23.08.2019 - 15:07 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Naturschutz: Biotopverbund Nordost-Bayern im Kreis Schwandorf

Der Discounter Lidl und die Privatmolkerei Bechtel arbeiten schon länger in Sachen Naturschutz zusammen. Jetzt kommt die Heinz-Sielmann-Stiftung federführend hinzu. Biotopverbund Nordost-Bayern heißt das langfristig angelegte Projekt

Das Charlottenhofer Weihergebiet mit 830 Hektar Fläche ist nicht nur das zweitgrößte Naturschutzgebiet der Oberpfalz: Es ist auch Brut-, Rast- und Durchzugsstätte für über 100 Vogelarten. Beim Biotopverbund Nordost-Bayern geht es jetzt um Verbindungslinien und Vernetzung.
von Irma Held Kontakt Profil

"Schuld daran", dass sich die Stiftung den Landkreis Schwandorf als Fördergebiet rausgeguckt hat, ist eine Machbarkeitsstudie des Münchener Planungsbüros Pan. Unzählige Biotope gebe es im Landkreis, aber es sei auch Luft nach oben, sagt Heiko Schumacher, Leiter des Geschäftsbereichs Biodiversität der Heinz-Sielmann-Stiftung. Er stellt bei der Bürgermeister-Dienstversammlung im Landratsamt Gemeindeoberhäuptern und Verwaltungsbeamten das Projekt vor. Sie werden als Partner für mehr Artenschutz verstanden, aber auch als diejenigen gesehen, die neben Unternehmen genau dafür Flächen zur Verfügung stellen. Das Naabtal als Biotopverbundkorridor soll gestärkt werden. Doch den Tälern von Murach, Ascha und Schwarzach tun Verbesserungen, zum Beispiel die intensive Landwirtschaft auf Abstand zu halten, gut. Das Ausbauen oder neu Anlegen von Kleingewässern gehört genauso zum Portfolio wie das Schaffen von Wiesenmulden, Streuobstwiesen oder Hecken. Besonders Extensivwiesen sind laut Schumacher im Landkreis Mangelware.

Er spricht von Trittstufen, Kernflächen und Verbindungslinien um Artenvielfalt mehr Raum zu geben. Mit zwei bis vier Projekten möchte er bald punkten, wobei er sich im klaren ist, dass eine Hecke schneller angelegt ist als ein neues Kleingewässer. Tier- und Naturbeobachtungen sollen durch Stege oder Aussichtsplattformen möglich werden. Für die Kooperation von Lidl und den Schwarzenfelder Milchwerken - Sebastian Schulze (Lidl) und Georg Müller (Privatmolkerei Bechtel) informieren über die Kooperation "Ein gutes Stück Bayern" - hat die Stiftung bereits ein Maßnahmenpaket geschnürt. Die Umsetzung sei für die Landwirte freiwillig. Einige, wie Lerchenfenster oder dünn bestellte Äcker, wurden bereits realisiert. Georg Müller spricht nicht ohne Stolz von 50 Hektar ökologischer Trittsteine, die Landwirte dieser Kooperation umgesetzt haben..

Projekte eines Biotopverbundes führt Schumacher am Beispiel des Bodensee-Verbundes, den die Stiftung im Landkreis Konstanz und im Bodenseekreis betreut, vor Augen. Das seit 15 Jahren im Sinne der Artenvielfalt bearbeitete Gebiet wurde 2018 auf den Kreis Ravensburg ausgedehnt. In die einzelnen Maßnahmen fließen auch Fördergelder, aus Landesmitteln zum Beispiel. Landrat Thomas Ebeling wirbt eingangs für den Biotopverbund, den er auf regionaler Ebene als Baustein zum Umweltschutz begreift. Brucks Bürgermeister Hans Frankl wendet sich abschließend mit einem konkreten Anliegen an Heiko Schumacher. Er möchte die anstehende Renaturierung des Sulzbachs gern in den Verbund einbringen. Im Blickpunkt

Die Stiftungen:

Heinz Sielmann und Rochus Mummert

Die Heinz-Sielmann-Stiftungwurde 1994 von Heinz Sielmann und seiner Frau Inge Sielmann als Stiftung bürgerlichen Rechts unter dem Leitsatz "Naturschutz als positive Lebensphilosophie" gegründet. Die Zentrale der Stiftung befindet sich auf Gut Herbigshagen bei Duderstadt in Niedersachsen. Die Schwerpunkte der Arbeit sind der Erhalt der Lebensraum- und Artenvielfalt, die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für den Naturschutz und die Bewahrung des filmisches Erbes von Heinz Sielmann. Die Stiftung fördert zum Beispiel den Quellschutz im Ampertal im Landkreis Freising oder die Wiederansiedlung des Habichtkauzes im Steinwald. Das Stiftungskapital beträgt nach Angaben des Vorsitzenden des Vorstands Michael Beier 13 Millionen Euro. Viele Spenden und Erbschaften fließen jährlich in die Stiftung. Die Rochus- und Beatrice-Mummert-Stiftungwird von der Robert-Bosch-Stiftung verwaltet. Jene vergibt in erster Linie Stipendien an exzellente Studenten der Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften aus Mittel- und Südosteuropa an einer deutschen Hochschule. Mit seinem finanziellen Engagement in Höhe von drei Millionen Euro am Biotopverbund Nordost-Bayern der Heinz-Sielmann-Stiftung will laut Stiftungsvertreter Heinz Donhauser die Mummert-Stiftung für Natur und deren Erhalt sensibilisieren.

Im Blickpunkt:

Projektleiterin vor Ort

Am 1. Oktober wird die aus Erlangen stammende Anna Sperber als Projektleiterin ihre Arbeit rund um den Biotopverbund Nordost-Bayern aufnehmen. Sie übernimmt die Beratung vor Ort. Baut Partnerschaften mit und zwischen dem Landratsamt, Kommunen, der Privatmolkerei Bechtel und weiteren Engagierten aus. Sie dient gleichzeitg als Ansprechpartnerin rund um den Biotopverbund. Heiko Schumacher, Leiter des Geschäftsbereiches Biodiversität der Heinz-Sielmann-Stiftung, möchte das Büro gerne in Schwandorf verorten. Die Heinz-Sielmann-Stiftung will längerfristig im Landkreis präsent sein. "Da ist nicht von ein paar Monaten oder ein bis zwei Jahren die Rede", so Schumacher.

Obstbäume, besonders Streuobstwiesen, sind ein Baustein im Biotopverbund Nordost-Bayern.
Heiko Schumacher stellt das langfristig angelegte Projekt vor.
Anna Sperber ist das Gesicht der Heinz-Sielmann-Stiftung vor Ort.
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