05.03.2019 - 16:52 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Leben im Einklang mit der Natur

"Für uns ist eine Kartoffel wie Gold, wie ein wahrer Schatz": Das Ehepaar Renate und Hans Schmidbauer bewirtschaftet seinen Grund und Boden als Selbstversorger.

Seit 26 Jahren verheiratet und Zentrum einer großen Familie: Renate und Hans Schmidbauer.
von mvsProfil

"Die Küche, das Esszimmer und das Wohnzimmer haben wir so groß geplant, weil sie das Zentrum des Hauses sind. Es hat zwar jeder sein Zimmer, aber was soll man da schon machen, so allein?" Renate Schmidbauer stellt Krapfen, Kaffee und Kakao auf den gut vier Meter langen Esstisch und setzt sich zum Gespräch. Vor 25 Jahren, ein Jahr nach ihrer Hochzeit, bauten sie und ihr Mann Hans das Haus in Kreith bei Schwandorf, direkt neben sein Elternhaus.

Die beiden versorgen mit viel Handarbeit, zwei Traktoren, einem Mähdrescher und Hänger ihre Familie - zwölf Erwachsene und vier Kinder - mit Lebensmitteln, die sie auf 5,5 Hektar Land anbauen. "Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und Getreide auf den Feldern. Und wir haben Hasen, Hühner, Schweine, Puten, früher auch Zicklein, und unseren Kräuter-, Obst- und Gemüsegarten. Eben so wie es auch die Eltern und Großeltern schon gemacht haben", zählt die 52-Jährige auf, was die Scholle hergibt und was Hans, gelernter Metzger, verarbeitet.

Fische kommen von einem Teichwirt aus Schwarzenfeld, der Honig vom Imker Schleicher aus Pittersberg, Milch kam - so lange die Nachbarn noch Milchkühe hielten - von der anderen Seite des Gartenzauns. "Ich sage immer, wir haben eine Sensibilisierung für das, was um uns ist. Was wir nicht haben und nicht machen können, brauchen wir auch nicht." Weniges, wie zum Beispiel Milch für den Kaba, Kaffee, oder Diesel für den 4000-Liter-Tank am Hof, wird dazu gekauft.

Aus der Stadt aufs Land

Ihren Hans, mit dem sie 2018 die Silberne Hochzeit feierte, lernte die gebürtige Pilsnerin mit 25 Jahren kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs als junge Witwe kennen. Mit zwei kleinen Kindern an der Hand, sechs Monate und zweieinhalb Jahre alt, kam sie nach Kreith auf den Hof. "Ich bin ausgebildete Fremdenverkehrsfachfrau, konnte Russisch, Englisch und Deutsch, aber diese Sprache hier konnte ich nicht", lacht Renate Schmidbauer über ihren ersten Kontakt mit dem Oberpfälzer Dialekt, den sie mit schönstem tschechischen Singsang verwebt. "Das war am Anfang schwierig und neu. So aus der Großstadt, wo es ein Theater gibt, ganz aufs Land ..." "Ja, wir haben schon auch Theater. Mit der Landwirtschaft halt", wirft Hans Schmidbauer zwinkernd ein und sie nickt. "Ja, Hans, das stimmt. Und wir machen daraus das Beste."

Ein Beispiel: Alle drei Wochen waren Renate Schmidbauers Eltern zu Besuch aus Pilsen. Vor zwei Jahren starb ihr Vater und seitdem lebt ihre Mutter Maria mit auf dem Hof. Allein konnte sich die 83-Jährige nach einem Schlaganfall nicht mehr versorgen. Als Maria auf Tschechisch davon erzählt, dass es für sie schwer ist, nicht mehr in ihrer Wohnung zu sein, hält Renate Schmidbauer ihre Hand. Als sie aufsteht, stützt sie sie. Zwischendurch übersetzt sie immer wieder ohne Aufforderung, was auf deutsch erzählt wurde. Und erklärt, während sie Kaffee nachschenkt: "Ja, einen alten Baum verpflanzt man nicht. Nicht gern. Aber hier ist sie wenigstens bei uns und wir können uns um sie kümmern."

Keine Sorgen

Renate Schmidbauer ist auch als Pflegemutter und ehrenamtliche Hospizhelferin tätig, die Sterbende und ihre Angehörigen begleitet. Die Schmidbauers, so wirkt es, machen sich lieber keine Sorgen, sondern stecken ihre Kraft darin, sich umeinander zu sorgen.

Für Selbstversorger bedeutet eine gute Ernte, Essen zu haben. Aber was, wenn sie schlecht ausfällt? "Wenn es so trocken ist wie im letzten Jahr, hoffen wir, dass es doch gut wird. Manchmal hilft nur zwei-, dreimal gießen im Beet, und fürs Feld hilft nur beten", schmunzelt Hans Schmidbauer, und seine Frau ergänzt: "Wir spüren den Klimawandel ganz stark. Es ist letztes Jahr noch mal gut gegangen, wir hatten ja 200 Zentner Kartoffeln. Für uns ist eine Kartoffel wie Gold, wie ein wahrer Schatz. Wir machen sie als Schopperle, Bratkartoffeln, Kartoffelknödel, als Suppe, Salat und Gratin ...", schwärmt sie genussvoll.

Und beim Rundgang über den Hof sieht man im 8 Grad Celsius kühlen Keller, weiß gekalkt und mit Lehmboden, nicht nur einfach Kartoffeln, die sich bis zur nächsten Ernte im September halten werden und frisch für jedes Essen "entwurzt" werden, sondern - wie im Schlaraffenland - liegen da künftige Schopperle, Bratkartoffeln, Kartoffelknödel... Um so lieber nehmen wir gern einen Eimer voll mit. Aktuell, Anfang März, neigt sich für Renate und Hans Schmidbauer die ruhige Zeit des Jahres dem Ende zu. Das Gewächshaus ist vorbereitet auf die neue Saison. Der Kalk zum Tünchen der Ställe und des Kartoffelkellers steht bereit. Auf den Fensterbänken zieht Renate Schmidbauer vor. "Aber vor Mitte März pflanze ich noch nichts hinaus."

Acker umgegraben

Ungefähr zu der Zeit wird die Stallhäsin auch zum ersten Mal werfen, die Puten und Schweine werden "einziehen". Die Saatkartoffeln sind sortiert, der Kartoffelacker umgegraben. Die Obstbäume wollen noch geschnitten werden. Kurz gesagt: Das Frühjahr kann nach Kreith kommen, und "so Gott will, eine gute Ernte".

Die Stallhäsin wirft zum ersten Mal Mitte März.
Zehn Eier holen die Schmidbauers täglich aus den Nestern der 13 Hühner mit Hahn.
Am Horizont jenseits des Schmidbauer-Ackers läuft eine Spaziergängerin mit ihrem Schimmel um die Wette.
Umgegraben: Der diesjährige Kartoffelacker der Schmidbauers.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.