18.10.2019 - 17:16 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bei "Ossi" fallen die Jalousien

Der eine sitzt auf seinem Motorrad, der andere kommt im Auto daher. Nördlich von Nittenau treffen beide zufällig aufeinander. Was dann passiert, ist eine Art Komödie, die fast schon aus dem Bauerntheater hätte stammen können.

Vor Gericht ging es beinahe zu wie in einer Komödie.
von Autor HOUProfil

"Ich wollte eigentlich nur eine Ausfahrt ins schöne Regental unternehmen", hörte der Schwandorfer Amtsrichter Hans Christopher Theißen von einem 66-Jährigen aus dem Kreis Cham. Der Mann hatte sich im Juli letzten Jahres auf sein Motorrad gesetzt und sah dann am Nittenauer Stadtrand ein Auto, das über einen Kreisverkehr in eine Umgehungsstraße einbog. Kaum war der Kreisel überwunden, setzte der Kradfahrer zum Überholen des Pkws an. Offenbar zum Missfallen des Autofahrers. Der Richter hörte: "Der hat Gas gegeben. Aber ich hatte Reserven und bin an ihm vorbei." Denn schließlich, so wurde unterstrichen, habe er kein Moped, sondern eine 1200er BMW. Das Spektakel setzte sich nach Darlegung des 66-Jährigen fort. "Er fuhr hinter mir dicht auf meine Maschine auf, hat mich überholt und geschnitten". Eine unangenehme Erfahrung für den Mann, der schließlich auf einen nahen Parkplatz einbog. Und siehe da: Dort stoppte auch der Autofahrer.

Vorhang auf also für den nächsten Akt. Der 66-Jährige will seinen Kontrahenten zur Rede gestellt und angesichts dessen Dialekt von sich gegeben haben: "Ah, ein Ossi!" Worauf ein nicht sehr feiner Konter gekommen sei. Erst vernahm er einen unflätigen Ausdruck, dann sei ihm auch noch ein heftiger Klaps auf den Sturzhelm verabreicht worden. Mit Schmerzen im Kopf- oder Halsbereich ("Ich weiß es nicht mehr genau"), die ein paar Stunden anhielten. Da habe dann ganz einfach die Polizei ermitteln müssen.

Der wegen Nötigung, Körperverletzung und Beleidigung angeklagte Autofahrer hielt die Sache für eine Lappalie. Alles frei erfunden, hörte der Richter. Kein dichtes Auffahren, auch kein Ausbremsen oder gar ein Hieb mit der Hand auf den Sturzhelm des Mannes. Lediglich eine kurze Begegnung auf dem fraglichen Parkplatz mit einem Wortwechsel, bei dem gegenseitige Beleidigungen vorkamen. "Haben Sie auch beleidigt?", wollte der Vorsitzende wissen. Die Antwort: "Ja, aber erst, als er mich einen Ossi genannt hat."

Zum Schluss ging alles aus wie das Hornberger Schießen. Richter Theißen bilanzierte: Bei der Nötigung im Straßenverkehr stehe Aussage gegen Aussage. Die Körperverletzung, so sie denn geschehen, sei, bewege sich im untersten Bereich. Und abwertende Ausdrücke hätten beide gebraucht. Vorschlag also in Richtung des Angeklagten: "Zahlen Sie 500 Euro und das Verfahren wird eingestellt." Der 45-Jährige willigte ein. Womit sich der Aktendeckel schloss.

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