27.01.2019 - 13:49 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Der medizinische Grönemeyer

Da steht der Bruder vom Herbert. Der eine verlangt "Kinder an die Macht", der andere unterstreicht, wie schön es ist, Kinderlachen zu vernehmen.

Professor Dietrich Grönemeyer zählt zu Deutschlands bekanntesten Ärzten und wird nicht müde, für ein Miteinander zwischen Schulmedizin und alternativen Heilmethoden zu werben. Er hat zwei Stunden lang seine Zuhörer in Schwandorf informiert und unterhalten.
von Autor HOUProfil

Dietrich Grönemeyer hat in Schwandorf zwei Stunden lang gesprochen und ein Miteinander zwischen schulmedizinischen und alternativen Heilmethoden verlangt. Mit seinem brüderlichen Anverwandten hat der Professor eines gemeinsam: Wenn sie kommen, steht draußen "Ausverkauft". Dietrich Grönemeyer, von Haus aus Radiologe, hält in der Schwandorfer Buchhandlung Rupprecht einen Vortrag. Keine salztrockene Angelegenheit. Denn es zeigt sich: Der heute 68 Jahre alte Mediziner aus Bochum hat Entertainer-Qualitäten. Das liegt wohl in der Familie.

Dietrich Grönemeyer will sein neues Buch "Weltmedizin" präsentieren. Es zeigt sich rasch: Er ist ein vom Wissensdrang gesteuerter medizinischer Kosmopolit, der sich umgeschaut hat in den Behandlungsräumen. Oft waren das auch Hütten. Was er dabei mitnahm, formuliert der Arzt so: "Wir sollten keine Glaubenskämpfe zwischen Globuli und Antibiotika führen."

Es verdeutlicht sich: Da ist einer, der eintritt für die Augenhöhe zwischen schulmedizinischem Wissen und alternativer Heilkunst.

Der Professor bricht Lanzen. Für die Chinesen und Hawaiianer, für Ayurveda und Triggerpositionen bei der Akkupunktur. Er fordert "ein Vorsorgeheft vom ersten Lebenstag an" und stellt so manches infrage, was deutsche Krankenkassen ihren Patienten diktieren. Irgendwann in seinem wort- und gestenreich erfolgenden Auftritt postuliert Grönemeyer den Grund seines Engagaments: "Ich möchte gemeinsame Nenner finden." Eine Annäherung ohne Groll, mit Austausch des Wissens. Das könne doch nur zum Wohl des Patienten sein.

Der Professor fragt: "Ist das nicht verrückt, dass wir gegeneinander stehen: Die Homöopathie und die Schulmedizin?" Noch immer in einer Art Glaubenskrieg, mitunter unversöhnlich an der Front. Man müsse da gemeinsame Wege gehen auf der Straße einer menschlichen Fortentwicklung. Dann fällt die Bemerkung: "Ich warne davor, zu glauben, dass Homöopathie Hokuspokus ist." Doch Überheblichkeit sei eben in der Medizin uralt.

Dann ist es Zeit für schmunzelnde Unterhaltung. "Was macht die Currywurst so spannend?", fragt Dietrich Grönemeyer. In der professionell angerührten Soße hat er Gewürze wie Kurkuma und Koriander ausgemacht. Aromareiche Zutaten, "die antientzündlich wirken." Eine Zuhörerin fragt ihn später, ob denn Gewürze für die tägliche Küche aus biologischem Anbau kommen sollten. Der Professor bejaht das nachdrücklich.

Endlich einer, der sich nicht als Spinner abtun lässt. Jemand, der bis 2012 einen Lehrstuhl besaß und seinen Lebensinhalt darin sieht, einem Miteinander in der Medizin das Wort zu reden. Denn diese Wissenschaft, so Grönemeyer, sei Jahrtausende alt und habe nicht erst bei Sauerbruch begonnen.

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