08.03.2019 - 18:50 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Platz ist da, Personal fehlt

Wer für Mutter oder Opa schnell einen Pflegeplatz braucht, telefoniert sich oft die Finger wund, ist am Verzweifeln. Es hagelt Absagen, obwohl Plätze frei sind.

Die Hälfte aller Stellen in der Altenpflege muss mit Fachkräften besetzt sein. Das wird zunehmend zum Problem.
von Irma Held Kontakt Profil

Das hat nichts mit Willkür oder Unlust zu tun. Es fehlt an Altenpflegern. Wenn der Personalschlüssel von 50 Prozent Pflegefachkräften nicht erfüllt werden kann, muss die Platzzahl reduziert werden. Den Heimleitungen bleibt keine andere Wahl. Das sind die gesetzlichen Vorgaben. Der Leiter des Schwandorfer Elisabethenheims Egon Gottschalk hat tagtäglich damit zu kämpfen. Eine Schwangerschaftsmeldung zum Beispiel könne alles Durcheinander werfen. Die Mitarbeiterin sei so schnell nicht zu ersetzen.

Egon Gottschalk rechnet vor: Es gibt 178 Plätze im Schwandorfer Heim. Das entspricht 60 Vollzeitstellen. Davon müssen 30 mit Fachkräften besetzt sein. "Habe ich nur 27 muss ich entsprechend reduzieren. Ein Problem vor dem viele, viele Häuser stehen." Die Leidtragenden sind Gottschalk zufolge diejenigen, die einen Heimplatz suchen und keinen finden, obwohl Betten frei sind. Auch er müsse Anfragen aus Personalgründen ablehnen. Im Neunburger Seniorenheim mit 80 Plätzen, für das Egon Gottschalk kommissarisch zuständig ist, sei es ähnlich.

Peter Viehauser von BRK Senioren- Wohn- und Pflegeheim in Burglengenfeld singt das gleiche Lied. Dort ist die Bettenzahl von 137 auf 120 zurückgefahren worden. "Ältere Mitarbeiter gehen in Rente und es sind keine Bewerbungen auf dem Tisch." Peter Viehauser spielt in die Hände, dass das Rote Kreuz in Burglengenfeld baut. 2021 werden nur noch 104 Senioren in die neuen Räume einziehen. Es gibt aber aktuell auch eine Warteliste. Die Situation beschreibt er im ganzen Landkreis als schwierig bedingt durch Personalmangel. "Wirklich schlimm" schaue es in der Kurzzeitpflege oder bei Notfällen aus. Da erhalte er "verzweifelte Anrufe" von Angehörigen, könne aber nicht weiterhelfen. Er weiß inzwischen von Heimen, die Kurzzeitpflege nicht mehr anbieten, weil schon allein die Aufnahme zu aufwendig sei.

Weiter weg von daheim

Nach den Worten von BRK-Kreisgeschäftsführer Otto Langenhan geht es sich im Nabburger St. Johannesstift und im Alten- und Pflegeheim "Arche Noah" noch aus. Die Plätze könnten belegt und der vorgeschriebene Personalschlüssel erfüllt werden. Er sehe aber das Problem über kurz oder lang auch auf diese Einrichtungen zukommen. Auf das St. Johannisstift in Pfreimd hat sich der Personalmangel noch nicht durchgeschlagen. Alle Plätze seien belegt und genügend Fachpersonal vorhanden. Der Sozialdienst am Schwandorfer Krankenhaus St. Barbara ist ein guter Seismograph für Veränderungen. Der Radius der Pflegeplatzsuche müsse immer weiter ausgedehnt werden. Kapazitäten würden bisweilen nicht mehr ausgeschöpft, weil kein Personal da sei. Wohnortnähe ist dann nicht mehr möglich.

Die Heimaufsicht am Landratsamt spricht von mindestens 50 Prozent Fachleuten, wobei die Betonung auf mindestens liegt. "Wenn es gut läuft, sollte die Quote eigentlich höher sein." Dieser Personalschlüssel sei auch deshalb nötig, weil bestimmte Pflegeleistungen nicht an Hilfskräfte delegiert werden dürfen. Die Quote übe außerdem eine Schutzfunktion für Bewohner und Personal aus. Letzteres solle nicht verheizt werden und Erstere verdienten eine qualifizierte Versorgung.

Weniger Auszubildende

Eine zufriedenstellende Lösung, so der Tenor, sei schwierig. Da bestünde die Möglichkeit den Stellenschlüssel Altenpfleger und Helfer generell aufzuweichen. Viehauser könnte sich das ausnahmsweise in Notfällen vorstellen. Laut Gottschalk sind deutschlandweit 32 000 Fachkraftstellen in der Altenpflege unbesetzt. Viele Häuser bilden Leute aus, aber auch hier zeigt sich das gleiche Bild wie im Handwerk. Viehauser sagt dazu: "Vor sechs oder sieben Jahren hatten wir sieben Auszubildende, jetzt sind es drei. Das geht anderen auch nicht anders." Ausländische Pfleger anzuwerben stelle kein Allheilmittel dar. Einige Hürden seien zu überwinden. Interessenten jenseits der Landesgrenzen müssen ihre fachliche Qualifikation und Deutschkenntnisse nachweisen. "Denn", sagt Gottschalk, "die Altenpflege lebt von der Kommunikation".

Pflege in der eigenen Wohnung, sei es durch Angehörige, sei es durch einen Pflegedienst, schätzen viele Senioren. Verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand und muss von heute auf morgen ein Platz in einem Heim gefunden werden, ist die Suche mühsam. Eine wohnortnahe Unterbringung gleicht nahezu einem Glückstreffer.

Die Leidtragenden sind diejenigen, die einen Heimplatz suchen.

Egon Gottschalk, Leiter des Elisabethenheims Schwandorf.

Ältere Mitarbeiter gehen in Rente und es sind keine Bewerbungen auf dem Tisch.

Peter Viehauser, Leiter des BRK Senioren-Wohn- und Pflegeheims Burglengenfeld

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