23.04.2019 - 11:16 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Ein Piks schützt vor Masern

Viel fehlt nicht mehr und die entscheidende Quote um Masern auszurotten, wäre im Landkreis erreicht. Größere Ausbrüche gibt es vor Ort nicht. Auch Ärzte raten zur Impfung.

Kleiner Stich, große Wirkung: Zwei mal geimpft, ist die Gefahr einer Masern-Infektion lebenslang gebannt. Die Große Koalition debattiert zurzeit über eine Impfpflicht
von Irma Held Kontakt Profil

Einer davon ist der Nabburger Arzt Dr. Thorsten Weber. Er findet es "unheimlich wichtig" gegen Masern zu impfen, denn es sei keine harmlose Kinderkrankheit, könne vielmehr fatale Folgen haben. Er wisse von keinem Kollegen, der das anders sehe, und auch bei Eltern seien die erklärten Impfgegner eine absolute Minderheit. Wichtig sind laut Weber zwei Impfungen im Kindesalter. Meist werde eine Dreifach-Impfung Masern. Mumps, Röteln gegeben. Eine zweite Impfung ist für den Mediziner entscheidend, denn nur so sei der Schutz ausreichend. Bei Windpocken empfiehlt er nicht ganz so dringlich einen Piks, wenngleich er auch diesen für sinnvoll hält. Diese Impfung habe genauso ihre Berechtigung, allerdings sei die Krankheit nicht so gefährlich.

Abc-Schützen geschützt

Nach den Worten von Dr. Daniela Hierhammer, kommissarische Leiterin des örtlichen Gesundheitsamtes, steht der Landkreis bei den Quoten für Einschulungskinder relativ gut da. Im Schuljahr 2016/17 hatten 97 Prozent der Kinder mit Impfausweis mindestens eine Masernimpfung und 93 Prozent mindestens zwei. Die Raten liegen damit leicht über dem Bayerndurchschnitt. 82,7 Prozent dieser Kinder sind zugleich gegen Windpocken immun (Bayern 77,9) Prozent).

Lücken bei Erwachsenen

Um Masern komplett zu eliminieren, gilt als Voraussetzung "eine Immunität von mehr als 95 Prozent der Bevölkerung". Und da beginnt die Ungewissheit. "Wir kennen die Impfrate bei den Einschulungskindern, aber nicht bei der Gesamtbevölkerung", sagt Hierhammer. Lücken könnten zum Beispiel bei jungen Erwachsenen bestehen. Hierhammers Angaben zufolge gab es im Landkreis 2014 einen Masernfall und vergangenes Jahr in einer Großfamilie drei Erkrankungen. Ein Verdacht, der heuer gemeldet wurde, bestätigte sich nicht. Die Krankheit ist seit 2001 meldepflichtig. "Da bis dato" in Deutschland keine Impfpflicht besteht, erklärt die Ärztin, kann Kitapersonal beispielsweise frei entscheiden, ob es sich schützen lassen will. Es werde zwar von Arbeitgebern darauf hingewiesen, aber ein Muss ziehe es nicht nach sich.

Nach Paragraf 34 Infektionsschutzgesetz müssen Eltern bei der Erstaufnahme ihres Kindes in eine Tageseinrichtung nachweisen, dass zeitnah eine ärztliche Beratung in Bezug auf einen vollständigen, altersgemäßen, nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission ausreichenden Impfschutz des Kindes erfolgt ist. Fehlt dieser Beleg, wird das Gesundheitsamt benachrichtigt, das die Eltern erneut berät. Einen Ausschluss zieht das nicht nach sich. Dieser ist nur zeitlich begrenzt möglich, wenn es, wie zum Beispiel im März an einer Schule in Hildesheim, zu einem Masernausbruch kommt. Zu ihrem eigenen Schutz mussten Ungeimpfte dem Unterricht fern bleiben. Dies gilt im Einzelfall für alle meldepflichtigen Krankheiten.

Impfung für Erwachsene :

Antikörper bilden

Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt aktuell allen nach 1970 Geborenen eine Masernimpfung. Der Nabburger Mediziner Dr Thorsten Weber erklärt dazu: Damals sei eine einmalige Impfung üblich gewesen. Der Schutz lasse aber nach. Eine hundertprozentige Immunisierung sei nicht gegeben. Diese gewährleiste nur eine zweite Impfung im Kindesalter. In seiner Praxis komme es auch immer wieder vor, dass Eltern glaubten, sie hätten diese Krankheit schon gehabt. „Doch so manche Erkrankung beginnt mit einem masernähnlichen Hautausschlag. Wer jedoch eine Masern-Infektion überstanden hat, hat lebenslang Antikörper und ist immun.“

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