17.12.2019 - 14:45 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Laufen als spirituelle Meditation

Der Laufsport ist für Leo Stierhof aus Schwandorf das Elixier, das Körper, Geist und Seele zusammenhält. Selbst im hohen Alter denkt er noch lange nicht ans Aufhören.

Beim Landkreislauf 2008 lief Leo Stierhof die Strecke von Oberviechtach nach Wackersdorf im Alleingang.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Auch an seinem 80. Geburtstag, den Leo Stierhof kürzlich feierte, gönnte sich der Dauerläufer keine Verschnaufpause. Er schlüpfte, wie immer, in seine Laufschuhe und machte sich auf den Weg in Richtung Charlottenhofer Weihergebiet. Die Schritte sind inzwischen zwar etwas schwerer geworden, doch der Leo rappelt sich trotz Alter und Krankheit immer wieder auf.

Niemals aufgeben

Joggen ist für den gebürtigen Mittelfranken spirituelle Meditation, darüber hat Stierhof Bücher geschrieben mit den Titeln „Der Schritt vom körperlichen zum geistigen Laufen“ und „Läuferglück – Gedankenfreiheit“. Darin möchte der Autor den Menschen Mut machen, „niemals aufzugeben, so lange man die Kraft hat“. Immer unter dem Bewusstsein, „dass alles seinen Anfang und sein Ende hat“. Was Leo Stierhof bis heute auszeichnet, sind seine Ruhe und Gelassenheit. Diese Einstellung habe ihm auch beruflich geholfen, ob als Schmied, als Mauerer, Fernfahrer oder zuletzt als Handelsvertreter einer Versicherungsagentur.

Über 300 000 Kilometer

Der evangelische Christ glaubt an Gott und akzeptiert die Vorhersehung. Nicht abgefunden hat sich Leo mit seiner Alkoholkrankheit vor langer Zeit. Das Laufen habe ihm entscheidend geholfen, davon loszukommen. „Freundschaft und Kameradschaft sind ihm sehr viel wert“, versichert seine Lebensgefährtin Maria Schuhbauer. Sie schätzt an ihrem Partner „die ruhige, zufriedene und bescheidene Art“. Leo führt Buch und schreibt jeden Kilometer auf. Mittlerweile summiert sich seine gesamte Laufstrecke auf über 300 000 Kilometer. Ultrastrecken liebt der Ausdauersportler besonders. Beim Landkreislauf 2008 etwa machte er auf sich aufmerksam und lief die 61 Kilometer lange Strecke von Oberviechtach nach Wackersdorf im Alleingang.

Start auf Mittelstrecke

In seiner Jugend hat Leo Stierhof Fußball gespielt. Als ihm bei der Rückfahrt von einem Auswärtsspiel der Bus davon fuhr, lief er die 25 Kilometer nach Hause und entdeckte seine Leidenschaft für das Laufen. Sie habe ihn bis heute nicht losgelassen, erklärt er. Seine Karriere begann auf der Mittelstrecke. 1959 ging Leo Stierhof als 20-jähriger in der Schwandorfer Hindenburgkampfbahn über 3000 Meter an den Start. Damals lernte er auch den Lokalmatadoren Sepp Simon persönlich kennen.

Rekorde verbessert

Bei den Deutschen Meisterschaften 1963 in Augsburg wagte sich Leo Stierhof erstmals an die Marathonstrecke heran und verbesserte den damals bestehenden Oberpfalzrekord um sieben Minuten. Weitere Bestleistungen folgten über 3000 Meter Hindernis, mit der 1500-Meter-Staffel und im Stundenlauf (25 Kilometer). Die Strecken wurden immer länger. Als 1983 in Frankfurt erstmals ein 100-Kilometer-Lauf ausgetragen wurde, war Leo Stierhof mit am Start. Neun Stunden und 19 Minuten war er damals ohne Pause auf den Beinen.

Unzählige Ultraläufe

Seitdem hat der Ausdauersportler über unzählige Ultraläufe bestritten. „Ultra“ sind alle Disziplinen jenseits der Marathonstrecke. Die beste Leistung in einem 24-Stunden-Rennen erzielte Stierhof als 58-Jähriger, als er an einem Tag 169,3 Kilometer schaffte. „Die Beine sind dazu da, sie zu bewegen“, ist sein Motto. Von Leo Stierhof stammt auch die Idee für die Partnerschaftsläufe von Schwandorf nach Sokolov. Bei den Sportlerehrungen der Stadt und des Landkreises war der Vorzeigeathlet Dauergast.

Schlechtes Wetter kennt Leo Stierhof nicht. Er macht sich bei Wind und Wetter auf den Weg.
Leo Stierhof ist Läufer mit Leib und Seele.
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