15.11.2019 - 16:41 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Masern den Garaus machen

Rund 94 Prozent der Schulanfänger sind im Landkreis Schwandorf gegen Masern geimpft. Der sogenannte Herdenschutz liegt bei 96 Prozent. Das Gesundheitsamt nennt Gründe, weshalb ausgerechnet für Masern eine Impf-Pflicht sinnvoll ist.

Der Bundestag hat entschieden, in jedem Impfbuch muss Masern angekreuzt sein. Wer nicht mitspielt, muss mit Bußgeld und Ausschluss von Kita oder Kindergarten rechnen.
von Irma Held Kontakt Profil

Das Risiko, Säuglinge, die noch nicht geimpft werden können, anzustecken sei sehr hoch, zitiert der amtierende Landratsamtssprecher Franz Pfeffer das Gesundheitsamt. Dieses ist Teil des Landratsamtes. Außerdem seien Masern keine harmlose Kinderkrankheit, sondern gefährlicher als beispielsweise Windpocken. Bleibende Schäden, aber auch Todesfälle können Folgen von Masern sein. "Und", so Franz Pfeffer weiter, "sie sind hochansteckend. Wenn 100 Leute in einem Raum sind und einer hat Masern infizieren sich 99."

Drei Fälle in 2018

Sind 96 Prozent der Bevölkerung immunisiert gelte der Herdenschutz. Was bedeute, die Ansteckungsgefahr tendiere gegen Null. Für Aussagen über die Impfrate verfügt das Gesundheitsamt nur über Zahlen zu den Schuleingangsuntersuchungen. Demnach liegt diese bei Schulanfängern bei 94 Prozent. Erkrankt - Masern ist meldepflichtig - waren 2001 sechs Personen. Das ist Höchststand. 2018 gab es drei Masernfälle in einer Großfamilie. In den Jahren dazwischen wurde beim Gesundheitsamt einer oder meistens kein Fall registriert.

BRK-Kreisgeschäftsführer Otto Langenhan kann sich an keinen Masernausbruch in den 15 Betreuungseinrichtungen - von Kita über Kindergarten bis zum Hort - erinnern, die das Rote Kreuz im Landkreis betreibt. Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien zur Impf-Pflicht sagt er: "Im Grunde finde ich es gut." Schaden könne es nicht. In der Kita säßen oft 20 bis 25 Kinder im Stuhlkreis eng beieinander. "Da steckt man sich schnell an." Grippe oder Schnupfen seien immer wiederkehrende Beispiele hierfür. Wie sich die Praxis erweise, zum Beispiel, ob nicht geimpfte Kinde ausgeschlossen oder nicht aufgenommen werden, werde sich zeigen.

Viel Zeit für Aufklärung

Die Nabburger Kinderärzte Dr. Stefan Weickardt und Dr. Regina Schwindler befürworten die Entscheidung des Bundestages. Die Pflicht könne dazu führen, dass noch mehr Kinder geimpft werden. Nach den Worten von Dr. Regina Schwindler verwendet sie viel Zeit in der Gemeinschaftspraxis darauf, skeptische oder verunsicherte Eltern umfassend aufzuklären. Eltern trügen nicht nur Verantwortung fürs eigene Kind, sondern auch für Säuglinge, chronisch Kranke oder Schwangere, die nicht geimpft werden können.

Ein Manko

Die ständige Impfkommission empfiehlt die Vierfach-Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. "Diese empfehlen wir auch", sagt Stefan Weickardt. Er bezeichnet es als Manko, dass zwar explizit eine Masern-Impfpflicht eingeführt wurde, es aber in Deutschland keinen Impfstoff ausschließlich für Masern gebe. Eine Vierfach-Impfung sei hinzunehmen, heiße es. Wie Regina Schwindler ergänzt, komme es sicher jeden Tag einmal vor, dass Eltern ihre Kinder nicht nach dem kompletten Impfplan, darunter fällt auch Tetanus oder Diphterie, immunisieren lassen möchten. Im Gespräch würden viele Bedenken ausgeräumt.

Allerdings, so die Erfahrung der beiden Mediziner, "bei einem überzeugten Impfgegner ist nichts auszurichten." Aber, versichert Kinderarzt Weickardt: "Es gibt keine Erkrankung, die nachgewiesenermaßen durch die Vierfach-Impfung ausgelöst werden kann." Gelegentlich habe der eine oder andere mit Nebenwirkungen, wie leichtes Fieber oder Rötung der Einstichstelle, zu kämpfen. Kinder werden in der Regel bei der U 6, etwa mit einem Jahr, erstmals immunisiert. Bei denen, die früh in einer Kita betreut werden, ist ab neun Monaten ein "Piks" möglich. Übrigens: Die Kinder der beiden Ärzte sind geimpft.

Impfgegner führen unter anderem gefährliche Nebenwirkungen von Impfungen ins Feld, bezeichnen Aussagen, wonach Impfen die Masernsterbefälle reduziert hätten als gelogen. Im Zusammenhang mit einer Impfpflicht verweisen sie auf Staaten, in denen diese gelte, und die Masernausbrüche dort massiver seien als in Deutschland.

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