11.01.2019 - 14:31 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Prävention kommt zu kurz

Einstellungsrekord bei der Bayerischen Polizei, heißt es in Mitteilungen des Bayerischen Innenministeriums. "Das mag stimmen", sagt Polizei-Gewerkschafter Paul Groß. Die Personalpolitik kritisiert er trotzdem.

Paul Groß, Vorsitzender der Kreisgruppe der Gewerkschaft der Polizei, kritisiert die dünne Personaldecke in den Inspektionen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der Schutzmann zu Fuß auf der Straße: Ein Bild, das nur noch äußerst selten zu sehen ist. Dabei ist sichtbare Polizeipräsenz ein wesentlicher Baustein für das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger. Das deckt sich häufig nicht mit den Aufklärungsquoten, die jährlich auf den Tisch gelegt werden. Da liegen die Inspektionen der Region vergleichsweise gut. Dennoch wünschen sich Bürger mehr Beamte auf der Straße. Diese Arbeit kommt für Paul Groß oft zu kurz. Der Vorsitzende der Kreisgruppe der Gewerkschaft der Polizei macht dafür die dünne Personaldecke in den Inspektionen verantwortlich. Irgendwie schaffen es die Chefs und die Kollegen zwar immer, die Dienstpläne zu besetzen. Es gibt aber auch Schichten, in denen nur ein Streifenwagen unterwegs sein kann, wo mindestens zwei eingeplant wären. Groß, Oberkommissar an der Schwandorfer Inspektion mit 40 Dienstjahren Erfahrung, nimmt seine Dienststelle als Beispiel. Die Sollstärke liegt bei 46 Polizeibeamten, im Dezember 2018 lag das "Ist" bei 40. Ab März 2019 werden laut Groß zwei weitere Beamte wegen einer längeren Fortbildung fehlen. Ersatz ist nicht in Sicht.

Der Gewerkschafter sieht seit Jahren ein "dauerhaftes Personal-Minus", auch bei anderen Land-Inspektionen. "Das Innenministerium spricht immer wieder davon, dass es noch nie so viele Polizeibeamte wie aktuell gegeben hat. Vor allem die Ballungsräume haben Personal. Bei uns am Land kommt das nicht an." Stagnierende Personalzahlen seien zu wenig, meint Groß. Ab der Autobahnpolizeistation (APS) Schwandorf etwa seien derzeit nur 15 der 20 Sollstellen besetzt. Nur Dank eines besonderen Schichtmodells seien die Aufgaben hier zu erledigen. Das verlangt laut Groß den Kollegen aber viel Flexibilität ab. Ab März soll die APS laut Groß drei Beamte zugewiesen bekommen. Bei aller Kritik an der Personalpolitik weist Groß aber auch positive Entwicklungen hin. So habe sich die Altersstruktur an seiner Dienststelle verbessert. Auch was die Überstunden der einzelnen Kollegen angeht, sei die Lage in Schwandorf vergleichsweise gut. Für die Präventionsarbeit - die allerdings kaum in einer Statistik auftaucht - bleibe aber zu wenig Zeit.

Mit Sorge blickt Groß auch auf Pläne der Schwarz-orangen Koalition in Bayern, weniger Tarifangestellte wie etwa Bürokräfte bei der Polizei zu beschäftigen. "Die halten uns aber den Rücken frei".

Das Plus an Beamten kommt auf dem Land nicht an.

Paul Groß, GdP-Kreisgruppenvorsitzender

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