12.07.2020 - 09:08 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Mehrere Unfallschwerpunkte im Landkreis Schwandorf

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Da ist Vorsicht geboten. Ein Straßenstück bei Schwandorf führt die Negativliste der Unfallschwerpunkte im Landkreis an. Was kann man dort und an anderen Gefahrenstellen tun? Dieter Jäger weiß einige Antworten.

Unfallschwerpunkt Nummer eins im Landkreis Schwandorf ist dieses Straßenstück nördlich des Schwandorfer Ortsteils Fronberg. Dort haben sich in den letzten drei Jahren immer wieder schwere Kollissionen ereignet.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Wenn's kracht, dann gewaltig. "Sechs Unfälle mit Schwerverletzten, sechs Unfälle mit Leichtverletzten und einen nur mit Sachschaden", zählt Dieter Jäger von der Polizeiinspektion Schwandorf auf. Er muss es wissen, denn Polizeihauptkommissar Jäger ist als Sachbearbeiter "Verkehr" für den Landkreis bei der Polizei Schwandorf tätig. Die 13 Unfälle, von denen Jäger gesprochen hat, passierten innerhalb von drei Jahren alle auf einer Strecke von 200 Metern auf der Kreisstraße SAD 22 außerhalb des Schwandorfer Ortsteils Fronberg.

Der Schwandorfer Experte ist Teil einer Unfallkommission für den Landkreis, die mit Blick auf einen Drei-Jahres-Zeitraum die Unfallhäufigkeit festhält, analysiert und für Abhilfe sorgen soll. Neben Jäger gehören der Kommission noch ein Vertreter des Staatlichen Bauamts an, sowie jemand von der Abteilung Verkehr im Landratsamt Schwandorf. Sie können dabei auf eine Datenbank im Internet zurückgreifen, die die Gefährlichkeit der Unfallstellen in eine Rangordnung bringt und überdies den volkswirtschaftlichen Schaden ausrechnet, der aus dem manchmal katastrophalen Geschehen entspringt.

Polizeihauptkommissar Dieter Jäger ist als Sachbearbeiter "Verkehr" für den Landkreis bei der Polizei Schwandorf tätig. Auf einer Übersichtskarte in seinem Büro finden sich die Stellen, an denen sich gravierendere Verkehrsunfälle ereignet haben.

Diese Datenbank, "Baysis", das Bayerische Straßeninformationssystem, macht deutlich, dass sich der absolute Unfall-Hotspot nur einen knappen Kilometer nördlich von Fronberg befindet. Warum? Die Verkehrssituation dort ist geprägt von Auf- und Abfahrten der Autobahn A93, sowie von einem Pendlerparkplatz, der etwas ungünstig nach einer Kurve und hinter einer Brücke liegt. Dazu kommt, dass auf dieser Kreisstraße schnell gefahren wird, manchmal schneller als erlaubt. Dass es da beim Ein- und Abbiegen immer wieder einmal kracht, liegt auf der Hand.

Bayerisches Straßeninformationssystem BAYSIS

18 Unfallschwerpunkte haben Jäger und seine Kollegen im Landkreis Schwandorf ausgemacht. Davon finden sich vier auf Bundesstraßen, etwa der B 22 bei Teunz; neun sind auf Staatsstraßen und fünf auf Kreisstraßen. Die Teunzer Kreuzung beispielsweise macht den Sicherheitskräften schon seit Jahren Sorgen. In den letzten drei Jahren waren dort ein Verkehrsunfall mit Schwerverletzten und sechs mit Leichtverletzten zu verzeichnen; dazu kommt eine Kollision, bei der es beim Blechschaden blieb.

Sicherheitsbericht der Polizei Schwandorf: Hier geht es zum Artikel

Schwandorf

"Dabei ist ein volkswirtschaftlicher Schaden von 311 000 Euro entstanden," weiß Jäger nach einem Blick in "Baysis". Das hebt die Stelle nicht sehr hoch ins Ranking, Platz 48 weist das Infosystem aus, das das Geschehen in den Landkreisen Schwandorf, Amberg-Sulzbach und der kreisfreien Stadt Weiden zusammenfasst. "Was wir dort tun können? Den Bewuchs an der Fahrbahn ausschneiden für bessere Sicht an der Kreuzung und reflektierende Verkehrszeichen aufstellen." Beides ist bereits erfolgt.

Kopfzerbrechen macht auch ein Straßenstück der B 85 bei Altenschwand und Neuenschwand (Gemeinde Bodenwöhr). Wer Richtung Cham fährt, kennt die Stelle, an der sich links die Firma Fliesen Fritsch befindet. Dort folgen drei Einfahrten in die Orte in kurzer Folge. "Sogar die Bayerische Unfallkommission hat sich das schon angesehen", berichtet Jäger. Deren Vorschlag: drei Ampelanlagen hintereinander. Die Kosten allein für die Ampel auf Höhe der Firma Fritsch würden 225 000 Euro betragen. Davon müsste die Gemeinde Bodenwöhr 75 000 Euro übernehmen. "Darüber muss noch geredet werden," so Jäger. Nicht immer spielen die Gemeinden bei solchen Vorhaben mit.

Einer der Unfallschwerpunkte liegt im östlichen Landkreis

Teunz

So einen ablehnenden Fall haben die Verkehrsexperten mit Steinberg am See erlebt, als es um die Abzweigung von der Staatsstraße 2145 in die Industriestraße hin zur "Erlebnisholzkugel" ging. "Wir haben lange über eine Lösung nachgedacht, aber das Staatliche Bauamt konnte den Steinberger Gemeinderat nicht dazu überreden, seinen finanziellen Anteil beizusteuern."

In den zurückliegenden sechs Monaten hat sich im übrigen manches entspannt, was sonst für Aufregung sorgt. Auch hier ist "Corona" der Grund. Weil die Menschen deutlich weniger Auto gefahren sind, gab es im Landkreis Schwandorf in diesem Jahr auch deutlich weniger Unfälle als im Vorjahr - ihre Zahl ist um bemerkenswerte 25 Prozent zurück gegangen.

Hintergrund:

Corona macht es möglich: Die Polizei hat für die ersten sechs Monate dieses Jahres 25 Prozent weniger Verkehrsunfälle im Landkreis Schwandorf registriert. Es gab heuer bislang 2016 Verkehrsunfälle zu verzeichnen; im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 2672. Die Zahl der tödlichen Unfälle ging heuer von 4 auf 1 zurück, die Zahl der Unfälle mit Verletzten hat sich um 42 Prozent verringert: In diesem Jahr waren es bislang erst 175, im ersten Halbjahr des Vorjahres 307. Dabei hat sich auch die Zahl der Verletzten halbiert: von 74 auf 34 Schwerverletzte, von 354 auf 188 Leichtverletzte.

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