07.11.2019 - 19:54 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Nicht nur Freude mit Blätterteppich

Zitronengelb und Rot, Ocker und leuchtend Orange: Der Herbst malt nicht nur schöne Farben, das Laub bringt auch viel Arbeit mit sich. Während im Winter klar ist, wer den Schnee zu räumen hat, sorgen Blätter schon mal für Ärger.

So schön das bunte Laub auf den Bäumen auch ist: Wenn es herunterrieselt, ist es lästig und bedeutet Arbeit.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Herbstlaub ist nicht nur schön anzuschauen. Bei Nässe steigt die Rutschgefahr am Gehsteig und im Garten sind Blätterhaufen schon mal ein Grund für einen handfesten Nachbarschaftsstreit. Grundsätzlich haben Hausbesitzer die Pflicht, das Laub zu entsorgen. Oberpfalz-Medien fragte am Landratsamt Schwandorf nach.

"Wir sind dafür nicht richtig zuständig", sagt Franz Pfeffer und verweist auf die Kommunen, die in ihren Satzungen regeln können, wer "wann, was, wie zu reinigen hat". Der stellvertretende Pressesprecher verweist aber auf die Grundlage dafür, den Artikel 51 des Bayerischen Straßen- und Wegegesetzes. Dieser regle die Räum- und Streupflicht und die Reinlichkeit der Straßen, wofür der Straßenbaulastträger und der angrenzende Grundstückseigentümer zuständig sind. Der Eigentümer des Baumes haftet dafür, wenn das herabfallende Laub den öffentlichen Raum berührt. "Wenn jemand auf dem Laub ausrutscht, tangiert dies die Verkehrssicherungspflicht", betont Pfeffer.

So häufig wie Schneeräumen?

Bedeutet dies, dass Gehwege und Flächen vor einem Grundstück im Herbst genau so häufig von Laub befreit werden müssen, wie dies im Winter bei Schnee gefordert ist? "Nein", meint Franz Pfeffer. Für Laub seien die Pflichten des Grundstückseigentümers nicht so umfangreich. Wie Gabriele Schlagenhaufer vom Ordnungsamt der Stadt Oberviechtach mitteilt, hat die Kommune das Thema "Herbstlaub-Beseitigung" seit vielen Jahren geregelt. Die Verordnung über die Reinhaltung und Reinigung der öffentlichen Straßen und die Sicherung der Gehbahnen im Winter (Stand 18. Januar 2019) sagt bei Paragraf 5 dazu aus: "Die Vorder- und Hinterlieger haben dabei die Gehwege, die gemeinsamen Geh- und Radwege und die innerhalb der Reinigungsflächen befindlichen Teile der Fahrbahn (einschließlich der Parkstreifen) nach Bedarf zu kehren und den Kehricht, Schlamm und sonstigen Unrat zu entfernen. Im Herbst sind die Reinigungsarbeiten bei Laubfall, soweit durch das Laub - insbesondere bei feuchter Witterung - die Situation als verkehrsgefährdend einzustufen ist, ebenfalls durchzuführen."

Nicht zum Nachbarn zurück

Grundsätzlich ist der Eigentümer eines Grundstücks zuständig. Er kann die Pflicht, Laub zu entsorgen und Schnee zu räumen, aber auf die Mieter abwälzen, so dass er selbst nur noch eine Überwachungspflicht hat. Bleibt das Laub liegen und jemand rutscht darauf aus, kann der Räumungspflichtige schlimmstenfalls in Haftung genommen werden. Wer sich verletzt, hat laut Gesetz einen Anspruch auf Schadenersatz wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht. Wie Urteile zeigen, schließen viele Gerichte aber eine Ersatzpflicht wegen eines Sturzes aus. Begründet wird dies damit, dass ein Fußgänger im Herbst damit rechnen muss, dass Laub glitschig sein kann.

Hobbygärtner haben derzeit gut zu tun. Denn bevor der Schnee fällt, sollte die dicke Laubschicht vom Rasen entfernt sein, damit dieser über den Winter genug Luft bekommt (Fäulnis, Pilze, Moos). Die Frage: "Muss ich mich um das Laub vom Nachbarn kümmern, das auf mein Grundstück fliegt?", beschäftigt jedes Jahr aufs Neue. Grundsätzlich handelt es sich beim Laubfall um eine Natur-Einwirkung, die entschädigungslos zu dulden ist. Man kann den Nachbarn also nicht verpflichten, "sein" Laub aufzusammeln. Für die Entsorgung ist man selbst zuständig. Besonders ärgerlich kann dies sein, wenn man selbst keinen einzigen Baum besitzt. Franz Pfeffer verweist auf Ansprüche im Nachbarschaftsrecht bezüglich "Überhang und Überfall". So könne man verlangen, dass der Nachbar die Abstandsvorschriften wieder einhält und den Baum zurecht schneidet. Keinesfalls darf man das Laub aber zum Nachbarn zurückwerfen.

Laub schützt vor Bodenerosion und dient als natürlicher Dünger

Kreisfachberaterin Heidi Schmid

Kreisfachberaterin Heidi Schmid

Auf Beete oder Komposthaufen

Werden anstatt eines sportlichen Rechens Laubbläser oder -sauger (Schallpegel oft über 100 Dezibel) eingesetzt, muss auf die Ruhezeiten (legt Gemeinde fest) geachtet werden. Das Laub kann bei den Grüngutannahmestellen der Kommunen angeliefert werden. Wer es in den Wald fährt, macht sich strafbar (Bußgeld). Laub kann gut im Garten verbleiben: Unter den Sträuchern liegen lassen oder auf die Beete verteilen. "Mit dem Rasenmäher zerkleinern und dann ausbringen", rät Heidi Schmid, Geschäftsführerin des Kreisgartenamtes. Man könne förmlich beobachten, wie die Regenwürmer es dann in den Boden einarbeiten. "Laub schützt vor Bodenerosion und dient als natürlicher Dünger", so die Expertin, die auch die Vorzüge von Lauberde im Zierpflanzenbau kennt. Beim Kompostieren sollte man die Blätter mit Grobmaterial mischen. Und noch ein Tipp: "Wenn möglich, sollte man an windgeschützter Stelle einen Laubhaufen über ausgelegten Ästen belassen, in dem sich Igel verkriechen können", appelliert Heidi Schmid.

Wenn die Bäume dann im November kahl stehen, lohnt sich für Hausbesitzer noch einmal ein Blick nach oben. Denn Laub verstopft gerne Dachrinnen, was beim nächsten Regen zu unliebsamen Überraschungen führen kann.

Pflicht abwälzen:

Gesetz und Satzung

Grundstücksbesitzer müssen den Gehweg vor ihrem Haus im Herbst von herabgefallenen Blättern befreien, wenn die Gemeinde es in einer Satzung verlangt. Das gilt auch dann, wenn das Laub von Bäumen stammt, die eigentlich der Gemeinde gehören. Der Artikel 51 (4) des Bayerischen Straßen- und Wegegesetzes (BayStrWG) erlaubt diese Abwälzung der Reinigungs- und Sicherheitspflicht auf den Bürger, so lange diese zumutbar ist (Härtefallregelungen).

Wenn jemand auf dem Laub ausrutscht, tangiert dies die Verkehrssicherungspflicht.

Franz Pfeffer, stellv. Pressesprecher am Landratsamt

Franz Pfeffer, stellv. Pressesprecher am Landratsamt

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