbar verzögert. Raab führt das auch auf den Wassermangel in diesem Jahr zurück, der sich besonders bei der geringeren Aufwandmenge bemerkbar gemacht hat. Er sieht zudem die Gefahr der Resistenzbildung, wenn die empfohlene Aufwandmenge von Pflanzenschutzmitteln konsequent reduziert wird.

Die Gutsverwaltung Wolfring wirtschaftet nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus und reguliert Beikräuter ausschließlich mechanisch mit moderner Striegel- und sensorgesteuerter Hacktechnik. Eine kleine Kontrollfläche blieb gänzlich unbehandelt, damit beobachtet werden konnte, welche Beikräuter ganz ohne Behandlung auftreten und welchen Erfolg die verschiedenen Maßnahmen mit sich bringen. Das Ergebnis zeigt, dass sich auch mit einer ausschließlich mechanischen Unkrautbekämpfung ein guter Maisbestand erzeugen lässt. "Der Einsatz und die kontinuierliche Weiterentwicklung moderner Striegel- und digitaler Hacktechnik unterstützt die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln", so Ferdinand Graf zu Eltz. Deshalb ist eine entsprechende Förderung auf moderne Agrartechnik eine wichtige Voraussetzung, um den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel bis 2028 um 50 Prozent zu reduzieren und den ökologischen Landbau voranzubringen.

Der Schutz von Boden, Wasser, Klima und Artenvielfalt hat für die Betriebe höchste Priorität. Bayerns Bauern leisten schon viel: Jeder zweite Betrieb nimmt an freiwilligen Agrarumweltmaßnahmen teil. Im Rahmen der neuen Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2023 wird der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel ein wesentliches Element sein.

Förderangebote für Landwirte

Um Landwirte bei der Umstellung auf alternative Pflanzenschutzverfahren auch finanziell zu unterstützen, konnten konventionell wirtschaftende Betriebe im letzten Jahr erstmals im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen einen Ausgleich in Höhe von 80 Euro pro Hektar beantragen, wenn beim Anbau auf den Einsatz von Herbiziden verzichtet wurde. In Kombination mit einer vielfältigen Fruchtfolge erhielten die Betriebe 40 Euro pro Hektar. Gleich im ersten Jahr des freiwilligen Förderangebots haben bayernweit 334 landwirtschaftliche Betriebe auf 3510 Hektar Fläche auf den Einsatz von Herbiziden auf ihren Äckern verzichtet. Nach der Antragstellung für dieses Jahr zeichnet sich sowohl bei der Anzahl der teilnehmenden Betriebe, also auch bei der bewirtschafteten Fläche nahezu eine Verdoppelung ab.

Das Förderprogramm ist nur ein Teil der Anstrengungen, die das Bayerische Agrarministerium unternimmt, um natürliche Ressourcen zu schützen und die Biodiversität zu stärken. Mit dem Aktionsplan „Pflanzenschutz 2028“ setzt sich die Staatsregierung weitere Ziele. Die Mittel für dieses Programm wurden deutlich aufgestockt, um die Landwirtschaft in diesem Bereich fit für die Zukunft zu machen.

 
 

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