23.09.2021 - 17:24 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Plakatzerstörungen und eine Anzeige wegen Frauenfeindlichkeit

Plakatzerstörungen nehmen zu – so sehen es besonders die CSU und AfD im Wahlkreis Schwandorf. Die meisten Anzeigen gehen gegen Unbekannt. Doch aus den Reihen der CSU gibt es auch eine Anzeige gegen eine Satire-Partei.

Die CSU sieht sich als Opfer organisierter Attacken auf ihre Plakate. In Pfreimd haben Unbekannte die Holzwand eines Großflächenplakates herausgeschlagen.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Martina Englhardt-Kopf ist genervt - und diesmal hat es nichts mit Umfragen zu tun. Plakate ihrer Partei - auf vielen ist die 40-Jährige selbst bildfüllend zu sehen - wurden in den vergangenen Wochen massenhaft beschädigt, beschmiert, entwendet oder mit roher Gewalt zerstört. "Es ist schlimm", sagt die CSU-Direktkandidatin, auch und gerade im Vergleich mit vergangenen Wahlkämpfen.

Englhardt-Kopf spricht von gezielten Attacken gegen sich und ihre Partei. "Das ist kein Zufall mehr. Die Taten ereignen sich wiederholt an den selben Stellen innerhalb weniger Tage." Mancherorts sei sie "komplett eliminiert" worden.

Auch das Ausmaß der Zerstörung geht sichtbar über einen Tritt im Vorbeigehen oder ein beschmiertes Plakat hinaus. "Bei Großflächenplakaten wurden gezielt die Rückwände herausgeschlagen. Die sind massiv und aus Holz, da braucht es Kraft und Zeit." In Schwandorf hätten Unbekannte ein größeres Bauzaun-Banner entwendet, "was auch immer man damit dann anstellt", sagt die 40-Jährige.

Anzeige gegen "Die Partei"

Die CSU hat inzwischen mehrere Anzeigen gestellt und die Bevölkerung um Hilfe bei der Aufklärung gebeten. "Die Schäden gehen ins Geld. Die Plakate sind das eine, aber so eine Rückwand kostet mehrere hundert Euro", erklärt Englhardt-Kopf.

Fast alle Anzeigen richten sich gegen Unbekannt, bis auf eine: Die CSU wehrt sich gegen ein Plakat der Satire-Partei "Die Partei", das diese direkt unter einem Englhardt-Kopf-Plakat in Nabburg angebracht haben soll. Gestaltung und Inhalt wertet man bei der CSU als frauenfeindlich und stuft es als Beleidigung der eigenen Kandidatin ein. Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien war "Die Partei" nicht zu erreichen.

Zerstörung "kein Mittel"

Auch AfD-Direktkandidat Wolfgang Pöschl sieht sich und seine Partei als das Opfer organisierter Plakatzerstörungen. Im Landkreis Cham, so schätzt es Pöschl, soll ungefähr jedes zehnte Plakat entwendet oder zerstört worden sein, rund um Schwandorf jedes fünfte. In der Kreisstadt selbst rechnet Pöschl mit einer Schwundrate von rund 40 Prozent, in Schwarzenfeld seien gar alle Plakate entwendet worden. Hier habe seine Partei Strafanzeige gestellt - gegen Unbekannt.

Weniger hart hat es wohl die Linkspartei getroffen, was deren Direktkandidaten Manfred Preischl allerdings nicht davon abhielt, Buch zu führen. Einen großen Unterschied zu den vergangenen Jahren stellt er nicht fest: Da seien rund zwei Prozent der Linken-Plakate mutwillig zerstört worden, diesmal seien es drei Prozent. Dafür fielen gewöhnlich rund vier Prozent der Banner Unwetterschäden zum Opfer - in diesem Jahr allerdings nur ein Prozent. Auch wenn seine Partei kaum betroffen ist, spricht sich Preischl deutlich gegen die Zerstörungen aus. Sie seien undemokratisch und "selbst gegen die AfD kein Mittel, sich für eine bessere Welt einzusetzen", meint der Nittenauer.

Auch die anderen Parteien geben sich entspannt: FDP-Kandidatin Ines Tegtmeier sieht wenige bis gar keine Vandalismus- oder Spray-Attacken gegen ihre Plakate. Marianne Schieder von der SPD beobachtet keine organisierte Zerstörung. Ähnliches berichtet Claudia Müller-Völkl, die Kreissprecherin der Schwandorfer Grünen. Auch die Grünen zeigen Zerstörungen und Diebstähle konsequent an - mit teils kuriosen Folgen: "In Nittenau haben wir Anzeige erstattet, nachdem zwei Aussteller verschwunden waren", erinnert sich Müller-Völkl. "Zwei Tage später standen sie wieder da - im Bushäusl."

Zum Thema: So sehen die Parteien in und um Amberg die Situation

Amberg
Hintergrund:

Das droht Plakatzerstörern

  • Wer sich beim Zerstören oder Beschmieren eines Plakats erwischen lässt, dem drohen eine Geld- oder Haftstrafe.
  • Für Sachbeschädigung sieht das Gesetz bis zu zwei Jahre Haft vor.
  • Besonders das Aufsprühen verfassungsfeindlicher Symbole wie Hakenkreuze kann sich negativ auf das Strafmaß auswirken.
  • Doch auch Parteien dürfen sich nicht alles erlauben: Kürzlich wurde in Bayern ein Plakat mir der Aufschrift "Hängt die Grünen" von einem Gericht verboten. (jus)
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