23.01.2020 - 10:16 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Nicht nur sauber, sondern simpel

Hauswirtschaftsmeisterin Veronika Peters-Brunner hat genug von Putzmitteln aus der Plastikflasche und sucht sich Alternativen. Inzwischen mischt sie vieles selbst, was das Haus rein hält.

Kernseifeflocken sind Hauptzutat für selbst gemachte Reinigungsmittel.
von mvsProfil

„Für jeden Fleck ein eigenes Mittel?“, wunderte sich die Schwandorfer Hauswirtschaftsmeisterin Veronika Peters-Brunner (36) über zahlreiche Regalmeter Reinigungsmittel. Ihre Suche nach Vereinfachung war erst mal kompliziert.

ONETZ: Das Angebot an Putzmitteln ist groß, für jeden ist das Passende dabei, möchte man meinen. Warum waren Sie trotzdem nicht zufrieden?

Veronika Peters-Brunner: Gerade deshalb, ich habe mich richtig ver ...

ONETZ: … vielleicht „vereimert“ gefühlt?

Veronika Peters-Brunner: Nennen wir es so. Mich hat gestört, dass ein so vielfältiges Angebot an sich uns Verbrauchern einredet, dass das wirklich notwendig wäre. Obwohl es günstigere und biologisch sinnvollere Alternativen gibt – ohne Totenkopfschädelaufdruck und Unmengen an Plastikmüll –, die die Gesundheit, den Geldbeutel und die Umwelt schonen und trotzdem völlig ihren Zweck erfüllen: Hygiene. Guter Geruch. Sauberkeit.

ONETZ: Wie sind Sie vorgegangen?

Veronika Peters-Brunner: Ich habe das Internet durchforstet, das voll ist von Rezepten für selbst gemachte Putz- und Reinigungsmittel. Einige haben nicht funktioniert. Deshalb habe ich mich darauf konzentriert, die chemische Wirkung der verwendeten Zutaten zu verstehen und selbst zu experimentieren, mit Mischverhältnissen und Temperaturen, Konsistenzen und Gerüchen.

ONETZ: Welche Zutaten verwenden Sie und woher bekommen Sie sie?

Veronika Peters-Brunner: Soda, Essig mit mindestens zehn Prozent Säure, Natron, Kernseife und effektive Mikroorganismen sind die wichtigsten Grundzutaten. Natron gibt es im Einzelhandel nur in überteuerten Kleinstmengen. Das bestelle ich deshalb im Fünf- oder Zehn-Kilo-Eimer online, genauso Soda, Kernseifeflocken und ätherische Öle. Bei Letzteren ist mir nicht nur der Duft wichtig, sondern auch die reinigende Wirkung: Zitrone, Orange und vor allem Lavendel wirken antiseptisch. Also nicht nur reine Geschmackssache!

ONETZ: Kernseifeflocken bilden doch Kalkseife, die sich in den Rohren der Waschmaschine ablagert ...

Veronika Peters-Brunner: Deshalb ist es wichtig, immer einen Kalklöser zu jedem Waschgang zu geben. Das kann zum Beispiel Essig oder Zitronensäure sein. Ein Schuss oder Löffel davon zum Waschgang ins Weichspülerfach und die Kalkseife kann sich lösen. Eine regelmäßige Überprüfung und Reinigung der Maschine, und ab und zu eine Hygienespülung mit Sauerstoffbleiche oder ein Waschgang auf 90 Grad, ist aber trotzdem unerlässlich. Essig wirkt übrigens wie Weichspüler, raue Handtücher werden weicher, weiße strahlender.

ONETZ: Und der Geruch?

Veronika Peters-Brunner: Verfliegt.

ONETZ: Haben Sie eine Hexenküche im Keller?

Veronika Peters-Brunner: (lacht) Genau so ist es! Mittlerweile ist sie technisch ausgereift. Ich habe mich erst körperlich regelrecht reingekniet, aber auf Dauer geht zum Beispiel das Verkneten von Seifenflocken und kiloweise Natron ganz schön in die Hände. Ein gebrauchter Thermomix übernimmt jetzt diese Arbeit.

ONETZ: Und wie gehen Sie praktisch vor?

