05.11.2019 - 09:08 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Lisa Manner - über Wut, Leidenschaft und Psychologie auf dem Fußballplatz

Auf dem Fußballplatz gibt sie den Ton an. Lisa Manner ist seit elf Jahren Schiedsrichterin. Eine von wenigen Frauen in der Oberpfalz. Schon immer hat sie Fußball angezogen. Erst als Spielerin, jetzt als Spielemacherin.

Schiedsrichterin Lisa Manner gibt auf dem Fußballplatz den Ton an.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Im Interview erzählt die 28-jährige Marketingmanagerin von hitzigen Situationen auf dem Platz, Wut und dem besonderen Stehvermögen von Frauen.

ONETZ: Deine Leidenschaft für Fußball - woher kommt sie?

Lisa Manner: Nicht von meiner Familie. Mich hat der Sport schon als Kind interessiert. Ich wollte schon mit sieben Jahren spielen, aber es gab keine Mannschaft. Als ich 14 war, habe ich mich mit ein paar Freundinnen zusammengetan und wir haben unser eigenes Team gegründet. Als kleines Mädchen habe ich auch lieber mit Autos als mit Puppen gespielt.

ONETZ: Du hast jahrelang selbst gekickt, bevor du die "Seiten gewechselt" hast. Warum dieser Schritt?

Lisa Manner: Als ich selbst gespielt habe, sind oft Betreuer oder Elternteile als Schiedsrichter eingesprungen. Ihre Entscheidungen haben uns oft geärgert. Das hat meinen Ehrgeiz gepackt. Ich wollte es besser machen. Zu dieser Zeit hat ein Schiedsrichterlehrgang begonnen. Das hat perfekt gepasst. Zwei Wochen jeden Abend Schulung. Die ersten Spiele hatte ich einen Betreuer an meiner Seite, um als Schiedsrichterin sicherer zu werden

ONETZ: Was fasziniert dich daran, Schiedsrichterin zu sein?

Lisa Manner: Es ist facettenreich. Auch dadurch, dass ich bei den Herren in der Bezirksliga und bei den Frauen in der Regionalliga pfeife. Ich kann meine Leidenschaft ausleben, bin Spielmanagerin und werde sportlich gefordert. Außerdem hat es psychologische Aspekte. Ich habe mit den unterschiedlichsten Spielern zu tun, muss mich auf sie einstellen. Ich deeskaliere und lerne, wie ich mit Konfliktsituationen umgehe.

ONETZ: Wie hältst du dich fit, um mit den Spielern mithalten zu können?

Lisa Manner: Ich muss 90 Minuten sprichwörtlich am Ball bleiben. Da ist Ausdauer wichtig. Auch als Schiedsrichter haben wir immer wieder Trainingseinheiten. Außerdem gehe ich mindestens zweimal die Woche laufen oder fahre Rad. Wenn ich es schaffe, gehe ich noch ins Fitnessstudio.

ONETZ: Wie waren die ersten Herrenspiele, die du geleitet hast?

Lisa Manner: Ich war nervös vor den Spielen. Das bin ich immer noch. Ich weiß nie, was auf mich zukommt, wie sich das Spiel entwickelt. Aber ich brauche diese Anspannung, um mich ganz darauf einlassen zu können. Die ersten Herrenspiele habe ich in der B- und A-Klasse gepfiffen. Und ich muss sagen: Männerspiele sind oft leichter als bei den Frauen. Bei denen sind die Spielzüge nicht so vorhersehbar. Und Frauen diskutieren deutlich mehr, wenn es um Entscheidungen geht. Männer sind eher kurz wütend, lassen ihren Frust raus, und dann ist es wieder gut. Frauen sind nachtragend. Allerdings auch viel härter im Nehmen, wenn es um Fouls geht

ONETZ: Wie lange hat es gedauert, bis du dir den Respekt der Spieler erarbeitet hast?

Lisa Manner: Für die meisten Spieler macht es keinen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau pfeift – es geht um die Person Schiedsrichter. Wenn sie einen nicht kennen, muss sich jeder die Akzeptanz erarbeiten. Das funktioniert durch Leistung. Merken die Spieler, dass man faire Grenzen setzt, es Konsequenzen hat, wenn diese überschritten werden und dass man Ahnung hat – dann sind das gute Voraussetzungen. Und man sollte zu seinen Fehlern stehen.

ONETZ: Du bist immer wieder sexistischen Sprüchen ausgesetzt …

Lisa Manner: Ja, aber das ist zum Glück eher die Seltenheit. Wenn ich so etwas zu hören bekomme, dann nicht von Spielern. Die wissen, dass das Konsequenzen hätte. Nein, es sind meistens ältere Zuschauer, die am Spielfeldrand stehen. Da kommen dann schon Sprüche wie „Frauen gehören in die Küche und nicht auf den Fußballplatz.“ Einer hat über das Feld geschrien, dass ich mich in diese Liga hochgeschlafen habe.

ONETZ: Wie gehst du damit um?

Lisa Manner: Als der Mann mir das mit dem Hochschlafen zugerufen hat, waren wir mitten im Spiel. Ich habe kurz in mich hineinlachen müssen, weil ich nicht glauben konnte, dass er das wirklich gesagt hat. Natürlich trifft einen das. Aber ich ignoriere es, so gut es geht. Solche Leute wollen, dass man darauf reagiert. Und diesen Gefallen will ich ihnen nicht tun.

ONETZ: Hast du Angst vor körperlichen Übergriffen?

Lisa Manner: Wenn die Stimmung angespannt ist, lasse ich mich vom Ordnungsdienst in die Kabine begleiten. Es ist nicht schön, alleine durch die wütende Menge zu gehen. Aber Angst … ich bin vorsichtig, aber Angst habe ich nicht. Mir ist auch noch nie etwas passiert. Kollegen von mir allerdings schon. Fußball ist Leidenschaft. Und da setzt bei manchen die Vernunft aus.

ONETZ: Wie ist dein Verhältnis zu männlichen Kollegen?

Lisa Manner: Wir verstehen uns gut – egal ob männliche oder weibliche Schiedsrichter. Einmal im Monat treffen wir uns. Alle aus dem Landkreis Schwandorf, um uns auszutauschen und uns weiterzubilden. Wir sind ein Team. Haben die gleiche Leidenschaft. Das verbindet.

ONETZ: Wie entspannst du dich nach einem anstrengenden Tag auf dem Fußballplatz?

Lisa Manner: Ich koche gerne, probiere viel aus. Essen ist meine Leidenschaft, deshalb mache ich auch so viel Sport. Und ich liebe es, zu reisen. Zur Zeit haben es mir die Länder in Südostasien angetan.

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