05.07.2018 - 11:11 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Naturliebhaber und Waldläufer Manfred Wenzl über seinen Zeckenstich Wenn Leidenschaft Leiden schafft

Manfred Wenzl ist sich der lauernden Gefahr im Unterholz bewusst. Als Naturliebhaber und Waldläufer weiß der Schwandorfer um Zecken auf Grashalmen, Farnen und in losem Laub, die dort auf einen geeigneten Wirt warten. Und doch findet Manfred Wenzl eines Tages auf seinem Kopfkissen eine mit Blut vollgesaugte Zecke. Für den 49-Jährigen ist klar: „Die kleine Zecke hat mich mit Borreliose infiziert, wenige Wochen später haben meine Beschwerden begonnen, die bis heute anhalten.“ Wir sitzen zum Gespräch im Café, Manfred Wenzl zieht nach 15 Jahren erfolgloser Behandlungen zwei ernüchternde Erkenntnisse: „Viele Ärzte sind bei Zeckenstich mit Diagnose und Therapie wenig hilfreich.“ Und: „Mein Verhältnis zur Natur hat sich geändert, um Wiesen mache ich einen großen Bogen.“ So bitter diese Erfahrungen sind, so groß ist das Engagement, Menschen für die Zeckengefahr zu sensibilisieren. „Es ist wichtig, in jedem Bereich voranzukommen: Aufklärung, Forschung für einen Impfstoff gegen Borreliose, zuverlässige Tests und wirksame Behandlung.“

Manfred Wenzl

von Gesund & VitalProfil

Manfred Wenzl schlürft entspannt Cappuccino. Dass seine linke Körperhälfte von Taubheitsgefühl und Muskelschmerz geprägt ist, fällt augenscheinlich nicht auf. „Wenn ein Tropfen Wasser auf meine linke Hand fällt, spüre ich den Tropfen nicht.“ Das Café liegt im ersten Stock, die Treppen vor wenigen Minuten hat der Schwandorfer mit schwerem Atem genommen. „neben schlechtem Körpergefühl fällt es mir schwer, mich längere Zeit zu konzentrieren. An eine erfolgreiche Therapie gegen meine Beschwerden glaube ich nicht mehr, stattdessen konzentriere ich mich darauf, die Symptomatik zu bekämpfen.“ Für Manfred Wenzl heißt das Schmerzlinderung und Muskelaufbau.

Es ist das Jahr 2002, früher Sommer, die Fußball-Weltmeisterschaft läuft. „Naturbursche“ Manfred Wenzl ist begeisterter Waldläufer, direkt vor der Haustüre dreht der Schwandorfer regelmäßig seine runden. Die Zecke, die eines Tages vollgesaugt auf seinem Kopfkissen liegt, beunruhigt den Sportler erst wenig, immerhin ist diese nicht die erste Zecke, die der Schwandorfer mit nach Hause bringt, außerdem ist Manfred Wenzl gegen FSME geimpft. „Zecken in normaler Größe sind leichter auszumachen als die winzig kleinen, beim Abtasten habe ich sie wohl übersehen. Auch konnte ich nirgends eine Wanderröte entdecken.“ Zwei, drei Wochen später erleidet Manfred Wenzl einen plötzlichen Fieberschub, mehrere Tage dauert das Fieber an, der junge Mann denkt an eine Sommergrippe. Doch die Beschwerden bleiben, schmerzen im unteren Brustbein und erschwerte Atmung treten auf. Der Besuch beim Arzt bringt wenig Klärung angesichts des diffusen Beschwerdebildes: Organisch ist alles in Ordnung. Derweil verstreicht wertvolle Zeit, denn Manfred Wenzl glaubt: „Es wäre wichtig gewesen, so schnell wie möglich Antibiotika einzunehmen, denn um die Borreliose-Infektion effektiv und nachhaltig zu bekämpfen, steht nur ein kurzes Zeitfenster für die Therapie von einem viertel bis halben Jahr zur Verfügung.“

Die Beschwerden werden nicht besser, die medizinische Behandlung gestaltet sich schwierig, vor allem auch deshalb, weil verschiedene Tests auf eine Borreliose-Infektion mal positiv, mal negativ verlaufen. Den Standardtest auf Borreliose findet Manfred Wenzl wenig hilfreich, denn dieser sei praktisch ohne Aussagekraft, eine Art Würfeln. „Wenn dieser Test negativ ausfällt, betrachtet der Arzt den Patienten als geheilt, keine weitere Therapie notwendig.“ Erst nach zwei Jahren hat der Schwandorfer Antibiotika eingenommen, nach vielen weiteren Tests und unterschiedlichen Therapien. Letztendlich konnten weder eine auf Borreliose-Behandlung spezialisierte Ärztin, noch eine Internistin mit einer kombinierten Insulin Antibiotika Therapie helfen. „Mein Eindruck ist, dass vieles ausprobiert wird, jedoch ohne Erfolg. Am Ende stehen Betroffene mit hohen Kosten da, denn die Krankenkassen kommen für alternative Behandlungen nicht auf.“

Manfred Wenzl wünscht sich, dass zur Borreliose mehr geforscht wird, Ärzte besser über die Krankheit Bescheid wissen, denn Naturliebhaber Wenzl möchte anderen Menschen sein Schicksal ersparen: „Ein großes Stück Lebensqualität ist verloren gegangen, vor allem gesellschaftliche Lebensqualität – wer körperlich beeinträchtigt ist, geht schnell vom Licht in den Schatten, und dort ist es kälter.“

Text und Fotos: Norbert Eimer

 

Info:

Schutz vor Zecken

Um die Gefahr eines Zeckenstiches so gering wie möglich zu halten, sollten beim Aufenthalt in der freien Natur einige Regeln befolgt werden:

 
• Wandern sie auf breiten Wegen, nicht durch unwegsames Gelände oder Unterholz
• Tragen sie geschlossene, möglichst helle Kleidung (lange Hose und langärmliges Hemd oder Jacke), eine Kopfbedeckung und geschlossene Schuhe
• Suchen sie ihren Körper nach einem Aufenthalt in der Natur immer nach Zecken ab. Dies sollte vor allem auch bei Kindern geschehen
• Insektenabweisende Mittel sind nur zeitlich begrenzt wirksam

 

 

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