18.04.2019 - 10:33 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Liebliche Heimspiele am Klavier

Der übliche Sinn von Musik ist es, den Hörer in die Stimmung zu versetzen, welche die Tonfolgen ihm vermitteln möchten. Das klappt bei jedem Menschen individuell. Das zeigt sich bei den Heimkonzerten des Pianisten Stefan Mickisch.

Der Schwandorfer Pianist Stefan Mickisch hatte zu zwei Privatkonzerten in sein Wohnhaus eingeladen.
von Reinhold TietzProfil

Die Komponisten streben an, dass die Hörer ihrer Musik den Hintergrund akzeptieren, den die Tondichter mit ihren Tonverknüpfungen angestrebt haben. In zwei Veranstaltungen in seinem Haus legte Stefan Mickisch dar, wie menschliche Handlungen und deren Ursprung von Richard Strauß in drei seiner Opern glaubhaft musikalisch vorgeführt werden.

Mickisch eröffnete sein erstes Privatkonzert mit etlichen wissenswerten Informationen über den Komponisten. Zuerst erklärte er, dass der Vater Franz Joseph Strauß Oberpfälzer war, als Hornist im Münchner Hoforchester spielte und (Mickisch wörtlich:) "wie es sich für Oberpfälzer gehört, war er bescheiden und gut". Dementsprechend hat Stefan Mickisch offenbar nicht nur musikalisch besondere Beziehungen zu Richard Strauß.

Jetzt wieder ernsthaft: "Salome" ist die erste Oper, die Mickisch vorstellt und am Klavier erläutert. Jochanaan, also Johannes der Täufer, erweckt das Interesse von Salome. Ihre Vorstellungen vom Leben sind leichtfüßig, winden sich schlangenartig beim Umgang mit anderen Menschen um diese. Gleichzeitig zeigen liebliche melodienreiche Themen in rührendem Legato die weibliche Anschmiegsamkeit dieser Frau. Im Gegensatz zu dieser Bindefreudigkeit stehen die Ansichten des Jochanaan zum richtigen Leben. Er ist von Askese geprägt, legt Wert auf Standfestigkeit des Charakters und Klarheit eines planvollen Lebenswegs. Beider Prinzipien sind nicht vereinbar, so kommt es am Ende der einaktigen Oper sogar zum Tod.

Stefan Mickisch führte am Klavier die musikalische Ausgestaltung der gegensätzlichen Ansichten und Einstellungen vor. Vor allem das riesige dramatische Finale mit dem Liebestod von Salome, nachdem sie das Ende des Jochanaan hervorgerufen hat, vermittelt die gegensätzlichen Haltungen eindringlich. Wie vielseitig das Musikempfinden von Richard Strauß ist, zeigte Stefan Mickisch dann in seiner Darstellung der Oper "Der Rosenkavalier". Sophie, die Tochter des Edlen von Faninal, will nicht den angeberischen Baron Ochs von Lerchenau heiraten, dem sie ihr Vater versprochen hat, sondern Octavian, der sie und den sie liebt. Sie kann sich nach drei Akten durchsetzen, was damals (und manchmal heute noch) gar nicht so selbstverständlich war, wie es sein sollte.

Dabei hilft ihr, dass von Lerchenau als Weiberheld auffliegt und der Rosenkavalier, der ihr nach dem Brauch die Hochzeitsrose überreicht, zu ihr hält. Infolge seines bestechend klaren Klavierspiels schaffte es Stefan Mickisch, die vielfältigen und komplizierten Handlungsverläufe jeweils stimmig und glaubhaft vorzuführen. So ist die Zärtlichkeit der Töne, wenn die Rose überreicht wird, ebenso spürbar wie das Wiener Kolorit im Gebrauch von Walzern. Insgesamt sind es die vielen unterschiedlichen Gedanken, die diese Musik prägen. Das Intensivieren der Motive, obwohl keine Handlung auf einer Bühne stattfindet, war Mickischs Verdienst.

Natürlich war der Raum in Mickischs Haus einschließlich Empore wieder voller Besucher, als der Pianist das zweite Privatkonzert eröffnete. Die dreiaktige Oper "Die Frau ohne Schatten", ein vor 100 Jahren uraufgeführtes Meisterwerk von Richard Strauß, ist das Thema des Abends. Menschliche Probleme werden in Fülle behandelt, wobei hinzuzufügen ist, dass das menschliche Dasein erweitert ist durch das Mitwirken von Geistern, die menschliches Handeln hervorrufen und beeinflussen. Schon der rhythmische Beginn der Oper weist auf die vielschichtige Handlung hin, das verdichtet der Pianist in seinem Vortrag am Klavier. Das menschliche Ehepaar hat Probleme, weil er sich Kinder wünscht und sie nicht. Das Geisterpaar besteht aus einem egoistischen Kaiser und einer Kaiserin, die ohne Schatten, also lt. Mickisch ohne Seele ist. Und doch gelingt im dritten Akt nach drei Verwandlungen die Versöhnung der Paare. Die Entwicklung der Paare zu zukünftigem Frieden wird in einem gigantischen Finale entwickelt. Dessen Vorstellung auf dem Klavier bildete den Höhe- und Endpunkt des Klaviervortrags von Stefan Mickisch.

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