07.08.2020 - 15:29 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Müll aus AKW in Schwandorfer Öfen

Im Müllkraftwerk Schwandorf werden seit Jahren Abfälle aus Atomkraftwerken verbrannt. Das ruft jetzt den Bund Naturschutz und Bürgerinitiativen auf den Plan. ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll erläutert das Verfahren.

Im Müllkraftwerk Schwandorf werden freigemessene Abfälle aus den Kernkraftwerken Isar und Grafenrheinfeld verbrannt. Im vergangenen Jahr waren das etwa 104 Tonnen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Abfälle aus den beiden "Isar-"Atomkraftwerken in Ohu (bei Landshut) und Grafenrheinfeld werden im Schwandorfer Müllkraftwerk (MKW) verbrannt. Aus Ohu schon seit Jahren. Die Abfälle sind "freigemessen", also als unbedenklich eingestuft und unterliegen nicht mehr der atomrechtlichen Überwachung. Nun haben sich die Bürgerinitiative gegen atomare Anlagen Weiden-Neustadt, das Bündnis für Atomausstieg und erneuerbare Energien Regensburg (BüfA) sowie der Bund Naturschutz an Verbandsräte und den Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) gewandt. Sie fordern einen Annahmestopp. Dritte Bürgermeisterin Marion Juniec-Möller (Grüne) brachte das Thema im Stadtrat auf den Tisch.

ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll nennt im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien Zahlen: 2019 Jahr wurden aus Isar 1 und 2 knapp 91,3 Tonnen Abfall angeliefert, aus Grafenrheinfeld 12,6 Tonnen, insgesamt genau 103,84 Tonnen. Bis Juli gingen 2020 im Kraftwerk 55,93 Tonnen aus den drei AKW in Schwandorf ein. Pro Jahr werden im MKW rund 450 000 Tonnen Müll verbrannt. Der Anteil des Abfalls aus den AKW ist also sehr gering.

Welcher Abfall kommt aus den Kraftwerken? "Das sind in erster Linie Schutzanzüge, Putzlappen und Isoliermaterial," sagte Knoll. "Wenn der Müll freigemessen ist, ist er anderen Abfällen gleichgestellt." "Freigemessen" bedeutet: Wenn die Abfälle bei den Messungen unter dem Grenzwert von 0,01 Millisievert (mSv) liegen. Das entspricht maximal 0,5 Prozent der natürlichen Strahlung, die bei etwa 2 mSv liegt.

Laut Knoll stammen nur etwa fünf Prozent der angelieferten AKW-Abfälle aus dem Strahlenschutzbereich. Der Rest kommt aus dem "sonstigen Bereich", also etwa aus Aufenthaltsgebäuden. "Aus Ohu entsorgen wir Abfälle seit dem Beitritt Landshuts zum Zweckverband 2006", so Knoll. Dazu sei der ZMS verpflichtet. In den Jahresberichten des MKW werden die Mengen aufgeführt. So waren es 2009 rund 1,6 Tonnen freigemessener Abfall aus Isar 1 und Isar 2. Aus Grafenrheinfeld erfolgt die Anlieferung seit 2019 aus vertraglicher Basis. Die Gesellschafter der zuständigen Anlage in Schweinfurth hatten sich gegen die Annahme ausgesprochen. "Wir helfen aus", sagte Knoll. Der Vertrag sei im laufenden Geschäft der Verwaltung abgeschlossen worden, in Absprache und mit Genehmigung der zuständigen Behörden.

Der AKW-Abfall wird nach Chargen getrennt angeliefert, mit ganz normalen Lkw, wenn der Freimessungsbescheid vom Landesamt für Umwelt vorliegt. Erst kürzlich sind wieder 480 Kilogramm aus Landshut angekommen. Rund 420 Kilogramm davon sind Textilien, der Rest gemischte Abfälle. Eine getrennte Verbrennung der AKW-Abfälle sei nicht möglich: Die aktuelle 480-Kilo-Charge wäre in etwa 25 Sekunden durch den Ofen. Täglich werden im Schnitt 1500 Tonnen Müll in Schwandorf verbrannt. Der freigemessene Müll wird mit anderem Abfall gemischt, um gleichmäßige Heizwerte zu erreichen. "Wir werden die Abfälle auch künftig entsorgen. Warum auch nicht?", sagte Knoll. Während des Rückbaus werde die Menge wahrscheinlich eher steigen.

Die Initiativen fordern in den offenen Briefen an den ZMS auch Auskunft über den Verbleib der Schlacke und der Filterrückstände aus dem MKW. Die Schlacke wird in den neuen Bundesländern für den Deponie-Bau verwendet, die Filterrückstände landen unter Tage in einem Salzstollen.

Wenn der Müll freigemessen ist, ist er anderen Abfällen gleichgestellt.

ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll

ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll

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