Veronika Peters-Brunner: In meiner ökologischen Putzmittelkiste sind die Grundzutaten, die kommen dann je nach zu reinigender Oberfläche und Verschmutzungsgrad ins Putzwasser. Dann das Basiswaschmittel, das für Helles oder Buntes von mir mit Essig oder Sauerstoffbleiche angereichert wird. Ein Wollwaschmittel, Kraftreiniger, Fenster- und Glasreiniger. Aber auch Körperpflegemittel: Deo, Haarwaschseife und ein Badezusatz, der sich auch als Peeling toll anfühlt.
Was bisher nicht zufriedenstellend geklappt hat, war ein Spülmittel für schmutziges Geschirr. Die bisherigen Mixturen sind alle ausgehärtet oder haben sich wieder zersetzt. Um sie nutzen zu können, müsste ich sie vor jeder Verwendung erwärmen oder lange schütteln. Das muss noch praktikabler werden. Denn bei aller Lust am Versuch, ich habe nicht ewig Zeit. Für mich ist es wichtig, dass die Reinigungsmittel genauso einfach und schnell in der Anwendung sind, wie fertig gekaufte. Es gibt im Leben Schöneres, als Waschnuss-Reste aus kleinen Beutelchen zu popeln …

Tipps & Co. :

Waschmittel selbst gemacht

„Dieses Rezept ist nicht für Stoffe geeignet, die einen tierischen Ursprung haben – Wolle oder Seide“, schickt Veronika Peters-Brunner ihrer Rezeptur für Waschmittel voraus.

Benötigte Zutaten: 200 Gramm Kernseife, 125 Gramm Natron, 125 Gramm Waschsoda und 5 Tropfen ätherische Öle. Für Duft und zusätzlich eine reinigende Wirkung eignen sich besonders Zitrusfrüchte und Lavendel. „Teebaum wäre mir zu intensiv.“

Die Zubereitung: Die Kernseife zu Flocken reiben, mit den anderen Zutaten sehr gut vermischen, so dass sich eine homogene, lockere Menge ergibt und diese luftdicht abfüllen, beispielsweise in ein großes Weckglas. „In der Waschmaschine sollte immer eine handbreit Platz frei bleiben, auf eine volle Trommel gebe ich drei bis vier Esslöffel.“ (mvs)

ONETZ: Wie reagiert die Familie und das weitere Umfeld auf den Entdeckerdrang?

Veronika Peters-Brunner: (lacht) Meine Familie versteht die Motivation, kennt aber auch andere Gesprächsthemen! In meinem Haushalt sind die praktischen Ergebnisse wichtig und wir fühlen uns sauwohl in unserem ökologisch geputztem Zuhause. Manche sind skeptisch, Stichwort Deo, und schnuppern erst mal. Kann ich niemandem verdenken, wir sind von jahrzehntelanger Werbung geprägt. Viele sind interessiert, wollen Details erfahren oder erzählen. Vor allem ältere Frauen erinnern sich an ihre Kindheit und Jugend, den Topf voll kochendem Wasser auf dem Herd und dem Löffel, mit dem gerührt wurde. Natürlich war nicht alles rosig und manche Produkte von heute sind eine echte Erleichterung und Verbesserung.

ONETZ: Hatte die Umstellung Nebenwirkungen?

Veronika Peters-Brunner: Dass ich mich mit dem Thema in der letzten Zeit so intensiv beschäftigt habe, hat auch dazu geführt, die Abläufe und Einteilungen in meinem Haushalt besser zu strukturieren. Ich habe jetzt beispielsweise einen Wochenplan mit Tagesaufgaben (Montag Bäder, Dienstag Böden, Mittwoch Wäsche …) damit es nicht zu viel an einem Tag wird und ich habe festgelegt, in welchem Alter meine Kindern bestimmte Hausarbeiten lernen müssen: mit sieben Jahren Geschirr, mit acht Oberflächen wischen, mit neun Fenster putzen, mit zehn saugen. Das finden die nicht immer toll, muss aber sein!
Ansonsten häufen sich die Bestellungen für Waschpulver und das Interesse ist riesig. Haushalt betrifft schließlich jeden, hat aber leider einen eher niedrigen Stellenwert. Es gibt zum Beispiel massenhaft Sendungen über Kochen, was ist mit Reinigen?! Meine Lust am Probieren und erprobte Rezepte gebe ich mittlerweile in Form von Kursen weiter. Damit Menschen, die wie ich ins Zweifeln geraten sind, nicht dieselben Umwege gehen müssen. Theorie, Praxis, Ergebnis – alles an einem Abend in netter Runde.

ONETZ: An wen richten sich die Kurse?

Veronika Peters-Brunner: An alle, die einen Haushalt führen oder führen werden. Bisher haben nur Frauen teilgenommen, von jung bis alt. Also Männer, wo seid ihr?! Ihr wisst gar nicht, was Euch entgeht.

Die Schwandorferin Veronika Peters-Brunner mischt Reinigungsmittel selbst.
Die wichtigsten Grundzutaten für hausgemachte Reinigungsmittel: Essig, Kernseife und Natron.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.