17.06.2021 - 09:49 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Nachbarschaftsstreit führt auf die Anklagebank

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Die Erkenntnis aus dem Prozess lautet: Gute Nachbarschaft ist wie ein fürstliches Geschenk. Doch es gibt oft genug Fälle von Zwietracht, Hass und Anfeindung. Wie das dann aussieht, erfuhr eine Schwandorfer Amtsrichterin.

Ein Rentner soll seinem Nachbarn mit einer Eisenstange gedroht haben. Vor Gericht konnte ihm das jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.
von Autor HWOProfil

Zwei Stunden lang ging es im Gerichtssaal in Schwandorf um die Frage, wer denn nun wen unablässig schikaniert. Auf der Anklagebank saß ein 61-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis, dem die Staatsanwaltschaft Bedrohung und Beleidigung ankreidete. Der Sachverhalt wurde so geschildert: Der Rentner soll im August letzten Jahres eine Attacke auf seinen Nachbarn gestartet haben.

Was sich ab dann abspielte, bekam den Stempel "Mutmaßlich" aufgedrückt. Mit einer Eisenstange erschien der 61-Jährige den Ermittlungen zufolge an der Grundstücksgrenze zum Nachbarn und soll gedroht haben: "Komm' rüber, ich erschlag' dich". Dann fielen angeblich Bezeichnungen wie "Verbrecher" und "Drecksau".

Der Zwist zwischen beiden Männern schwelt offenbar schon seit Jahren. Dabei gelang es der Richterin bis zum Schluss nicht, den eigentlichen Grund für die Langzeit-Fehde zu finden. Sie hörte vom Beschuldigten: "Als das stattgefunden haben soll, war ich nicht daheim." Er will zum Grab einer Angehörigen gefahren sein. Das bestätigte kurz darauf seine Lebensgefährtin. Sie war nach ihren Angaben mit dabei.

Kann jemand, der nicht zuhause war, seinen Nachbarn am Gartenzaun bedrohen? Natürlich sei sein Nachbar da gewesen und ganz selbstredend habe die fast schon zur Gewohnheit gewordene Attacke auf ihn stattgefunden, gab der nebenan wohnende 63-Jährige zu Protokoll. Dann sprudelte es aus ihm heraus: Streiterei ohne Ende, morgendliche Verfolgungsfahrten bis zu seiner Arbeitsstelle, Anzeigen zuhauf. Ein nach seiner Darstellung ständig wiederkehrendes Ärgernis.

Vieles, so sagte der Mann, sei von der Staatsanwaltschaft bisher eingestellt worden. Umso mehr habe es ihn dann verwundert, dass dieser Vorfall mit der Eisenstange bis zu einer Anklage von der Ermittlungsbehörde vorangetrieben worden sei.

In seinem Plädoyer ging Staatsanwalt Johannes Weiß von einem "klassischen Nachbarschaftsstreit" aus. "Da sind zwei, die sich auf die Nerven gehen", beschrieb er die Situation in dem Dorf im nördlichen Landkreis Schwandorf und resümierte den Verhandlungsverlauf: "Hier steht Aussage gegen Aussage."

Von daher könne letztlich nur ein Freispruch erfolgen. Verteidiger Franz-Josef Köstler (Amberg) stimmte ihm zu und auch die Richterin war der Ansicht, dass ein Beweis für die Täterschaft nicht zu führen sei. Freispruch also und keine Ahndung. In seinem Schlusswort hatte der Angeklagte mit dem Gedanken gespielt, "mein Haus zu verkaufen". Denn nur so könne wohl ein Schlussstrich unter die permanenten Auseinandersetzungen gezogen werden.

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Kommentar:

Danke für die gute Nachbarschaft

Die eigenen Angehörigen wohnen meist weit weg. Aber die Nachbarn sind da, wohnen gewissermaßen Tür an Tür. Wer mit ihnen auskommt, hat ein im Wert nicht zu schätzendes Geschenk. Das wird leider viel zu wenig gewürdigt, gilt bei vielen als Selbstverständlichkeit.

Prozesse vor der Zivil- und Strafgerichtsbarkeit sind an der Tagesordnung. Sie drehen sich mitunter um den Ast, der ins Nachbargrundstück wächst und nicht geschnitten wird. Es gibt aber auch weitaus krassere Fälle. So wie den, der sich vor dem Schwandorfer Amtsgericht jüngst abspielte. Zwei Männer in Dauerfehde. Statt der Feierabendhalbe über den Gartenzaun hinweg permanent Anzeigen unter Einschaltung einer Polizeiwache, die Wichtigeres zu tun hat, als den Friedensrichter zu spielen.

In den Gedanken ist während der Verhandlung die eigene Befindlichkeit abgelaufen. Nachbarn, die immer da sind, ungefragt Hilfestellung leisten, zu Feiern einladen und nicht müde werden, ihre Freundschaft zu unterstreichen. Danke dafür. Denn es ist nicht selten so, wie es einst Wilhelm Busch beschrieb: "Es kann der Beste nie in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt."

Wolfgang Houschka

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