10.05.2019 - 15:56 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Oldtimer auf drei Rädern

Ein Traktor auf drei fast mannshohen Rädern: Der Horsch TerraTrac zog 1984 die Blicke auf sich. 35 Jahre später soll das wieder so ein: Die Auszubildenden des Unternehmens bauen eine solche Zugmaschine wieder auf.

von Clemens Hösamer Kontakt Profil

In der Halle des Gutsbetriebs am Sitzenhof stehen Gitterboxen voll mit Einzelteilen, daneben lehnt das platte Vorderrad. Auf einer Palette liegen eine Hydraulikpumpe, Schläuche, Verteiler. Vom Terra Trac ist nur ein Gerippe übrig. Die Auszubildenden im Team von Industriemeister Josef Hanauer (23) haben die große Maschine beinahe komplett zerlegt. Ihre Aufgabe: Die Zugmaschine, Baujahr 1984, soll wieder in neuem Glanz erstrahlen. Und natürlich wieder laufen.

"Sie sind mit Feuereifer dabei", sagt Hanauer über die jungen Frauen und Männer, die an dem Projekt beteiligt sind. Nicht nur die Mechaniker aus den verschiedenen Fachbereichen. Die Planzeichnungen aus den 1980er Jahren mussten digitalisiert werden, zum Beispiel um Ersatzteile herstellen zu können. Wie etwa für die Kabine, deren Gerippe schon in der Lehrlingswerkstatt steht. Das Blech für das Dach wurde gelasert. Die Maschine dafür braucht digitale Daten als Grundlage.

"Kreative Lösungen finden"

"Die jungen Leute sollen sich selbst auf den Weg machen und kreative Lösungen finden", sagt Anton Grauvogl. Ein bisschen so wie damals, als der Terra Trac von Michael Horsch entwickelt wurde. Den Grundgedanken haben die Azubis von heute auch parat: Die drei Räder sollten die Bodenverdichtung minimieren, weil eben nicht zwei Traktor-Achsen über die gleiche Spur rollen. Außerdem kann der Terra Trac beinahe auf dem Teller drehen, weil das Vorderrad 90 Grad eingeschlagen werden kann. Auf diese Lenkung hat Horsch ein Patent, weiß Auszubildender Stefan Fink. Wie viele heutige Baumaschinen wurde der TerraTrac nicht über Getriebe und Wellen angetrieben, sondern hydrostatisch: Vereinfacht gesagt treibt der Dieselmotor eine Hydraulikpumpe an, deren Öldruck einzelne Hydraulikmotoren an den Rädern versorgt. Grauvogl ist seit 1982 bei Horsch, seit den Anfangszeiten des Unternehmens. Heute ist er Abteilungsleiter für Ausbildung, Zuschnitt und Schweißerei. Die Tüftelei von damals, als Michael Horsch die Unternehmensgeschichte in einer kleinen Halle auf dem landwirtschaftlichen Gut begründete, ist für Grauvogl Beispiel für heute. Die jungen Leute sollen möglichst selbstständig Lösungen finden, auch improvisieren.

"Wo ein Wille, da ein Weg", sagt Grauvogl. Und es gilt: "Es darf auch mal was schief gehen. Wenn nicht jetzt, wann dann?" Die Zeiten, in denen Auszubildende jeden Schritt vom Meister gezeigt bekamen, sind nach Grauvogls Einschätzung vorbei. Lernbegleiter, Moderator im Team: Da sei der Meister gefragt. Grauvogl und Ausbilungsmeister Hanauer sind überzeugt: Was sich die jungen Leute selbst erarbeitet haben, bleibt auch besser hängen. Genauso wie die Fehler: "Die macht man nur einmal."

Im vergangenen Jahr, sagt Hanauer, hätten seine Schützlinge sehr viel an ähnlichen Projekten gearbeitet. "Wir haben die klassische Vorbereitung auf die Zwischenprüfung recht kurz gehalten." Das Ergebnis: Im Schnitt erzielten die Horsch-Auszubildenden 95 Prozent der möglichen Punkte. Der Erfolg gibt dem pädagogischen Konzept also recht. Dazu gehört auch, dass die jungen Leute immer wieder in die reguläre Produktion wechseln.

"Sie sind mit Feuereifer dabei", sagt Hanauer über das Azubi-Team. Das Vertrauen, das er in die jungen Leute stecke, komme vielfach zurück. "Wir wollen sie ja auch behalten". 50 junge Leute machen derzeit eine Lehre bei Horsch, die meisten im gewerblich-technischen Bereich, aber natürlich auch Kaufleute, IT-Fachleute. Auch das duale Studium ermöglicht das Unternehmen. Mit mangelnden Bewerberzahlen muss Horsch nicht kämpfen. Für das neue Lehrjahr liegen 327 vor.

Die Azubis Stefan Fink (Industriemechaniker) Maximilian Weiherer (Konstruktionsmechaniker) und Tobias Schöndorfer (Fertigungsmechaniker) sind beim Termin mit dem Reporter dabei, wissen genau, wo welches Teil hingehört. "Dabei lernt man unheimlich viel", sagt Weiherer, verschiedenste Techniken müssen sich die Auszubildenden aneignen. Und wenn's gar nicht mehr weiter geht, gibt's mit Josef Hanauer ja einen kompetenten Ratgeber.

Motor wartet noch

Die Kabinenhaube ist sandgestrahlt und der Rahmen zusammengebaut, bald kann's ans Lackieren gehen. Der 220-PS-Deutz-Motor, der im TerraTrac verbaut war, steht auch schon in der Lehrlingswerkstatt. Da Aggregat muss noch zerlegt und gereinigt werden, bevor er wieder "zum Leben erweckt" wird. Wie diverse weitere Teile, die darauf warten, auf Vordermann gebracht zu werden. Das Projekt läuft erst ein paar Wochen. Bis zum Spätsommer soll der Trac so weit sein. Einen Einsatzzweck gibt's auch schon: Für Besucherrunden über das Unternehmensgelände steht bei Horsch einen Anhänger mit aufgebauter Tribüne bereit. Den könnte dann das riesige Dreirad ziehen, meint Grauvogl. Der TerraTrac würde sicher wieder die Blicke auf sich ziehen. Wie vor 35 Jahren.

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