23.09.2021 - 16:54 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Neue Filter für Schwandorfer Müllkraftwerk

Startschuss für "Triphönix": Das Müllkraftwerk Schwandorf erneuert die Rauchgasreinigung an Ofenlinie 4. Dabei ist nicht nur ein Schadstoff besonders im Visier, sondern auch die Entsorgungssicherheit.

Die Rauchgasreinigung – das sind die grauen, stehenden Zylinder – am Müllkraftwerk Schwandorf wird erneuert.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Abgase des Schwandorfer Müllkraftwerks sollen noch sauberer werden. Das ist nicht der einzige Grund für die bis zu 10 Millionen Euro teure Erneuerung der Rauchgasreinigung (RGR) der Ofenlinie 4. Sie muss auch fit sein für eine noch größere Investition: Das Projekt "Triphönix".

Verbandsvorsitzender Landrat Thomas Ebeling sprach bei einer Pressekonferenz am Mittwoch von einer "sehr großen Herausforderung." Ab 2023 sollen die kleineren, fast 40 Jahre laufenden Ofenlinien 1 bis 3 durch zwei neue, leistungsfähigere ersetzt werden.

Längere Wartungsfrist

Damit während der Bauphase zumindest ein Teil der Müll-Entsorgungskapazität einerseits und die Versorgung der Nabaltec und der Fernwärme andererseits gesichert bleiben, wird ab 2022 zunächst an der Rauchgasreinigung der Ofenlinie 4 gearbeitet. Sie soll dann möglichst durchgehend laufen können. Bislang muss die Linie etwa halbjährlich für zwei bis drei Wochen heruntergefahren und die RGR gewartet werden. Stand der Technik sei, dass eine RGR ein Jahr durchlaufe, sagte Verbandsdirektor Thomas Knoll.

Die neue Anlage arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie die bestehende, erläuterte technischer Leiter Konrad Rieger. Das Abgas wird mit Kalk und Aktivkohle versetzt, dadurch von Säuren wie Salz-, Schwefel oder Flusssäure gereinigt. Die Aktivkohle bindet Schwermetalle, also etwa Cadmium, Blei oder Quecksilber. Schon die bestehende RGR unterschreite die gesetzlichen Grenzwerte deutlich, so Rieger.

Die neue soll noch bessere Ergebnisse liefern. Zumal Rieger erwartet, dass die Grenzwerte in den kommenden Jahren noch schärfer werden. Dafür werde der ZMS gerüstet sein. Besonderen Blick legt der ZMS auf Quecksilber. Das giftige Schwermetall werde schon lange nicht mehr industriell verarbeitet. "Aber man weiß nicht, welche Schätze die Leute noch zu Hause lagern", sagte Knoll. Alte Thermometer oder Kippschalter etwa.

Die sollten zwar nicht im Hausmüll landen, wenn doch, soll die neue Technik das Quecksilber noch besser herausfiltern. Dafür soll ein "Aktivkohle-Booster" sorgen. Der Booster springt an, wenn im Rauch hohe Quecksilber-Konzentrationen festgestellt werden. Knoll nannte ihn einen "Airbag, den wir hoffentlich nie brauchen". Die neue RGR soll aber auch Wartungskosten senken: Für jedes Ab- und Anschalten der Ofenlinie 4 werden 40000 Liter Heizöl fällig. Weniger Reinigungs-Reagenzien, die dann teuer entsorgt werden müssen, soll die neue Anlage auch verbrauchen.

Während der RGR-Erneuerung fehlen dem MKW etwa 40 Prozent Kapazität, also etwa 180000 der sonst möglichen 450000 Tonnen. Der verbleibende Müll werde in Anlagen in ganz Deutschland umgeleitet, so Knoll. Meist per Lkw: Die wenigsten Müllkraftwerke sind mit dem Container-Schienen-Konzept des ZMS kompatibel.

Müllpreise bleiben

Die Millionen-Investitionen würden zumindest in den kommenden beiden Jahren nicht für höhere Umlagen bei den Verbandsmitgliedern – und damit letztlich höhere Müllgebühren – sorgen, so Knoll. Danach gelte es, "genauer hinzuschauen". Höhere Kosten drohen laut Knoll eher von anderer Seite: Die aktuell diskutierte CO2-Bepreisung der Mülls hätte "ganz andere Auswirkungen". Im Gespräch seien aktuell 40 Euro je Tonne Müll. Das würde das Entsorgungs-Entgelt für die Tonne Haus- und Sperrmüll, das zuletzt bei etwa 106 Euro lag, laut Knoll "in ganz andere Dimensionen" bringen.

"Triphönix" wird auch vom Nachbarn, der "Nabaltec", mit Spannung beobachtet. "Nicht ganz uneigennützig" wünsche er gutes Gelingen, sagte der kaufmännische Prokurist des Chemie-Unternehmens, Paul Altmann. Die "Nabaltec" bezieht ihre Energie in Form von Dampf und Strom vom Müllkraftwerk. Auch die Schwandorfer Fernwärme hängt am Tropf. Die Versorgung sicherzustellen, gehört auch zu den Herausforderungen während "Triphönix".

ZMS erweitert Technikgebäude

Schwandorf
Landrat und Verbandsvorsitzender Thomas Ebeling (Vierter von links) stellte die ZMS-Pläne zusammen mit (von links) Konrad Rieger, Thomas Knoll, Michael Diller, Franz Grabinger (alle ZMS) und Paul Altmann (Nabaltec) vor.
Hintergrund:

Triphönix

  • Die drei älteren Ofenlinien des Müllkraftwerks werden durch zwei neue ersetzt. Das Projekt wurde "Triphönix" getauft.
  • Das ist die größte Investition in der Geschichte des Zweckverbands Müllkraftwerk Schwandorf, ZMS.
  • 180 Millionen Euro sind dafür kalkuliert.
  • Zunächst wird die vierte Ofenlinie modernisiert, um während des Umbaus möglichst durchzulaufen.
  • Bau-Start ist 2023.
  • Bis 2028 soll Triphönix abgeschlossen sein.

 

 

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