17.03.2021 - 11:21 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Ohnmächtiges Warten auf den Re-Start der Kultur

Eventmanager Arthur Theisinger hat die Hoffnung auf eine Konzertsaison inzwischen aufgegeben. Bei einer Online-Gesprächsrunde von Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis Schwandorf verrät der Geschäftsführer von Power Concerts aber neue Ideen.

Der professionelle Gitarrist und Musiklehrer Thorsten Loher (links) und der Hobbymusiker und Burglengenfelder Stadtrat Hans Deml (rechts) forderten kürzlich bei einer Kundgebung Perspektiven für die Kulturschaffenden.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

"Den Kultur-Re-Start retten": Unter diesem Titel diskutierte Bezirksvorsitzende und Bundestagsdirektkandidatin Tina Winklmann mit Politikern und Kulturschaffenden. Grünen-Kreisvorsitzende Claudia Müller-Völkl ist als Theaterlehrerin ebenfalls "betroffen und frustriert" und spürt das "Bedürfnis der Menschen nach kulturellen Veranstaltungen".

Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen im bayerischen Landtag, Susanne Kurz, ist gelernte Filmemacherin und Kamerafrau und kennt die Nöte ihrer Kollegen, wenn sie sagt: "Die Leute haben sich meist mehrere Standbeine aufgebaut, die jetzt alle weggebrochen sind". Ohne Betriebskosten gebe es auch keine Überbrückungshilfen. Die Grünen-Abgeordnete attestiert der bayerischen Staatsregierung in diesem Punkt einen "Totalausfall". Der Ministerpräsident zeige zwar Verständnis für die Probleme der Kulturschaffenden, zucke aber bei der Frage nach konkreter Unterstützung "nur mit den Schultern".

Druck soll erhöht werden

In ihrer Eigenschaft als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Filmhochschule München weist Susanne Kurz auf den geringen Frauenanteil in der Branche hin und stellt fest: "Die Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Kunst- und Kulturszene kannst du vergessen". Viele Mitarbeiter seien inzwischen abgewandert, beobachtet der niederbayerische Bundestagsabgeordnete Erhard Grundl. Der kulturpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion nennt das Unterstützungsprogramm der Bundesregierung "eine Fehlkonstruktion" und fordert stattdessen für die Kulturschaffenden einen "existenzsichernden Unternehmerlohn". Die Branche müsse den Druck auf die Politik erhöhen und "lauter werden". Der ehemalige Rockmusiker und Vertriebsmanager in der Musikindustrie hält die Kultur für "gesellschaftsrelevant". Er ist der Meinung: "Es ist genügend Geld da, um die Künstler durch die Pandemie zu bringen". Grundl sieht auch die Kommunen in der Pflicht: "Freiwillige Leistungen müssen jetzt zur Pflichtaufgabe werden". Schauspieler Christian Erdt hat "das große Glück", dass er am Münchener Residenztheater eine Festanstellung hat und somit nicht auf staatliche Hilfe angewiesen ist. Der gebürtige Further kennt aber die finanziellen Nöte der Bühnenarbeiter, Kostümbildner und Musiker mit befristeten Verträgen, "die momentan kein Geld bekommen, durch das Raster fallen und in prekäre Verhältnisse abrutschen".

Wie ein Berufsverbot

Theisinger organisierte kürzlich in Burglengenfeld eine Kundgebung der Initiative "Rettet die Kultur und die Gastronomie" und sehnt sich den Tag herbei, "an dem wir wieder Konzerte ohne Abstand veranstalten können". Doch damit rechnet er "nicht vor 2022". Bis dahin will er sich unter Hygieneauflagen Alternativen überlegen. Er plant ein "Strandkorb-Open-Air" und "Biergartenkonzerte" mit ausreichenden Sicherheitsabständen.

Artikel über Kundgebung von Kulturschaffenden

Burglengenfeld

"Wir brauchen eine Perspektive auch für unsere Mitarbeiter", erklärt der Betreiber zweier Clubs. Der Lockdown komme für sie einem Berufsverbot gleich. Er habe seine Angestellten freistellen oder in Kurzarbeit schicken müssen. Arthur Theisinger fragt sich mittlerweile: "Welche Leute werden wir noch haben, wenn wir wieder aufsperren".

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